Reise blog von Travellerspoint

Peru

unter Geiern

El Condor Pasa

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Die Grenze zwischen Bolivien und Peru verläuft durch den Titicacasee. Gleich hinter Copacabana ist auch die Grenze an Land. Die Peruaner haben sich für den Grenzübergang etwas Nettes einfallen lassen – besser als die ewig gleichen "Welcome to ...-Schilder".

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Was sind die touristischen Highlights Perus? Die Nazka Linien, Machu Pichu - vielleicht noch Cusco. Mit 1000 anderen durch alte Steinhaufen pilgern? Jaja, es ist alles so mystisch. Die Lage der Ruinen in den Bergen und überhaupt - ein einmaliges Erlebnis, ich kann es nicht mehr hören...ich werde mir nichts davon ansehen. Mal ganz abgesehen von dem Massenauflauf der an diesem Ort statt findet, sind die Preise die dort verlangt werden jenseits von Gut und Böse.

Ich bin mir sicher, dass es in diesem großen Land etwas gibt, dass nicht völlig überteuert und überlaufen ist. Deswegen lasse ich Cusco rechts liegen und fahre direkt nach Arequipa. Die zweitgrößte Stadt Perus und Ausgangspunkt für Touren an den Colca Canyon. Laut Statistik die Attraktion #3 hier in Peru - 120.000 Besucher pro Jahr. Angeblich über 4km tief - doppelt so tief wie der Grand Canyon in Arizona. Ich kann es kaum glauben. Wenn das stimmt, dann wäre das das tiefste Loch auf diesem Planeten

Ich sitze also wieder mal in einem Bus. Dieses Mal 10 Stunden bis Arequipa in Peru. Es läuft während der ganzen Fahrt immer die selbe CD mit peruanischer Volksmusik. Ich erkenne nur "El Condor Pasa" in der Panflötenversion.

Die Gegend im Grenzgebiet sieht genau so aus wie der Norden Schottlands.

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Es ist stockfinster bis wir in Arequipa ankommen. Ich habe zwar wieder mal eine Stunde auf der Uhr gewonnen, dadurch wird es aber auch leider eine Stunde früher dunkel. Ich habe ein Hostel im historischen Stadtzentrum. Die alten Gebäude sind fast ausnahmslos aus weißem vulkanischen Tuffgestein. Sieht hübsch aus und spart den Verputz, der hier genau wie in Bolivien ohnehin nicht üblich ist. Über hohe Heizkosten wegen mangelnder Isolierung macht man sich hier keiner Gedanken. Kaum eines der Wohnhäuser hat so etwas wie eine Heizung.

Lange hält es mich hier nicht. Ich kaufe noch ein paar warme Klamotten auf dem Markt und schon am nächsten Morgen sitze ich in einem Tourbus zusammen mit 20 Anderen auf dem Weg zum Colca Canyon.

Raus aus der Stadt kommt der Hausberg Arequipas, der El Misti voll ins Bild – ein perfekter Vulkan mit 5800m.

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Die Straße führt von Arequipa weg immer höher hinauf. Am höchsten Punkt sind es schon wieder mal knapp 5000m.

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Der Bus fährt durch ein Vikunja-Schutzgebiet. Bevor wir die zu sehen bekommen zuerst noch ein paar Lamas und Alpakas – die zahmen Hausvarianten der südamerikanischen Kamele.

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Wir beäugen die Tiere und werden unsererseits von den Kindern kritisch gemustert.

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An den Haltepunkten der Tour-Busse die unvermeidlichen Souvenirstände.

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An die 10.000 Vikunjas leben hier im Schutzgebiet. Einmal jährlich werden sie – Schutzgebiet hin oder her – eingefangen und geschoren. Das rentiert sich, denn bis zu 500$ bekommt man für ein Vlies.

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Zu blöd dass sich die Tiere nicht in Gefangenschaft züchten lassen. Es gab Versuche diese Art zu domestizieren, aber die Wollqualität war zu schlecht.

Ankunft am Nachmittag in Chivay, hier übernachten wir auch. Liegt wieder über 3500m – saukalt.

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Jedes mal wieder sage ich mir: "Das ist nun aber das letzte Mal, dass ich in so einen Eiskeller bleibe." Abends sind wir zu einer Musik-Tanzveranstaltung von erstaunlich niedrigem Niveau geladen. Die Träger der bunten Ponchos kennt man ja aus Fußgängerzonen hierzulande. Da wir parallel zur Darbietung unser Abendessen bekommen kann keiner weglaufen. Das hat diese Band denen in der Einkaufsmeile voraus. Als Zugabe gibt es "El Condor Pasa". Einzig der Auftritt eines Sado-Maso-Duos hat mich ein wenig überrascht. Mit Vollmaske und Peitsche – das hatte ich nicht erwartet.

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Um 5 Uhr am nächsten Morgen klopft es an meiner Tür. "Warum fangen diese Touren immer so früh an?" frage ich mich. Beim Frühstück sitzt der Vollpfosten aus Mexiko neben mir, den ich gestern wegen seinem dummen Kommentar am liebsten verprügelt hätte. Es ging um die Eintrittspreise. Das hier ist nicht mal ein Nationalpark, sondern eine ganz normale Schotterstraße mit Aussicht. Trotzdem werden 25$ Eintritt verlangt. Einheimische zahlen 5$, andere Südamerikaner 12$. Er meinte Gringos sollten gefälligst 100$ bezahlen. Der Depp sitzt also nun um halb 6 Uhr morgens neben mir beim Frühstück – dieser Tag fängt nicht gut an.

Wir fahren zunächst am Colca Valley entlang und machen Stopps bei einigen Dörfchen am Talrand. Bunt kostümierte Kinder tanzen zu "El Condor pasa". Das Ganze ist etwa so authentisch wie Schuhplattler im Hofbräuhaus. Das zu Fotografieren ist mir echt zu blöd. Anden-Adler und andere Raubvögel müssen auch für Fotos mit Touristen her halten. Auch das weigere ich mich zu fotografieren – die Tiere gehören in die Berge und nicht auf Stangen. Dann knipse ich halt die Kirche und Haustiere.

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In meiner Gruppe sind überwiegend einheimische Touristen aus Lima, die finden das alles prima und werden gar nicht mehr fertig mit posieren.

Anfangs geht es entlang des Colca Valley - hier sind die Wände noch nicht so steil und man kann die prä-Inka Terassen gut erkennen.

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Dann der Höhepunkt des Tages – Mirador Cruz del Condor. Was die Höhe des Canyons betrifft wird hier meiner Meinung nach geschummelt. Man rechnet nämlich von der höchsten Spitze der umgebenden Berge bis zum Talboden. Der eigentliche Canyonrand von dem man hinab sehen kann ist "nur" 1200m tief. Egal wie die hier rechnen, der Grand Canyon ist an jeder Stelle an der man sich dort befindet um ein Vielfaches imposanter und eindrucksvoller als das hier.

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Da! Endlich zieht er vorbei der Kondor.

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Zuerst einer, dann zwei - zuletzt dreht ein Dutzend Geier in der morgendlichen Thermik seine Aufwärtsrunden. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, die Geier kreisen hoch über dem Tal auf der Suche nach Kadavern und ziehen weiter. Von den etwa 300 Touristen hier am Aussichtspunkt sieht keiner schwach genug aus.

Alle gehen zurück zu ihren Bussen, vorbei an öffentlichen Toiletten. Davor sitzt strategisch günstig Einer und spielt "El Condor Pasa" auf der Gitarre. Er kann ja nichts dafür, dass ich das Stück in den letzten Tagen gefühlte 800 Mal gehört habe, aber am liebsten würde ich mit den Saiten seiner Gitarre etwas anderes machen als das wofür sie gedacht sind.

Meine Reisegruppe aus Arequipa fährt zurück, ich habe beschlossen noch einen Tag in Chivay zu bleiben und zu den heißen Quellen 5km außerhalb des Ortes zu gehen. Schön heiß, mehr kann man dazu nicht sagen. 4 kleine Pools, eine Felswand im Hintergrund wegen der Aussicht. Am besten fand ich noch die hübsch bemalten Schließfächer. Das sagt sicher Einiges über den Wert dieses Bades.

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Zurück nehme ich ein 3-Rad-Motorrad-Taxi. Erstaunlicherweise verfügt dieses Gefährt über eine Stereoanlage. Der Fahrer will mir wohl eine Freude machen und spielt ...

Eingestellt von Tom Travel 15:51 Archiviert in Peru Kommentare (4)

Peru - ich habe fertig

nichts dabei für mich

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Vom Chivay am Colca Canyon fahre ich zurück nach Arequipa, wo es übringens nach meiner unmaßgeblichen Meinung die hübschesten Frauen in Südamerika bisher gab. Das dortige Nightlife habe ich mir auch mal kurz angesehen und bin mit zwei Schweizerinnen aus meinem Hostel in eine Einheimischen-Disco gegangen.

Vielleicht lag es daran dass Sonntag war, denn so richtig Stimmung kam dort nicht auf. Intressant war ein einsamer Local, der beständig von seinem Tisch mit vier leeren Bierflaschen zu uns rüber geschaut und dabei mit dem Kopf geschüttelt hat. Was da nicht zu verstehen war erschloß sich mir nicht. Vielleicht wunderte er sich auch nur wo das Bier hingekommen ist.

Da ich keine Lust auf 14 Stunden Bus nach Lima habe gönne ich mir einen Flug dorthin. Schon beim Anflug sieht Lima nicht einladend aus. Eine grau-braune Sandgrube mit vielen Häusern. Am Boden wird es nicht besser. Diese Stadt kommt sofort in meine Top 5 der häßlichsten Städte dieser Welt. In einer Liga mit Colombo, Jakarta oder Phnom Penh. Dreckig, laut, chaotischer Verkehr. Eigentlich ist es ein sonniger, wolkenloser Tag, aber man kann wegen dem Smog nicht erkennen was für ein Wetter gerade ist.

Hier bleibe ich nicht - nichts wie weg. Mit dem Taxi quer durch die Stadt zum Busbahnhof und von dort neun Stunden nach Trujillo. Überwiegend geht es durch trockene Wüstenlandschaft. Und wenn ich sage Wüste, dann meine ich Wüste.

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Sandhügel, Sandberge, Geröllhaufen entlang der gesamten Strecke. Mit viel Plastikmüll verziert. So was Schlimmes habe ich seit Kambodscha nicht mehr gesehen. Auch Trujillo gefällt mir nicht - weiter ins nahe gelegene Huanchaco, endlich wieder ans Meer. Ich freue mich auf Badeurlaub, denn seit Purto Natales in Chile vor drei Monaten habe ich den Pazifik nicht mehr gesehen.

Bis ich ankomme ist es spät in der Nacht. Am nächsten Morgen zeigt sich: Auch nicht gerade ein tropisches Paradies.

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Schmutziger, vermüllter Strand, viel zu kaltes Wasser. Dennoch kommen viele Surfer hier her. Nur wegen der Wellen - etwas Anderes findet man hier nicht. Surfer schreckt auch kein Bürgergkrieg (Arugam Bay, Sri Lanka) oder Malaria (Sumatra) wenn es darum geht die perfekte Welle zu finden. Auch wenn der Ort selbst mir nichts bietet, ich habe nette Gesellschaft hier im Hostel gefunden und mache ich eine Woche Reisepause.

In der Nähe gibt es Ruinen einer prä-Inka-Zivilisation. Chan-Chan heißt dieser Komplex.

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Für mich (Kulturbanause) ist das nur eine große Sandgrube.

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Die Kultur der Inka und ihrer Vorfahren fesselt mich nun gar nicht.

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Das was ihre Vettern die Maya im Norden hinterlassen haben war da wesentlich spanndender. Liegt wohl auch an der Lage. Ruinen im Dschungel sind halt etwas anderes als Ruinen im Sandkasten.

Ich streiche meinen Plan zu den abgelegenen Inka-Ruinen nach Kuelap zu fahren. 20 Stunden Bus dorthin - das tue ich mir nicht an. Einen kleinen Umweg nach Cajamarca mache ich aber doch noch. Ich möchte die Zelle sehen, in der Atahualpa gefangen war und wo er Pizarro versprochen hat für seine Freilassung den Raum mit Gold zu füllen. Hat er auch gemacht, Pizarro hat ihn trotzdem umbringen lassen. Man sollte halt den Spaniern nicht trauen wenn man Herrscher einer Nation von Indios ist. (siehe Montezuma und Cortez)

Was ein Pech - ich komme Sonntag abend in Cajamarca an und als ich mir am Montag die Lösegeld-Zelle ansehen möchte ist Ruhetag. So stehe ich vor verschlossenem Tor und stelle fest, dass heute nicht mein Tag und Peru nicht mein Land ist.

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Das Ticket zur Weiterfahrt am selben Abend hatte ich dummerweise schon gekauft, bevor ich merkte dass es heute nichts zu besichtigen gibt.

Ich nehme den Nachtbus nach Piura - drittgrößte Stadt Perus und zweitgrößte Müllkippe nach Lima. Nochmal 3 Stunden später erreicht mein Minibus Mancora - das andere Surferparadies in Peru. Sehr touristisch, aber wenigstens ist der Strand sauber und feinsandig.

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Das Wasser ist mir allerdings auch hier zu kalt. Gut dass mein Hostel einen Pool hat. Da an der Westküste gelegen gibt es schöne Sonnenuntergänge - immerhin.

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Jetzt bin ich praktisch durch ganz Peru durch und habe hier nichts für mich entdecken können. Ach doch, es gibt hier die hässlichste Hunderasse der Welt - Nackthunde!

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Es sind nur noch wenige Stunden Busfahrt bis zur Grenze nach Ecuador. Da werde ich morgen auch hin fahren. Mein nächster Halt wird Guayaquil.

Eingestellt von Tom Travel 16:28 Archiviert in Peru Kommentare (4)

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