Reise blog von Travellerspoint

Kolumbien

auf nach Kolumbien

Paranoia von Pasto bis Popayan

sunny 22 °C
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[Vorsicht viel Text!]

Ich bin von Galapagos nach Quito geflogen. Eigentlich wollte ich noch am gleichen Tag weiter nach Kolumbien, denn Quito habe ich in schlechter Erinnerung und will davon nicht mehr sehen als ich bereits kenne. Daraus wurde wieder mal nichts. Bis ich endlich mein Gepäck habe und draußen bin ist es schon zu spät zum Weiterreisen. Ich will die Strecke nach Norden nicht in der Nacht fahren, nach Sonnenuntergang habe ich von zu vielen unangenehmen Dingen gehört die auf den Strecken im Grenzgebiet zu Kolumbien passieren.

Was soll's, ich habe ja Zeit und mir aus dem Reiseführer ein nettes Hostel in der Altstadt ausgesucht. Der neue Flughafen liegt jetzt weit nördlich der Stadt und es dauert über eine Stunde bis ich endlich dort bin. Ich habe keine Reservierung (weil ich ja ursprünglich gar nicht hier über Nacht bleiben wollte) und es ist alles voll. Im zweiten Hostel dass ich versuche erlebe ich eine Überraschung. An der Rezeption steht Nele, eines der drei belgischen Mädels mit denen ich vor Wochen in Bolivien in der Salzwüste war. Wie wahrscheinlich ist dass denn unter all den Hostels in Quito ausgerechnet hier jemand Bekannten zu treffen? Das Wiedersehen dauert nur kurz, denn auch hier ist alles voll. Im dritten Hostel dann endlich ein freies Bett für mich.

Mittlerweile ist es schon lange dunkel und ich habe noch nichts gegessen. Im Viertel sieht es chaotisch aus. Die Gehwege sind überall aufgerissen, weil gepflastert wird. Viel Laternenbeleuchtung gibt es nicht. Seit dem Überfall Buenos Aires bin ich nicht mehr der Selbe. Da steht wieder ein Dutzend Jugendlicher an der Ecke wo ich vorbei muss, mir ist nicht wohl in der Haut. Eine einfache Sache wie abends etwas Essen gehen wird zur pulssteigernenden Aktivität. An diesem Abend ist nichts passiert und ich komme mir dumm und paranoid vor, als ich wieder heil im Hostel bin.

Trotzdem habe ich keine weitere Lust auf diese Stadt und suche mir ein Ziel auf halbem Weg zur Grenze - Otavalo. Bekannt für seine gut erhaltenen Kolonialbauten. Jikes! - schon wieder weiße Häuser aus dem 17.Jh. Ich habe spätestens seit Salta ein Überdosis davon. Heute ist Montag, der blödeste Tag um nach Otavalo zu kommen, denn normal kommt man hier am Wochenende her wenn Markt ist. Der Hauptplatz hier heißt ausnahmsweise mal nicht Plaza Bolivar sondern Plaza de Poncho.

Poncho habe ich mir dann keinen gekauft, aber etwas anderes dass es nur in Ecuador gibt - einen Panama-Hut. Kurz darauf bereue ich den Kauf auch schon wieder. Schön ist er schon der Hut, aber unpraktisch und empfindlich. Den kann man nirgends einpacken. Ob ich den heil heim bringe ist sehr fraglich.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück geht es um 8 Uhr weiter. 450km nach Popayan in Kolumbien. Gedacht als angenehme Tagesetappe. Googlemaps sagt 6 Stunden, der Reiseführer sagt 8 Stunden. Es wird der längste Bus-Tag meiner Reise. Zur Grenze dauert es für 130km schon mal 3 Stunden statt 2. Da es keine Busse gibt die über die Grenze fahren muss ich 2 mal ein Taxi nehmen und ein Stück zu Fuß bis ich auf der anderen Seite am Busbahnhof bin.

Wegen einem Radrennen ist die Strecke bis frühen Nachmittag gesperrt und mein Bus nach Popayan kann erst um 2 Uhr los fahren. Ich rechne im Kopf die 6 Stunden dazu und denke mir: "Na gut dann kommst halt kurz nach Dunkelheit an". Ist schade, denn die Strecke zwischen Pasto und Popayan ist traumhaft. Meienr Meinung nach die spektakulärste Bergstrecke, die man mit einem normalen Linienbus fahren kann. Ich sitze auf der falschen Seite (links) und habe keinen Fensterplatz. So sehe dieses Mal ich leider nur wenig von der fantastischen Landschaft.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit hält der Bus an einem Rasthaus an. Eine Stunde Essenspause. Ich würde lieber weiter fahren, so komme ich erst um 9 an. Nach dieser Unterbrechung kaum losgefahren, schon wieder ein Halt ohne ersichtlichen Grund. Der Fahrer stellt den Motor ab. Was ist den nun schon wieder los? Einige Passagiere und ich steigen aus. Wir stehen vor einer Polizeisperre. Stimmt wieder was mit den Papieren des Fahrzeugs nicht? Das hatte ich ja auch schon.

Ich frage den Fahrer warum wir halten. Er erzählt etwas von Konvoi. Häh? Wozu dass denn? Dann dämmert es mir und mir fallen die Geschichten wieder ein, die ich in Ecuador bezüglich der Panamericana zwischen der Grenze und Popayan gehört habe. Mit MPs bewaffnete Banden stoppen nachts des öfteren Busse und rauben die Insassen bis auf die Unterhosen aus. Das war der zweite Grund (außer der schönen Landschaft) warum ich hier nicht im Dunkeln unterweg sein wollte.

Die Polizei hat dafür eine Lösung. Nicht Patrouillen oder Eskorten, das wäre zu gefährlich, denn da müssten sie sich ja selbst mit den Ganoven herumschlagen. Viel sicherer (für die Polizisten) ist es, wenn man die Busse in 4-er-Konvois alleine durch das gefährliche Gebiet fahren lässt. In unserem Fall dauert es fast 2 Stunden bis endlich genug Busse beinander sind und es weiter gehen kann. Mein Sicherheitsgefühl hat sich durch diese polizeiliche Maßnahme nicht verbessert. Die restlichen Stunden bis Popayan spähe ich durchs Fenster um möglichst rechtzeitig zu sehen wenn eine Straßensperre der Banditen auftaucht. Was ich dann tun oder ändern könnte wüsste ich auch nicht, aber ich will es halt so früh wie möglich wissen wenn wir überfallen werden.

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[Nein, ich bin nicht paranoid, aber das heisst nicht dass sie nicht hinter mir her sind!]

Langsam habe ich echt die Schnauze voll von Südamerika und wünsche mich zurück nach Asien. Dort kennt man das nicht. So etwas kann einem echt den Reisespaß verderben.

Um 11 Uhr nachts kommen wir endlich in Popayan an. 15 Stunden war ich nun unterwegs bis hierher. Wenigstens habe ich dieses Mal eine Reservierung fürs Hostel. Wenn man so spät ankommt ist das auch absolut ratsam und hilfreich. Ich sage dem Taxifahrer am Busbahnhof den Namen und die Adresse - hat er noch nie gehört. Ich frage den Zweiten - der weiß auch nichts. Egal, ich habe einen Stadtplan, die Adresse und werde ihm sagen wie er fahren soll.

Nicht so einfach, die Hausnummer gibt es irgendwie nicht und die Markierung auf der Karte scheint auch nicht zu stimmen. Nachdem wir vier Mal um den Block gefahren sind, wird es mir zu dumm und ich steige aus. Zu Fuß kann es ja nicht mehr weit sein. Mittlerweile ist es nach Mitternacht und die Straßen menschenleer. Keine gute Idee mit allem Reisegepäck um diese Zeit zu Fuß unterwegs zu sein.

Auch dieses Mal geht alles gut. In einer Art Fußgängerzone 200m weiter finde ich die Adresse. Kurz einchecken und sofort ins Bett. Für heute reicht es mir.

Das Hostel liegt direkt am historischen(!) Marktplatz im spanischen Kolonialstil(!). Ich bin wenig interessiert an der Aussicht und Umgebung, aber es gefällt mir hier im Hostel so gut, dass ich gleich mal 2 Nächte bleibe. Ich stehe im Flur und schaue mir gerade die Busverbindungen für den nächsten Tag an, da klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Wieder eine Überraschung - die anderen beiden belgischen Mädels sind zufällig auch hier im selben Hostel untergekommen. Diesmal bleibt mehr Zeit für Austausch der Erlebnisse.

Eine von beiden wurde mit ihrem Begleiter nachts in Lima im Taxi ausgeraubt. Der Taxifahrer fuhr durch ein finsteres Viertel, hielt an und ließ zwei seiner Kumpel zusteigen. Den Rest kann man sich denken. In Quito wurde sie dann Opfer der Schmutzmasche. Das höre ich nicht zum ersten Mal und auch in allen Reiseführern wird davor gewarnt. Der Trick wird zumeist an Busterminals angewendet und funktioniert so:

Ein "netter" Local tippt einen an und zeigt auf Schmutz den man auf der Jacke/Pullover/Rucksack hat. Der Dreck wurde natürlich von einem anderen Komplizen soeben dort hingeschmiert. Ein oder zwei weitere Einheimische scharen sich dazu und helfen den Dreck wegzuwischen. Derart abgelenkt stellt der Reisende schon mal seinen Daypack-Rucksack (der üblicherweise die Wertsachen enthält) ab und schaut sich die Sauerei an. Wenn dann alle wieder weg sind, ist meist auch der kleine Rucksack weg oder es fehlen Dinge aus den Taschen.

Im Fall von Annelies war das beonders Perfide, dass man ihr nicht irgendwelchen Schmutz sondern Kot an die Schulter und in die Haare geschmiert hatte. Als sie in den Toiletten des Busbahnhofs versuchte die Sauerei abzuwaschen hat ihr Daypack Beine bekommen. Zwei Mal in so kurzer Zeit - das ist wirklich Pech.

Ständig höre ich Geschichten dieser Art. Handy weg, Ipad geklaut, ausgeraubt - praktisch niemand kommt hier ungeschoren davon. Die Frage ist nicht ob man beraubt/beklaut wird sondern nur wann und wie oft.

[übrigens..meine Kamera habe ich trotz fehlender Fotos in diesem Beitrag noch ;-)]

Eingestellt von Tom Travel 20:04 Archiviert in Kolumbien Kommentare (0)

Salento

Die Schweiz mit Palmen

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Weiter geht es am nächsten Morgen nach Norden. Zumindest sind die Straßen ab hier sicher...heisst es - ich werde trotzdem nur noch tagsüber mit Zeitpuffer per Bus unterwegs sein. Cali liegt auf meinem Weg. Diese Stadt hatte mal den zweifelhaften Titel als Millionenstadt mit den meisten Morden pro Einwohner. Ob das heute auch noch so ist ist mir wurscht, ich werde hier nicht bleiben, ich wechsle hier nur den Bus und es geht sofort weiter nach Armenia. Die Busse hier sind übrigens die schlechtesten in ganz Südamerika bisher. Keine Luxus-Doppeldecker mit Liegesitzen, sondern Kleinbusse ohne Aircon oder Toiletten und wenig Fußraum. Heute habe ich Glück mit meinen Bussen und erwische jeweils einen Einzelsitz direkt hinter der Schiebetür, so dass ich meine Beine schön ausstrecken kann.

Plötzlich knallt es unter dem Bus. Der Fahrer hält an und es stellt sich heraus, dass sich die Lauffläche des inneren Zwillingsreifen komplett abgelöst hat. Wenigestens muss ich bei dieser Reifenpanne nicht selbst ran.

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Das Ganze passierte praktisch direkt vor einer Werkstatt und der Mechaniker macht sich sofort ans Werk. Im Gegensatz zu Texas, wo weder das Wal-Mart-Reifencenter noch eine auf Reifen spezielisierte Werkstatt einen passenden Wagenheber für unseren Moby hatten, hat hier scheinbar jede Dorfwerkstatt das richtige Werkzeug für solche Fälle parat.

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Nur 15 Minuten später ist der Reservereifen montiert, das defekte Rad verstaut und es kann weiter gehen. In Armenia nehme ich dann den dritten Bus für heute für die letzte Stunde Fahrt nach Salento

Salento - ein Postkarten-Kitsch-Ort.

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Ich kann zuerst nicht glauben was ich da sehe. Das sieht mehr aus wie eine Disney-Village-Version von Kolumbien.

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Bemüht sich hier ein Ort alle Klischees zu erfüllen? Es sieht aus wie an einem Film-Set und man sucht unwillkürlich die Kameras.

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Ist das authentisch? Ja, ist es. Das sind echte Menschen und keine Statisten. Mir gefällt das hier außerordentlich.
Um den Marktplatz zweistöckige Häuser in allen nur vorstellbaren Kombinationen von Bonbonfarben.

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Gemütliche kleine Bars mit Stühlen auf dem Gehsteig. Ich kann mich nicht erinnern dass ich hier in Südamerika schon mal außerhalb der großen Städte so viele Einheimische in Bars gesehen habe. Von überall klingt Joropo und Bambuca Musik aus den Fenstern. Gestern noch bin ich stundenlang durch Popayan gelaufen um eine gemütliche Bar zun finden um ein Bierchen zu trinken - nichts gefunden. Hier gibt es mehr als genug davon zur freien Auswahl.

Männer und Frauen sitzen gemütlich auf den Bänken um den Park.

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Keiner sieht so aus als ob er bald mal irgendwo hin müsste.

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Keiner tippt auf seinem Handy herum - zumindest keiner über 25. Die Leute kommunizieren hier tatsächlich ohne elektronische Hilfsmittel.

Das Dorf liegt auf 1900m umgeben von grünen Hügeln. Wie die Schweiz mit Palmen hat es mal einer beschrieben. Für micht steht sofort fest: Hier bleibe ich länger.

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Die beiden belgischen Mädels sind inzwischen auch hier angekommen und wir machen eine Wanderung ins nahegelegene Cocora-Tal. Zum Startpunkt der Wanderung geht es per Jeep.

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Das Ganze hier erinnert an abgelegene Alpentäler. Die Milch wird per Pferd abtransportiert.

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5 Stunden geht es durch Hoch-Regenwald. Viel Grün, kühl, teilweise neblig.

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Die Vegetation ist nicht alpenländisch. Riesenfarne und Bromelien.

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1000 Höhenmeter geht es nach oben. Dort eine Finca mit Hunderten von Kolibris.

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Am Ende dann das Tal mit den Wachspalmen - mit Kühen, wie in der Schweiz.

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8 Stunden später, ganz schön geschlaucht wieder im Hostel.

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Am letzten Tag in Salento mache ich die obligate Tour zu einer Kaffee-Plantage. Hier das Gruppenbild mit dem Plantagenbesitzer Don Elias in der Mitte.

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Wir bekommen eine Führung durch die Plantage und eine Demonstration wie die Bohnen geschält und getrocknet werden.

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Am Ende der Tour dann ein Tasting mit frisch gemahlenem, hier gerösteten kolumbianischen Kaffee.

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Eingestellt von Tom Travel 16:20 Archiviert in Kolumbien Kommentare (1)

Medellin - Palomino

2 Jahre unterwegs

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Von Salento geht es lockere 7 Stunden per Bus nach Medellin. Noch so eine Großstadt in Kolumbien mit zweifelhaftem Ruf. Wir sind mittlerweile eine kleine Reisegruppe von 6 Personen und nehmen vom Busbahnhof 2 Taxis zum Hostel. Die Taxifahrer kennen die Adresse nicht, von dem Hostel haben sie auch noch nie gehört. Das ist ein kolumbianisches Phänomen, dem ich hier fast in jeder Stadt begegnet bin. Die Fahrer kennen sich in ihrer eigenen Stadt nicht aus.
Über eine Stunde kreisen wir durch die Stadt, suchen die Adresse. Dabei kommen wir durch Gegenden in denen man echt nicht aussteigen will. Am Ende landen wir in einem ganz anderen Hostel. Das liegt glücklicherweise in einer guten Gegend der Stadt.

Beim Einchecken und Ausfüllen der Registrierung kommt mir das heutige Datum, der 18.6. irgendwie bekannt vor. Ich schaue später in meinen Blog und stelle fest, dass es heute genau 2 Jahre sind, seit ich von München zu dieser Reise aufgebrochen bin.

An dieser Stelle ein Gruß an Eva, die mal zu mir sagte: "Eine Weltreise muss mindestens 2 Jahre dauern." - nun das wäre somit geschafft.

Ich wollte eigentlich sofort am nächsten Morgen weiter nach Santa Marta an der Küste fliegen. Das scheitert am Buchungssystem der kolumbianischen Billig-Airline. Die akzeptieren nämlich keine europäischen Kreditkarten. Eine Alternative wäre der Landweg. Auf 18 Stunden Busfahrt habe ich allerdings keine Lust.
Also muss ich umdisponieren und buche einen Flug mit der staatlichen Airline nach Cartagena, 4 Busstunden westlich von meinem eigentlichen Ziel.
Das Gute ist, dass dieser Flug erst abends geht und ich dadurch morgen einen halben Tag Zeit habe mir etwas von der Stadt anzusehen. Zuerst kommt aber noch der heutige Abend. Medellin hat ja ein Nachtleben, auch unter der Woche. Wir gehen zu sechst los Richtung "Zona Rosa" - da wo was los ist.

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Am nächsten Tag muss ich mich entscheiden was ich ansehen will. Viel Zeit ist ja nicht. Die Wahl fällt auf Ariv, ein Park-Naherholungsgebiet in den Bergen über Medellin. Per S-Bahn und Seilbahn geht es den hinauf in die Wälder.

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In der Gondel fühlt es sich an wie Skiurlaub ohne Schnee. Man hat einen schönen Überblick auf die 3-Millionen-Stadt.

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Oben angekommen gibt es dann nicht wirklich viel zu sehen. Etwas Wald, ein kleiner See, ein Schmetterlingsgehege.

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Meine Zeit ist auch schnell um. Ich muss zum Flughafen und trenne mich von meiner temporären Reisegruppe. Einige werde ich in ein paar Tagen an der Küste wieder treffen.

Ankunft in Cartagena verspätet wegen einem Unwetter und Gegenwind auf der Strecke. Bis ich aussteige hat es aufgehört zu regnen. Es ist schwül-heiß und fühlt sich beim Aussteigen an als ob man einen nassen Waschlappen ins Gesicht bekommt. "Endlich warm!", denke ich mir.
Es folgt wieder das übliche Spiel mit dem Taxifahrer, der weder das Hotel noch die Straße kennt die ich ihm nenne. Er fragt sich durch und wir kommen auf diese Weise dieses Mal tatsächlich beim gewünschten Hotel an. Mittlerweile ist es 9 Uhr abends, die Straßen dampfen vom Regen. Selbst ein leichtes T-Shirt ist noch zu warm.

Cartagena hatte mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Dieses Mal ist es nicht anders. Die gigantischen Festungsmauern, die engen Gassen der Altstadt, viele kleine Bars und Restaurants. Ich bin zwar nur für diese Nacht hier, nehme mir aber vor auf dem Rückweg wieder her zu kommen und ein paar Tage länger zu bleiben.

Weiter geht es am nächsten Morgen 4 Busstunde nach Santa Marta. Die 3 Belgier aus meiner Medellin-Reisegruppe haben dort in einem Hostel reserviert. Ich komme nur wenige Minuten vor den Mädels dort an, die haben die 18 Stunden mit dem Bus gewählt. Das Hostel ist ganz nett mit Pool und so, aber mir gefällt es hier nicht. Die Gegend um das Hostel ist sterbenslangweilig, der Strand und das City Center weit weg - was soll ich hier?
70km weiter westlich liegt ein Ort direkt am Strand - Palomino. Das wurde mir schon mehrfach von anderen Reisenden als Geheimtipp empfohlen. In meinem Reiseführer findet sich darüber keine Zeile, an dem "geheim" könnte was dran sein. Das bedeutet nochmal 2 Stunden Bus.

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Verschlafener Ort wäre geschmeichelt, es ist ein schmutziges Straßenkaff. Der Strand ist gottseidank einen Kilometer vom Ort entfernt.

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Ganz nett, aber auch nicht der versprochene superfeine weisse Karibiksand.

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So wirklich umwerfende Strände gibt es scheinbar in ganz Festland-Südamerika nicht. Dennoch ist abzusehen, dass Palomino in wenigen Jahren vom Tourismus überrannt werden wird. Überall wird gebaut. Das Hostel in dem ich 10 Tage bleibe hat erst vor 4 Monaten eröffnet. Eine Oase mit Pool und strohgedeckten Hütten für 8€/Nacht - hier lässt es sich aushalten.

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Diesen Bus musste ich fotografieren, denn es ist definitiv der letzte mit dem ich dieses Mal in Südamerika gefahren bin.

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Von Tierra del Fuego bis fast zum nördlichsten Punkt des Kontinents in der Nähe von Palomino, saß ich überwiegend in diesen Dingern. Mal mehr mal weniger bequem. Mir reicht es auf lange Zeit vom Bus fahren! Jetzt bin ich wieder in Cartagena und das letzte verbleibende Stück zum Flughafen fahre ich Taxi.

Eingestellt von Tom Travel 16:58 Archiviert in Kolumbien Kommentare (1)

Cartagena

adios América del Sur

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Wenn ich nur eine Stadt Südamerikas besuchen dürfte, ich würde mich für Cartagena entscheiden. Auch wenn man schon viel koloniale Altstadt gesehen hat, findet man hier an jeder Ecke ein Fotomotiv.

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Die Schwierigkeit für mich besteht hier nicht darin etwas zu finden das es wert ist fotografiert zu werden, sondern vielmehr darin, dass praktisch jedes Haus, jeder Platz, jede Gasse sehenswert und fotogen ist.

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Auch hier, wie schon in Salento, experimentiert man mit allen Farbkombinationen für die Fassade.

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Cartagena hat zwar über 1 Mio Einwohner, aber davon merkt man als Tourist wenig. Die Altstadt innerhalb der massiven Festungsmauern hat man in wenigen Stunden komplett abgelaufen.

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Es ist tagsüber unglaublich heiß und unglaublich schwül. Mir fällt gerade kein Ort auf der Welt ein an dem es schlimmer war. Jedes Bisschen Schatten ist willkommen.

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Auf den Mauern noch die Kanonen und im Hintergrund die Skyline des modernen Stadtzentrums.

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Abends nur für Pferdekutschen freigegeben, aber auch tagsüber kaum Verkehr.

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Zu meinem letzten Sonnenuntergang gehe ich zu einer Edelbar oben auf den Festungsmauern. 4€ für ein kleines Bier - da fühlt man sich doch gleich wie zu hause.

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Hier treffe ich auch zufällig Yair und Erin wieder - Bekannte aus Palomino.

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Dies war der letzte Beitrag von diesem Kontinent - morgen geht es weiter nach Florida.

Eingestellt von Tom Travel 18:49 Archiviert in Kolumbien Kommentare (1)

Fazit Südamerika

6 Monate durch den Kontinent

all seasons in one day 15 °C
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In 6 Monaten komplett von Süd nach Nord durch diesen Kontinent, Zeit für ein persönliches Fazit.

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Zwei Dinge haben mich überrascht: hoch und kalt ist es hier. Atemnot und Frieren sind die Folge. Zuerst denkt man bei Südamerika doch an Samba und heiße Nächte. Dass sich das für mich nicht so bestätigt hat, liegt wohl daran dass ich Brasilien nur ganz im Südwesten angeritzt habe. Geschwitzt habe ich nur die letzten 2 Wochen an der kolumbianischen Karibikküste.

Ich habe es vor dieser Reise schon geahnt, nun weiß ich es mit Gewissheit: Berge sind an mich verschwendet. Schwer zugänglich, zumeist steil, anstrengend und immer kalt. Ich gebe es zu, ich habe es gerne warm und bequem. Wenn schon Berge – dann die in den USA oder Europa mit Komfort!

Wandern ist nicht mein Ding. Das ist was für Kegelclubs und Pfadfinder. Hier trifft man so häufig wie nirgends in der Welt junge Leute die leuchtende Augen bekommen, wenn sie von ihren Touren erzählen. Den Inka Trail in Peru, das große "W" in Torres del Paine – das muss man einfach "machen". Ich nicht. Ich habe auch nicht die coole (sagt man das heute noch?) Fjellraven-Northface-Jack Wolfskin-Gore-Tex Ausrüstung mit atmungsaktiven Links-Rechts-Socken mit Druckpolstern und Daypackrucksack mit integrierter Wasserflasche und Trinkschlauch. Nicht dass diese Touren billig wären. Für die mehrtägigen, geführten Touren sind durchaus auch mal ein paar Hundert Euro fällig.

Ich habe überlegt warum ausgerechnet hier, wo es so teuer ist, so viele Wanderfreaks unterwegs sind und nicht in anderen, möglicherweise ebenso interessanten, billigeren, bergigen Wandergebieten. Die Alpen sind wohl nicht weit genug weg für die überwiegend europäische Kundschaft. Da ist der Imagegewinn zu gering. Hiken in den Anden in der Fitzroy Range klingt doch viel besser als Wandern in den Dolomiten. Die Rocky Mountains liegen weit weg in den USA, sind auch schön, aber schwer zu erreichen. Hier in Südamerika fahren überall Busse - außer in Argentinien - auch sehr günstig. Mietwagen sind in den USA unter 25 sehr teuer, dieses Mindestalter haben viele der jungen Wanderfreunde nicht. Öffentlicher Transport in den USA ist außer zwischen den Metropolen quasi nicht-existent. Das erschwert den Zugang zu den Nationalparks für junge Reisende.

Um seine Sicherheit sollte man in Südamerika jederzeit und fast überall besorgt sein. Raub und Diebstahl sind an der Tagesordnung. Von Überfällen mit Waffengewalt habe ich in Buenos Aires, Kolumbien, und Peru von direkt Betroffenen gehört bzw. selbst erlebt. Argentinien scheint mir auf dem Weg in die falsche Richtung, in anderen Ländern nimmt die Gewaltkriminalität eher ab. Peru und Kolumbien sind sehr weit davon entfernt sichere Reiseziele zu sein.

Musik: Die südamerikanischen Rhythmen höre ich zwar gerne, leider bin ich ein völlig unbedarfter und unbegabter Tänzer und es bleibt beim Zuhören. Ich kann gut verstehen, dass die Musik und das Tanzen in den Nachtclubs der großen Städte für manche Grund genug ist herzukommen.

Archiktektur und Kultur: Ja, ich habe es begriffen – die Spanier waren hier. Gebaut haben sie auch und trotz vieler Erdbeben ist noch eine Menge davon übrig. Weiße Stadtzentren und Kirchen im Kolonialstil – wie viele will man sehen?

In Argentinien war ich am längsten und es war die größte Enttäuschung. Zu teuer für das Gebotene. Riesige Entfernungen, teure Busse und Flüge – die Sehenswürdigkeiten im globalen Vergleich nicht wirklich überragend. Andere Regionen haben da mehr zu bieten. Das Essen, auch für mich als Fleischfreund, fad und langweilig. Gutes Fleisch wird ohne Soßen oder interessante Gewürze zubereitet. In Restaurants wurde ich angesehen wie ein Außerirdischer wenn ich nach Pfeffer gefragt habe. Ganz oben im Norwesten wurde es diesbezüglich besser. Seltsamerweise ist das die Gegend, die die wenigsten Touristen abbekommt. Alle wollen nach Patagonien und Tierra del Fuego – die langweiligste Gegend, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.

Bolivien hat mich positiv überascht. Viele Reisende die ich unterwegs getroffen habe, haben geschwärmt davon. Meiner Meinung nach zu Recht. Das Essen hier lecker, vielfältig und endlich auch mal scharf gewürzt. Viel zu unternehmen, die Entfernungen nicht zu groß. Busse und Flüge günstig. Es ist das einzige Land hier in S-Amerika in das ich sofort noch einmal fahren würde.

In Uruguay und Paraguay war ich nur kurz, aber ich denke auch bei einem längeren Aufenthalt hätte ich dort nichts für mich gefunden.

In Chile und Brasilien gäbe es vermutlich etwas zu entdecken. Von den Reisekosten liegen diese beiden Länder so hoch, dass ich mir einen längeren Aufenthalt verkneifen musste.

Peru, die zweite große Enttäuschung. Vielleicht hätte ich mir Cusco doch ansehen sollen. Oder die Nazca Linien. Berge, Wüste, langweilige Strände. Da war echt nichts dabei für mich. Der Colca-Canyon – angebliche tiefster Canyon der Welt – was für eine Lachnummer gegen den Grand Canyon! 30$ Eintritt dafür? Frechheit! Die Straße von Pasto nach Popayan in Kolumbien bot bessere Aussicht – kostenlos!

Am meisten überrascht hat mich Ecuador. Es ist kaum zu fassen wie weit es dieses Land in den gut 20 Jahren gebracht hat seit ich zuletzt hier war. Da kann man sehen was man mit Geld erreichen kann. Seit die Regierung den Profit aus dem Öl im Land behält geht es steil bergauf. Galapagos, eines von 2 persönlichen Mega-Highlights in Südamerika (die Iguazu Fälle waren das andere). Für Tierfreunde und Taucher ein Paradies. Auch ohne super-teure Kreuzfahrt sehenswert und durchaus bezahlbar.

Kolumbien, ein wirklich schönes abwechslungsreiches Land mit den freundlichsten Einheimischen auf dem Kontinent. Karibik-Strandurlaub sollte man allerdings nicht erwarten. Wenn die dort die Probleme mit den Entführungen im Grenzgebiet, den Busüberfällen und nächtlichem Straßenraub in den Griff kriegen, jederzeit eine Reise wert. Ich möchte in diesem Land noch einiges sehen, aber bis das Sicherheitsproblem einigermaßen geregelt ist bleibe ich weg.

Meine ohnehin schon niedrige Meinung über Reiseführer ist noch weiter gesunken. Dort zu findende Informationen sind zum Teil veraltet und nutzlos – das war mir bekannt. Sehr ärgerlich finde ich allerdings, dass praktisch alles was es in einem Land zu sehen gibt als gleichermaßen sehenswert dargestellt wird. Nie heißt es: "Völlig überschätzt, überlaufen, überteuert – bleib weg!" Da kann man versuchen zwischen den Zeilen zu lesen wie man will, erst nachdem man selbst hingefahren ist stellt man fest ob es einen interessiert hat oder nicht. Die besten Tipps bekommt man immern noch von anderen Reisenden.

Als Faustregel hier gilt: Alles was sehenswert ist kostet richtig Geld oder viel Zeit und Geld (weil schwierig zu erreichen). Alle Länder haben begriffen wie einfach sich Ausländer melken lassen. Sobald man etwas unternehmen will das nur Touristen tun, zahlt man Preise wie in Europa - oder sogar mehr. Touren und Eintrittspreise sind oft gestaffelt. Nicht-Lateinamerikaner zahlen am meisten, Einheimische nur einen Bruchteil. Ich stelle mir den Aufschrei vor wenn die Betreiber von Neuschwanstein von Japanern und Amerikanern 20€, von Italienern 10€ und von Deuschen 2€ verlangen würden.

Sorry Amigos, bei der starken Konkurrenz durch Angebote die ich auf anderen Kontinenten gesehen habe, landet für mich Südamerika auf dem letzten Platz.

Eingestellt von Tom Travel 13:54 Archiviert in Kolumbien Kommentare (5)

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