Reise blog von Travellerspoint

Chile

Mein Reisejubiläum

Schnarchverbot

sunny 20 °C
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Seit ich alleine reise buche ich meist die einfache Schlafsaal-Kategorie. Hier heißt das "dormitorio". Das sind dann 4-6 Betten in einem Raum mit gemeinsamen Bad. Das hat was von Berghütte oder Landschulheim. Man lernt auf diese Weise allerdings sehr schnell die Mitreisenden kennen.

Bisher hatte ich immer Glück, es war nie ein Schnarcher dabei. Meeresbrandung, Verkehrslärm, Züge, klappernde WalMart Einkaufswagen - das macht mir alles nichts beim Schlafen. Wenn aber einer in meiner Nähe schnarcht, dann ist es aus mit der Nachtruhe. Da bin ich sehr empfindlich - da hört der Spaß auf. (Vielleicht liest ein ehemaliger BT-Kollege diese Zeilen - er wird sich erinnern.)

So schön wie das Lautaro ist, vor zwei Nächten ist Michel aus Frankreich in meinem Dorm eingezogen. Etwas älter und nicht der Schlankste und - was abzusehen war - ein Schnarcher. Daher bin ich gar nicht so traurig als ich für eine Nacht das Hostel wechseln muss, weil im Lautaro alles ausgebucht ist. Wieder eine Nacht Ruhe zu bekommen ist verlockend. Von den ca. 50 Hostels hier in Calafate suche ich mir ein nahegelegenes aus. Dort haben sie 20 dormitorios zu je 6 Betten und in meinem Zimmer ist laut Chefin nur ein weiterer Gast. Prima! Ich lege mein Zeug hin und gehe zum Flamingo Reservat nebenan.

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Das liegt wieder mal am Lago Argentino, so richtig Lust zum Baden bekommt man aber nicht. Sieht kalt aus und ist kalt.

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Danach gehe ins Dorf zum Essen und auf 1-2 Bier. Als ich zurück komme ist es dunkel und mein Zimmergenosse schläft schon. Rücksichtsvoll wie ich nunmal bin mache ich kein Licht an und lege mich ins andere Bett. Es dauert keine 5 Minuten da geht die Sägerei los. Verdammt, nicht schon wieder! Nur einer mit im Zimmer und das reicht um mir den Schlaf zu rauben. Ich krame im Dunkeln nach den Oropax - die helfen auch nicht wirklich. Es fühlt sich an als ob der ganze Raum vibriert.

Zwischendurch schlafe ich immer mal kurz und wache dann wieder vom Geschnarche auf. Was eine üble Nacht. Ich bin froh als es endlich hell wird und schaue zu meinem Zimmerpartner. Das darf doch nicht wahr sein! Von all den Hostels im Ort, mit all den Zimmern...wer liegt neben mir? Michel, der Franzose! Er grüßt mich freundlich und ausgeschlafen. Klar, ihn hat ja keiner gestört. Mir reicht's, ich mache dass ich weg komme, bevor ich noch etwas sage dass die deutsch-französische Freundschaft stören könnte.

Ich bin ab sofort für ein Schnarchverbot in öffentlichen Bereichen, so wie beim Rauchen auch. Ich habe ein Recht auf eine Schnarch-freie Umgebung! Gibt es eigentlich Untersuchungen bezüglich der Gesundheitsgefährdung durch Passiv-Schnarchen? Wohl eher nicht. Gefährdet ist eher der Schnarcher, von seinem Bettnachbarn mit dem Kissen erstickt zu werden oder etwas auf den Kopf zu bekommen.

Auf dem Weg zum alten Hostel schau ich immer mal um und sehe ob er hinter mir her kommt. Im Lautaro angekommen erfahre ich dass sie nun wieder völlig ausgebucht sind. Keine Gefahr also dass er nach mir noch einchecken kann. Gottseidank. In meinem Zimmer sind heute nur junge, schlanke Reisende - bestens! Diese Nacht wird wieder ruhig.

Zur Zeit sind nirgends Ferien und so ist es eine sehr bunte Mischung an Leuten unterwegs. Neben vielen sehr jungen Leuten so 18-25 auch ein Paar aus Deutschland mit 4-Monate Baby, ein Paar aus Italien mit 2 Vorschulkindern. Woher nehmen Erstere das Geld und die mit-Kindern-Reisenden die Nerven?

Dann wären da noch drei französische Krankenschwestern (2 davon männlich - sagt man da dann Krankenbruder?) die 2000km mit dem Fahrrad von Mittel-Chile quer über die Anden bis hier runter gefahren sind und eine Engländerin die sich vorgenommen hat bis zum 30. auf allen 6 Kontinenten gecampt zu haben. Nächste Woche geht sie auf eine Tour zur antarktischen Halbinsel - ihr Ziel wird sie somit locker schaffen. Sie ist überhaupt ein ziemlich aussergewöhnlicher Typ Reisender. Monatelang allein als Frau durch Afrika, in Mozambique schwer an Malaria erkrankt. Wenn ich das alles so höre komme ich mir direkt langweilig vor.

Am nächsten Morgen fahre ich weiter nach Puerto Natales.

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Nur 6 Stunden mit dem Bus. Man könnte es auch in 5 schaffen, wenn die Grenze nicht wäre. Der Grenzübergang nach Chile ist für mich ein kleines Jubiläum, mein 50. Reiseland. Die Chilenen nehmen es sehr genau mit der Einfuhr von Obst, Gemüse und Tierprodukten. Nichts davon darf ins Land. Es beginnt eine Fressorgie vor dem Zollhaus. Für einige Reisenden kommt das überraschend. Sie versuchen so viel wie möglich von ihren Vorräte aufzuessen bevor sie konfisziert werden.

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Die Fahrt an die Grenze war fad. Sie wäre noch fader gäbe es nicht Felder voll blühender Margeriten, Kamille und Lupinen.

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Alle drei eingeschleppt aus dem Norden. Ohne die Blüten wäre es nur grau-grüne Steppe und grau-braune Hügel. Die beiden Blumenbilder unten sind aus dem Flamingo Reservat - so sah die Strecke nicht aus.

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Puerto Natales ist ein verschlafener Hafenort, erst recht heute am Sonntag. Eigentlich wäre wieder Rasiertag, aber ich setze das Experiment Vollbart fort - es sieht mich ja keiner der mich kennt.

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Kein Tourist würde sich hierher verlaufen, gäbe es nicht ähnlich wie in El Calafate etwas in der Nähe von dem es sich lohnt es anzusehen. Was dort der Gletscher ist hier das Torres del Paine Bergmassiv mit seinen imposanten Gipfeln. Ambitionierte Wanderer finden hier mehrtägige Touren, allerdings nur mit eigenem Zelt, Verpflegung und Schlafsack. Kann man alles hier im Ort leihen.

Das Wasser hier ist tatsächlich der Pazifik.

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Jedes Haus das nicht irgendwie mit Tourismus zu tun hat sieht jämmerlich aus. Hauchdünne Einfachverglasung, die Einheimischen sind im Winter nicht zu beneiden.

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Das Kulturzentrum, die Kirche, eine Reisebüro - das sind die Gebäude die noch am besten aussehen.

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Die Slowly Bar - stellvertretende für das hiesige Nachtleben

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Der Hund läuft etwas seltsam, aber ich kann bezeugen - er kam nicht aus der Bar.

Eingestellt von Tom Travel 14:12 Archiviert in Chile Kommentare (4)

Torres del Paine

Berge, Eisberge und schlaue Tiere

semi-overcast 17 °C
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Wie im letzten Beitrag bereits erwähnt ist der Torres del Paine Nationalpark ein Paradies für Wanderer. Ich meine für richtige Wanderer. Das große "W" zu gehen ist für Patagonienwanderer das was der Old Course in St. Andrews für Golfer ist. 5-7 Tage und Nächte frieren bei Wind und Wetter, Blasen an den Füßen - an so etwas haben die großen Spaß.

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Diese Art von Spaß ist nichts für mich, das mir ist das zu anstrengend. Außerdem habe ich nicht die richtigen Schuhe dabei. Ich wähle die bequeme, man könnte sagen die US-amerikanische Variante der Besichtigung. Ich mache eine Tagestour mit Minibus zu einigen interessanten Aussichtspunkten. Wieder mal habe ich einen perfekten Tag zum Fotografieren erwischt.

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Dieser Verrückte ist aus Deutschland - wer genau hinsieht kann das Nummernschild lesen.

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Unterwegs gibt es eine Höhle mit Resten eines Riesenfaultiers. Gibt es etwas Langweiligeres? Säbelzahntiger oder von mir aus Wollnashorn - okay, aber ein seit 15.000 Jahren totes Faultier? Ich bleibe draußen und spare mir den Eintritt, dafür kaufe ich mir heute abend lieber zwei Bier.

Dann das Bild, dass sich praktisch als Cover auf jedem Chile-Reiseführer findet. Die 3.500-Meter-hohen Torres del Paine. Übersetzt - die hellblauen Türme. Bergeinsamkeit pur.

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Doch nicht so einsam. Jede Menge Leute und sogar Koalas treiben sich hier herum.

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Für den Nationalpark-Eintrittspreis von 40$ bekommt man eine Broschüre. Darin wird dem geneigten Leser die einheimische Flora aund Fauna näher gebracht. Äußerst lehrreiche Informationen wie z.B.: "Der Hase hat ein bräunliches Fell, am Bauch heller. Er hat lange Beine und lange Ohren." Das war doch den Eintritt wert.

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Es gibt hier durchaus interessante Tierarten. Nandus und Guanakos zum Beispiel. Guanakos sind ähnlich schlau wie ihre australischen Kollegen, die Kängurus. Ihr Gehirn kennt 3 Programme: Fressen, Wiederkäuen und vor-Autos-springen. Pullover aus ihrer Wolle haben etwa den selben IQ wie die ursprünglichen Besitzer des Pelzes. Die Nandus scheinen auch nicht viel heller auf der Platte.

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Hohe Intelligenz scheint in extrem abgelegenen Gegenden nicht notwendig zu sein oder zumindest nicht von Vorteil.

Die Tour führt um die Berge herum auf die andere Seite. Da ist es jetzt aber einsam.

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oder auch nicht

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Wir kommen zu einem Wasserfall und werden vom Wind fast über die Kante geweht.

Später am Tag sind wir an einem Strand mit Kieselsteinen, die vom Wind hochgeschleudert werden. Ich kenne mich mit Windstärken nicht aus aber vielleicht kann mir einer der Leser sagen um welche Windstärke es sich dabei handelt.

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Mittagspause am Lago Grey

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Bis dahin könnte man sagen: "Boah, wie langweilig. Hohe Berge haben wir auch in den Alpen" (oder in der Eifel)
Aber das gibt es dort nicht - Eisberge!

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Die kleinen schwarzen Punkte sind übrigens keine Vögel oder Ameisen, das sind Wanderer. Da kriegt man mal ein Gefühl für die Dimensionen mit denen man es hier zu tun hat.

Kleine Eisbrocken werden ans Ufer geschwemmt.

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Von einer Halbinsel aus kann man nahe an die Eisberge heran.

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Einer kriegt überraschend gerade ein Kalb.

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Ganz im Hintergrund sieht man den Grey-Gletscher von dem diese Berge stammen.

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Eigentlich wollte ich am nächsten Tag weg aus Chile, aber dann habe ich ganz spontan beschlossen auf dem Lago de Grey Kajak zu fahren. Diese wunderschönen Eisberge noch näher zu sehen kann ich mir nicht entgehen lassen. Die Tour ist mit Führung und alles ist inklusiv - dieses Rundumpaket kostet dann aber auch entsprechend.

Wir fahren zum Startpunkt am Lago de Grey. Gleich gibt es mal eine Stärkung, denn das erste Stück geht gegen Wind und Strömung zu den Eisbergen im Hintergrund.

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Die Ausrüstung ist hervorragend, trotz 5° Wassertemperatur und ordentlich Spritzwasser im Gesicht hat es mich damit den ganzen Tag nie gefroren.

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Nach dem ersten anstrengenden Stück Pause auf einer Kiesbank für Fotos. Während dem Kajaken ist an Fotografieren nicht zu denken. Man kann nicht aufhören zu paddeln sonst treibt man sofort retour.

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Dann mit der Strömung flußabwärts 15km bis zur nächsten Rast. Mittagspause.

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Nach 23km sind wir am Ziel und endlich kommt auch mal die Sonne raus. Ich bin froh die Fototour gestern gemacht zu haben.

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Eingestellt von Tom Travel 17:06 Archiviert in Chile Kommentare (8)

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