Reise blog von Travellerspoint

Argentinien

Wo sind sie hin? Teil 2 (aufgelöst)

ja wo isser denn?

sunny 30 °C
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Ok, für Alina ist die Frage ja schon im letzten Beitrag beantwortet - sie macht Urlaub in Deutschland. Dunkel und kalt - das ist doch mal eine interessante Abwechslung.

Ich musste nach ihrem Abflug noch vier Stunden in Miami auf meinen Flug warten.

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Es war schon ein komisches Gefühl als sie durch die Sicherheitsbarriere in den Abflugbereich verschwand.

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Heute vor der Abreise noch ein letzter Blick zurück vom Balkon und vom Hof unseres temporären zu hause hier in Florida.

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Wir haben uns einen Mietwagen für den letzten Tag genommen um zum Flughafen zu kommen. Trotz mehrfacher Reduzierung haben wir immer noch viel zu viel Gepäck.

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Seit 18 Monaten waren wir praktisch 24h/7d zusammen, abgesehen von einer kurzen Whisky-bedingten Zwangstrennung in Schottland im Mai. Nun muss ich mich alleine durchschlagen. Was fange ich nur mit der vielen Zeit an?

Mein Zielort empfängt mich mit perfekten 22° und strahlendem Sonnenschein. Ein Shuttlebus verkehrt zwischen Flughafen und Innenstadt, im Ticketpreis ist auch gleich das Taxi das mich direkt zum Hotel bringt mit drin. Da hatte ich gestern noch reserviert, allerdings keine Bestätigung bekommen. An der Rezeption erfahre ich durch einen höchst freundlichen Mitarbeiter dass sie für heute ausgebucht sind. Danach haben sie etwas frei. Ich sehe scheinbar hungrig aus, denn er fragt mich ob ich frühstücken will. Frühstück ist hierzulande eine sparsame Sache. Winzige Brötchen, Croissant mit Butter und Marmelade, Kaffee - mehr gibt es nicht. Für meinen leeren Magen reicht das aber erst mal.

Der nette Rezeptionist sucht mir ein anderes günstiges Hotel in der Nähe raus und ruft auch noch dort an um abzuklären, ob die etwas frei haben. Haben sie - perfekt! Ich mache mich auf den Weg. Vorgestern habe ich mir noch die Landeskarte auf unser Navi-Handy geladen, aber das mit der Navigation funktioniert überhaupt nicht. Entweder er kriegt keinen GPS-Empfang oder er zeigt 200m neben die Stelle wo ich eigentlich bin und positioniert sich ständig neu. Wenn das so bleibt ist das hier nutzlos. Gut dass ich noch eine oldschool Papierkarte habe, damit finde ich das andere Hotel. Das liegt in einer hübschen Gegend.

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Fast alle Botschaften finden sich hier. Im Bild oben ist die französische zu sehen.

Dort angekommen spricht keiner ein Wort englisch oder deutsch. Was kann so ein europäischer Typ mit Rollkoffer und Rucksack der vor der Rezeption steht schon wollen? Preise werden auf einen Zettel geschrieben, so geht es auch. Ich kriege mein Zimmer.

Später dann Abendessen - köstlich. Dazu Bier aus der Literflasche. Hier hat man offenbar ein unverkrampftes Verhältnis zum Alkohol und so kann ich mein Bier am Tisch im Freien an der Straße trinken. Aus einem Glas und nicht aus Pappbechern. Noch vor ein paar Monaten wäre mir das überhaupt nicht aufgefallen. Nach 6 Monaten USA fühlt es sich gut an wieder wie ein Erwachsener behandelt zu werden.

Ich bin allerdings viel zu früh dran. Vor 21 Uhr geht hier keiner zum Abendessen, in eine Bar geht man nicht vor Mitternacht und in der Disco läßt man sich besser erst ab 3 Uhr morgens blicken wenn man nicht alleine dort sein will. Ein Volk von Nachteulen.

Am nächsten Tag mache ich eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad. Hier ein paar Bilder davon damit das Raten leichter wird. Dieser Friedhof hier gehört zum touristischen Pflichtprogramm. Im Bild unten sieht man den Eingang und das bekannteste Grab. Ein Touristenmagnet und fast eine Wallfahrtsstätte für die Einheimischen. Na? Wessen Grab ist das?

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So, es gibt reichlich richtige Tipps. Ihr seid einfach zu gut. Jetzt brauche ich Adressen für die Postkarten. Wer eine will bitte senden an

ts(at)wizz-con.de

Eingestellt von Tom Travel 15:53 Archiviert in Argentinien Kommentare (13)

Buenos Aires

gute Luft

sunny 30 °C
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Kuba war im Rennen, aber es gibt keine Flüge aus den USA dorthin. Bali hatte ich auch überlegt, das war aber zu weit weg. Argentinien ist es dann also geworden. Ich wollte schon lange nach Patagonien und Feuerland. Alina hatte bei der Idee immer das Gesicht verzogen - zu kalt!

Ich reise alleine und zur Zeit ist dort Hochsommer, das ist die Gelegenheit. Temperaturen gehen dort Nachts allerdings auch jetzt im Hochsommer auf 5° runter.

Zunächst habe ich noch eine Woche in und um Buenos Aires. Die Stadt ist praktisch leer. Wie Paris im August, jeder Porteno der es sich leisten kann fährt in Urlaub. Deswegen kann ich mit dem Fahrrad meine Stadtrundfahrten machen. Zu anderen Zeiten im Jahr ist das nicht zu empfehlen - der Verkehr soll zu jeder anderen Zeit mörderisch sein. Ganz ungefährlich ist es auch jetzt nicht. Als ich losfahre knallen schon an der ersten Kreuzung zwei Autos aufeinander.

Ich fahre zunächst durch das Viertel in dem sich auch mein Hotel und die ganzen Botschaften befinden - Palermo. Es erinnert mich an Schwabing. Kopfsteinpflaster, baumbestandene Straßen, viele kleine Parks und Straßencafes an wirklich jeder Ecke.

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Dann Richtung Süden nach Ricoleta. Hier finden sich viele der Museen und Grünanlagen. Ein deutscher Park ist auch dabei.

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In der Nähe findet sich auch ein Wahrzeichen von BA - eine mechanische Stahlblüte. Schließt sich angeblich abends automatisch.

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Wieder mal eine Gelegenheit zum Posieren für unseren Koala. Danach ins Zentrum entlang der breitesten Straße in Lateinamerika. 26 Fahrspuren. Auch hier viele Bäume, man sieht kaum wie breit die Straße hier ist.

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Zum Plaza de Mayo mit dem rosa Palast. Von Balkon auf der Rückseite des Gebäudes wurden wichtigen Reden gehalten. Es dürfte damit eines der wenigen Gebäude sein dessen Rückseite bekannter ist als die Front.

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und die Av. de Mayo hoch zum Kongressgebäude.

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In manchen südamerikanischen Großstädten kann man wegen der Luftverschmutzung manchmal nur raten was gerade für ein Wetter ist. Buenos Aires hat für eine Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern eine erstaunlich klare Sicht.

Nach den ersten beiden Tagen mit Radrundfahrten durch die Stadt mache ich 3 Tage nichts außer in meinem sehr netten Hostel abzuhängen. Ich hole mir Tipps für die weitere Reise von den Mitbewohnern. Mit der Wahl dieses Hostels habe ich scheinbar einen Glücksgriff gemacht. Alle die in BA andere Hostels probiert hatten sagen übereinstimmend hier sei es am gemütlichsten.

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Heute am Sonntag ist in San Telmo Markt. Eines der ältesten Viertel hier.

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Zusammen mit ein paar Mitbewohnern mache ich mich auf den Weg dorthin.

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Hier entlang der Av. Florida, zur Zeit leider eine Baustelle, sonst eine der schönsten Fussgängerpassagen in BA.

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In diesem Gedränge ist es wirklich schwer die Übersicht zu behalten.

Tango ist hier ein Lebensgefühl. Getanzt wird nicht nur abends und jedes Alter macht mit.

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Verkauft wird hier alles - es ist ein riesiger Flohmarkt mit dem üblichen Kitsch und Kram. Alina wäre in ihrem Element gewesen.

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Die Sicherheitslage ist hier ziemlich bedenklich. Zwei von drei meiner Begleiter wurden innerhalb der ersten Woche bestohlen. Kamera, Geldbörse - einmal kurz nicht aufgepaßt und weg ist es - viel schneller als man sich vorstellen kann.

Gestern abend hatten wir eine erregte Diskussion im Hostel bezüglich wie man reagieren soll wenn man überfallen wird. Die überwiegende Meinung war man soll kein Held sein und alles hergeben was man hat. Ich hatte eine abweichende Meinung und meinte man solle sich wehren, allerdings blieb bei mir die Frage offen wie ich in so einer realen Situation reagieren würde.

Nun, manche Fragen beantworten sich schneller als einem lieb ist. Schon am nächsten Tag bei meinem Ausflug nach Boca sollte ich die Antwort erhalten. Zum ersten Mal auf meinen Reisen wurde ich tatsächlich am hellichten Tag überfallen.

Eingestellt von Tom Travel 12:54 Archiviert in Argentinien Kommentare (3)

Am falschen Ort zur falschen Zeit

Der Überfall

sunny 30 °C
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In diesem Beitrag gibt es keine Fotos, der Grund wird bis zum Ende klar.

Heute will ich in das letzte Viertel von BA. Das Viertel das als das unsicherste und gefährlichste gilt. Hier ist das Fußballstadion der Boca Juniors aber auch viele malerische Häuser der ärmeren Bevölkerung. Schön für Fotos und solange man sich auf den belebten Straßen bewegt auch in puncto Sicherheit kalkulierbar.

Das Wetter ist heute prächtig, perfektes Fotolicht. Ich nehme beide Kameras mit. Mit der großen Spiegelreflex will ich nur fotografieren wenn es mir wirklich sicher erscheint. Ein teures Gerät offen zu zeigen kommt einer direkten Aufforderung zum Raub gleich.

Mit dem Rad fahre ich durch Viertel die ich schon kenne. Palermo, Ricoleta, Microcentro, San Telme. Dann komme ich nach Boca und halte nochmal an, um mir auf der Karte genau anzusehen wie ich fahren möchte. Jeder hier sagt einem, man soll auf keinen Fall auf kleinen Nebenstraßen fahren - immer schön auf der Hauptstraße bleiben wo viel Verkehr und viele Menschen sind. Nach der Diskussion gestern abend will ich auf keinen Fall in der "falschen" Gegend landen.

Ich biege links ab und merke sofort etwas stimmt hier nicht. Die Häuser sind Ruinen, kaum Autos. Verdammt! Nur 100 Meter weg von der Hauptstraße und ich bin genau da wo ich überhaupt nicht sein wollte. Ich beschließe so schnell wie möglich zurück zur Hauptstraße zu fahren, aber es ist schon zu spät. Von beiden Seiten der Straße kommen junge Männer auf mich zu und blockieren den Weg. An den ersten drei fahre ich noch vorbei. Der Vierte stellt sich mir direkt vors Rad und ich fahre in ihn rein und stürze. Dabei schramme ich mir ordentlich Knie und Ellbogen auf.

Mir ist sofort klar - was nun kommt wird unerfreulich und schmerzhaft. "Give me your money!" Schreit er mich an. Damit bin ich gar nicht einverstanden. Ich habe zwar nicht viel Bares dabei, aber ich befürchte dass er nach dem Geld auch meine schöne Nikon haben möchte. Nun kommt die Praxis zur gestrigen Theorie: Wie verhalte ich mich bei einem Überfall?

Die anderen 3 haben mich mittlerweile eingeholt und jetzt bin ich von 4 Mann umstellt. Ich konzentriere mich auf den vor mir und verpasse ihm einen Fausthieb auf den Hals. Das hat geholfen, er setzt sich hin und spielt nicht mehr mit. Dummerweise sehe ich nicht was gleichzeitig hinter mir passiert. Ich spüre einen heftigen Schlag gegen Kopf, so dass mir schwarz vor Augen wird und ich zu Boden gehe. Als ich kurz darauf wieder zu mir komme, zerrt und reißt es an mir. Die anderen hätten gerne den Rucksack und die kleine Nikon die ich am Hüftgürtel trage. Der Rucksack hält, der Hüftgürtel nicht. Ergebnis: die große Nikon ist noch da, die kleine ist futsch. (mittlerweile die 6. Kamera in 18 Monaten die kaputt oder weg ist!) Ich springe wieder auf die Beine, aber da rennen die anderen 3 schon was das Zeug hält. Verfolgung zwecklos. Das Ganze hat keine 10 Sekunden gedauert.

Ich schiebe das Rad zur nächsten Ecke, da steht zufällig die Polizei. Ich berichte was gerade passiert ist und sie sind überrascht, dass ich mein Geld und die große Kamera noch habe. Ich gestikuliere dass ich mich gewehrt habe und vermute dass es daran liegt. Sie nicken zustimmend. Wir fahren zurück zum Tatort, aber die Täter sind natürlich über alle Berge. Etliche Zuschauer gab es für die Szene, aber eine Befragung ist zwecklos. Das teilt mir zumindest der Polizist mit. "Die halten alle zusammen, da redet keiner."

Jetzt nehme ich mir die Zeit mir mein Blessuren zu begutachten. Beide Knie, Knöchel und Ellbogen vom Radsturz demoliert. Die linke Gesichtshälfte tobt, ein paar Zähne fühlen sich locker an. Unterm linken Auge läuft Blut und ein Veilchen beginnt zu blühen. Geht eigentlich. Nichts ist wirklich dauerhaft beschädigt.

Da kann ich ja zu meinem eigentlichen Ziel weiter fahren - Carmenita. Bunt und hübsch - wunderbar für Fotos. Die gute Nikon habe ich ja noch. Damit wäre der lange und zwischendurch schmerzhafte Weg nicht umsonst gewesen. Wäre, wenn ich den Akku nicht vergessen hätte! Verdammt, da verteidige ich die Kamera wie ein Löwe und dann sind keine Batterien drin. Das ist wirklich nicht mein Tag heute. Nun gibt es in diesem Beitrag keine Fotos. :-(

Auf dem Rückweg habe ich ein neues Problem. Das Fahrrad ist im Handgemenge zwar nur leicht beschädigt worden, aber meine Brille ist zu Bruch gegangen. Ohne Brille kann ich die Straßennamen auf der Karte nicht lesen. Wie soll ich jetzt die 10 km nach hause kommen ohne wieder in die verrufenen Viertel zu geraten?

Ich frage einen herumstehenden Polizisten und lasse mir den direkten Weg zu einer der Haupstraßen nach Osten zeigen. Die fahre ich dann bis ich auf eine der großen Straßen im Microcentro treffe und biege nach Norden ab. Die Gegend kenne ich noch von früheren Erkundungen und finde so den Weg auch ohne Karte nach Hause ins Hostel. Mir reicht es erst mal von BA, morgen fliege ich wie geplant nach Patagonien.

Eingestellt von Tom Travel 12:48 Archiviert in Argentinien Kommentare (9)

Patagonien

Fango statt Tango

semi-overcast 20 °C
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Zunächst einmal möchte ich mich für die aufmunternden EMails und Kommentare, die meinem "Missgeschick" folgten, bedanken. Einen Arzt brauche ich wirklich nicht. Außer Kopfschmerzen, gegen die eine handvoll Ibus wunderbar helfen, habe ich keine Probleme mehr.

Nachdenklich macht mich, dass es nicht durch Leichtsinn, Gedankenlosigkeit oder Naivität passiert ist. Ich wußte sehr genau, dass diese Gegend übel ist, habe mich vorab erkundigt wo und wo nicht man sein darf und habe alles getan um eben nicht dort zu landen. Dann habe ich einen groben Fehler beim Kartenlesen gemacht - und wie es aussieht rächen sich solche Fehler hier mitunter sofort und drastisch.

Es ist anzunehmen, dass das nicht mein letzter Fehler war und ich hoffentlich nicht gleich beim nächsten Mal wieder unmittelbar die Quittung bekomme. Auf alle Warnungen einzugehen und alles zu vermeiden was ansatzweise riskant ist, ist keine Option - da könnte ich auch gleich abbrechen und nach hause fahren. Aber nun zu etwas Erfreulicherem - Patagonien:

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El Calafate liegt genau auf dem 50. Breitengrad, genau wie Frankfurt. Allerdings ist hier unten auf der Südhalbkugel so ohne Golfstrom ein wesentlich rauheres Klima. Bäume wachsen auf den Hügeln rundherum keine mehr - zu trocken.

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Die Stadt liegt am Lago Argentino und auf der gegenüberliegenden Seite sieht man auch jetzt im Hochsommer schneebedeckte Berggipfel.

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20° hat es als ich nachmittags ankomme - völlig normal hier um diese Jahreszeit. Viel kälter darf es nicht werden, denn ich habe so gut wie keine warme Kleidung dabei.

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Der Ort macht den Eindruck eines Wintersportortes.

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Viele Touristen, Souvenirshops. In den letzten 10 Jahren boomt hier der Wandertourismus.

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Die Haupstraße besteht überwiegend aus Hiking-Outfit-Läden und Tour-Operator-Büros.

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Touristen kommen allerdings nicht zum Skifahren. Die Attraktion ist der nahegelegene (70km entfernt) Perito Moreno Gletscher und das Wandern in den kahlen Hügeln rund um den See. Dem Gletscher geht es richtig gut, im Gegensatz zu seinen nördlichen Pendants schrumpft der nicht - er wächst sogar. Der Gletscher schiebt sich konstant in den Lago Argentino und man kann ihm täglich beim Kalben zusehen. Dieses eindrucksvolle Schauspiel kann man kaum wo auf der Welt so bequem erreichen wie hier. Aus über 70 Meter Höhe fallen riesge Brocken in den See. Das Spektakel werde ich mir in den nächsten Tagen mal ansehen.

Mein Hostel ist wieder ein Glücksgriff. Unfassbar nette Wirtsleute, alles sehr schlicht, aber blitzsauber.

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Da ich meine Ankunft angekündigt habe ist man vorbereitet. Auf meinem Bett findet sich eine handgeschriebene Begrüßungskarte und zwei Bonbons auf dem Kopfkissen - wie süß!
Frühstück am nächsten Morgen ist inklusiv und es gibt hausgemachte Rhabarber-Apfelmarmelade - meine Lieblingssorte. Rhabarber in Südamerika? Das war mir neu.

In den ersten Tagen mache ich nur kurze Wanderungen entlang den Lagunen um den Lago Argentino.

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Der Boden hier ist völlig aufgeweicht und ich falle prompt in einen Schlammgraben. Beobachtet wurde dieser peinliche Stunt nur von ein paar Pferden und jeder Menge Vögeln.

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Meine einzige lange Hose sieht aus wie nach einer Fangopackung. Die Schuhe nicht viel besser. So besudelt ernte ich auf dem Weg zurück durchs Dorf viele mitleidige Blicke.

Eingestellt von Tom Travel 10:45 Archiviert in Argentinien Kommentare (6)

Der Gletscher

Applaus fürs Kalb

sunny 20 °C
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Meinen ersten Gletscher will ich unbedingt bei allerbestem Wetter sehen. Wenn ich schon keine Kosten und Mühen scheue und ans andere Ende der Welt fahre, dann soll es auch 100%ig passen. Eines habe ich auf dieser Reise gelernt: Bei Naturschönheiten spielt das Wetter die wichtigste Rolle. Ein Bergmassiv oder ein Strand im Nieselregen oder auch nur bewölkt - das kann man vergessen. Eine Stadt hingegen kann man auch bei so-lala Wetter anschauen.

Das Warten hat sich gelohnt. Die letzten beiden Tage waren bewölkt und es ging ein eiskalter Wind. Aber heute ist es perfekt - T-Shirt-Wetter. Ich schließe mich einer kleinen Reisegruppe an und wir fahren eine gute Stunde bis an den Gletscher.

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Entlang am Lago Argentino ist es zunächst baumlose, menschenleere Steppe.

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Etwas weiter westlich, näher an den Bergen, kommen ein paar verhutzelte Bäume ins Bild. Gut geht es denen nicht. Die bekommen scheinbar gerade so viel Regen, dass es zum Überleben reicht.

Die Straße führt kurvenreich immer am See entlang. Nach einer letzten Kurve kommt dann der Hauptdarsteller des heutigen Tages erstmalig ins Bild.

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Eindrucksvoll, dabei sind wir noch 10 Kilometer weg. Die Luft ist heute so klar, man konnte auf der Fahrt bis Chile zum Torres del Paine Massiv sehen. Das sind über 100km Fernsicht.

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Der Perito Moreno ist nicht der größte oder älteste Gletscher, aber der mit der am besten erreichbaren Gletscherabbruchkante.

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So können auch weniger sportliche Naturliebhaber wie z.B. die Person auf dem Foto unten in den Genuss dieses Schauspiels kommen.

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Hier braucht es keine tagelangen Wanderungen mit Biwak, sogar mit dem Rollstuhl wäre es erreichbar.

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Nun wird mir auch klar warum es kalben heißt wenn so ein auto- bis hausgroßes Stück aus einer Gletscherwand herausbricht. Stundenlang steht man vor dem Berg (bzw. hinter der Kuh ) und wartet das sich was tut. Kamera (bzw. Geburtshelfer) griffbereit...und es passiert - nichts.

Um mir die Wartezeit zu verkürzen kommt unser australischer Freund mal wieder aufs Bild.

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Kaum dreht man sich mal kurz weg passiert es. Im Schnitt so alle 30 Minuten fällt was runter. Das größte Stück (Größe Doppelhaushälfte) bricht ab, als ich gerade endgültig aufgegeben hatte und auf dem Rückweg war. Hören kann man die Einschläge gut, das knallt wie eine Explosion. Das überwiegend argentinische Publikum applaudiert freudig. Die Argentinier applaudieren übrigens auch bei der Landung eines Flugzeugs. Das kannte ich bisher nur von deutschen Charterflügen.

Ein kleines Stück (so groß wie ein SUV) hatte ich zuvor doch noch mit der Kamera erwischt.

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Es geht gegen 7 Uhr und die Sonne kommt langsam weiter runter.

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Tipp an andere Fotografen: Vielleicht doch besser die Morgentour machen, dann hat man die Sonne im Rücken.

Auf den Rückweg dann ein Eisberg so groß wie ein Ausflugsschiff. Da wäre ich gern dabei gewesen als der runterkam.

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200 Fotos habe ich am Ende des Tages gemacht. Selten war die Auswahl für den Blog so schwer wie heute.

Eingestellt von Tom Travel 18:40 Archiviert in Argentinien Kommentare (3)

Ganz am Ende - weiter geht es nicht

Fin del Mundo

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Am nächsten Morgen geht es weiter nach Ushuaia. Überraschenderweise fährt der Bus pünktlich auf die Minute. Nach 2 Stunden hält der Bus mitten im Nirgendwo. Alle Passagiere nach Ushuaia werden mitsamt ihrem Gepäck ausgeladen.

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Dieser Bus fährt weiter nach Punta Arenas und wir sollen auf den entgegenkommenden Bus von dort warten, der dann nach Ushuaia durch fährt.

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Auch hier wieder erstaunliches Timing. Kaum stehen alle Koffer auf der Straße kommt, schon der neue Bus und es geht weiter bis zum nächsten Halt. Die Fähre über die Magellan Straße.

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Entgegen kommt dieser deutsche Transport - so kann man auch durch Patagonien und Feuerland reisen.

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Hier ist die engste Stelle der Magellan-Straße, nur 3km breit. Alles was zu groß für den Panama-Kanal ist muss hier durch.

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Festland-Amerika ist nun zu endgültig zu Ende. Auf der anderen Seite liegt Feuerland - eine Insel.

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Zwei Stunden später kommt der Grenzübergang nach Argentinien. Viel Auswahl bezüglich Mittagessen hat man nicht.

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13 Stunden sollte die Fahrt dauern. Erfreulicherweise sind wir schon nach 11 Stunden in Ushuaia, der südlichsten Stadt auf diesem Planeten.

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Bewölkt, Nieselregen, 7° - das nennt sich hier Hochsommer.

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Am Sonntag Morgen reißt es überraschend etwas auf und ich gehe mit einer kleinen Gruppe aus dem Hostel zum Beagle Channel. Der Ort sieht mit ein wenig Sonne auch gleich viel besser aus.

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Diese Irish Bar ist nicht die südlichste Bar, den Titel haben die Ukrainer mit ihrer Wetterstation in der Antarktis. Zur Happy Hour soll es dort Bloody Mary mit Meerrettich geben

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Fast 15km wandern wir hin und zurück.

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Auf dem Rückweg ist es vorbei mit dem schönen Wetter. Es regnet und windet eiskalt. Die Einheimischen sagen: Hier hat man an jeden Tag im Jahr alle 4 Jahreszeiten. Wann ist dann bitte mal Sommer?

Weitere Ausflüge in die Umgebung müssen noch etwas warten bis das Wetter mal besser wird. Ushuaia ist Ausgangspunkt für viele Antarktis-Kreuzfahrten und ich habe mal wegen einem Boot in die Antarktis herum gefragt, aber bisher ist nichts Passendes dabei.

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Auf so ein Kreuzfahrtschiff mit 200 oder mehr Passagieren habe ich überhaupt keine Lust. 5.000$ für 10 Tage Luxus an Bord und Gedränge bei den Landgängen? Sicher nicht!

Mir schwebt eine Tour per Segelboot vor. Ich habe ein paar Holländer getroffen, die waren auf diese Weise drei Wochen unterwegs. Das wäre mehr nach meinem Geschmack. Allerdings könnte es praktisch unmöglich sein als Last-Minute auf so ein Boot zu kommen, denn die sind normalerweise Monate im voraus ausgebucht. Ich fürchte für so eine Individual-Tour würden 5.000$ bei Weitem nicht ausreichen. Schaumermal...

Eingestellt von Tom Travel 05:16 Archiviert in Argentinien Kommentare (1)

Boot gefunden!

Segeln in der Antarktis

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Mittlerweile habe ich weiter nach Booten in die Antarktis recherchiert. Am Ende standen 2 zur Auswahl. Die eine Tour mit Motorschiff für 12 Tage, die andere Tour mit einem Segelschiff für 22 Tage zum doppelten Preis.

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Als ich die Bilder der letzten Fahrten des Schiffs gesehen habe fiel die Entscheidung nicht mehr schwer. Hier der Link dazu:

Sailing to Antarctica

Am 12.2. geht es von hier los, ab da gibt es mindestens 3 Wochen Blog Pause bis März. Denn es gibt tatsächlich einen Kontinent auf dem es mit Internet schlechter aussieht als Australien.

Wer von den Gewinnern des letzten "Wo-sind-sie-hin-Rätsels" seine Postkarte aus der Antarktis möchte - es gibt dort tatsächlich ein Postamt - der sollte mir bald seine Postadresse per Email schicken.

Kleine Ereignisse lockern die Langeweile in diesem Ort. Sonntag war Superbowl und meine Wandergruppe und ich wollten das so richtig auf amerikanische Art begehen. Bier, Knabberzeug, Pommes und Guacamole-Dips. Das Spiel wird zur Nebensache.

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Der Aufenthalt hier in Ushuaia dauert nun doch viel länger als erhofft. Mein Schiff fährt erst in einer Woche. Zwei Wochen bin ich dann insgesamt hier, das ist einfach zu lang für diesen nass-kalten Ort. Heute ist es endlich mal besser aus und ich mache Werbung fürs Golf und es finden sich 3 Mitspieler für die südlichste Runde.

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Der Taxifahrer der uns zum Golfplatz bringt ist ein Original. Im Radio läuft ein Prediger in Hochform in voller Lautstärke. Zunächst spricht/singt er die religiösen Formeln nach - ein frommer Mensch denke ich mir. Aber dann hat der Fahrer weltlichere Themen mit uns zu besprechen. Ob unsere Frauen dabei sind will er wissen. Als wir das verneinen meint er wir sollten unbedingt "argentinisches Fleisch" probieren. Kostet nur 100$ die Stunde.

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Der Platz liegt sehenswert zwischen den schneebedeckten Bergen des Tierra del Fuego Nationalparks. Am Ende der Runde kaufe ich dem Greenkeeper einen Schläger ab - der kommt nächste Woche zum Einsatz.

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Er wusste sofort was ich mit dem Schläger vorhabe. In den letzten paar Jahren gabe es schon andere Spinner mit der selben Idee wie ich. Dass ich nicht der Erste bin war mir klar, aber ich denke immer noch dass ich der schlechteste Golfer bin, der das jemals gemacht hat. Den Rekord soll mir erstmal wer streitig machen.

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Das Warten hat ein Ende

Jetzt geht's los!

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Heute ist die Europa von ihrem letzten Trip zurückgekommen und im Hafen eingelaufen. Erste Gelegenheit das Boot aus der Nähe zu sehen.

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Sieht gar nicht so groß aus aus der Nähe. Über 50 Leute sollen da Platz finden - das wird kuschlig.

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Am Hafen ein wenig freundlicher Gruß an die Briten - die Falklands oder Islas Malvinas gehören Argentinien. Die fiesen englischen Diebe sollen das Gebiet gefälligst zurück geben.

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Hier ein Karte des Seegebiets, dass wir in den nächsten 3 Wochen durchkreuzen werden. 4 Tage soll die Fahrt durch die Drake-Passage dauern bis wir antarktisches Festland erreichen. 4 Tage auf dem offenen Südmeer. Zurückkehrende Antarktisreisende berichten von Sturm mit 150km/h Windböen - das kann ja lustig werden.

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Gestern abend gab es eine Samba-Tanzstunde. Frustrierend wie einfach das bei Latinas aussieht. Die überwiegend europäisch-stämmigen Tanzschüler sahen dagegen wie Tanz-Zombies aus. Ich hab's lieber gleich sein lassen und mich aufs Fotografieren beschränkt.

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Karneval wird hier auch gefeiert, allerdings längst nicht so wie in Brasilien oder Uruguay. Ein kleiner Umzug am Sonntag - das isses dann auch.

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10 bunte Truppen mit Sambatrommeln, nach einer Stunde ist der Spuk vorbei.

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Die Kleinen laufen auch mit und werden am häufigsten fotografiert.

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Eigentlich wollte ich Wale erst in der Antarktis sehen.

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Schöne Schuhe.

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Nur noch eine Nacht am Festland, dann können die Passagiere endlich aufs Schiff. Das war's dann vom Blog für die nächsten 3 Wochen. Ich melde mich wieder am 5. März. Für die die verfolgen möchten wo sich das Boot gerade befindet, gibt es bis dahin nur das Kapitäns-Log.

Europa Logbuch

Das Boot legt allerdings erst am Aschermittwoch ab, vorher wird es also auch kaum etwas Neues geben.

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Willkommen an Bord

es geht los

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Mittags bringe ich mein Gepäck aufs Schiff. An Bord bleiben darf ich noch nicht, denn die Crew ist noch voll mit Vorbereitungen zu Gange. Da wäre ich im Weg. Ich mache noch ein paar letzte Einkäufe in Ushuaia. Handschuhe, Postkarten für die die mir ihre Adresse geschickt haben und eine Flasche Whisky.

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Gegen 4 Uhr dürfen die anderen 37 Passagiere und ich endlich an Bord. Einer ist schon an Bord und schaut ziemlich missmutig durch die Gegend. Ich frage ihn ob er Passagier oder Crew ist. "Ex-Passagier" ist die Antwort. Häh, was ist dass denn? Es stellt sich heraus er ist Spanier und gestern aus Barcelona angekommen. Er wollte heute mit uns an Bord gehen, aber sein ganzes Gepäck ist verschollen. Die ganze warme Kleidung, die Fotoausrüstung - alles von der Airline verschlampt. Ihm bleibt nichts als mit dem nächsten Flieger wieder heim zu fliegen.

Reiseweisheit #17: Packe dein Handgepäck immer so, dass du auch weiter reisen kannst wenn das Hauptgepäck nicht ankommt.

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Es folgt eine kurze Begrüßung durch die Crew und man zeigt uns unsere Kabinen. Viel Platz habe ich nicht erwartet, aber das ist wirklich eng hier.

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In unserer 6-er Kabine ist ein Bett frei und das ist auch gut so, denn sonst wüssten wir nicht wo wir mit den Koffern und Taschen hin sollten. In der Koje fühlt man sich wie in einem Sarg. Immerhin hat jede Kabine eine eigene Dusche und WC. In meiner Kabine sind außer mir Wim und sein Sohn Juriaan aus Holland, die kenne ich schon aus dem Hostel in Ushuaia.

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Michael - ein Bar und Restaurantbesitzer aus Toronto

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und Peter, Architekturfotograf aus New York.

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Danach haben wir die erste Gelegenheit zu einem Schiffsrundgang.

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Hier die neue Galleonsfigur - die letze hat ein Sturm in der Drake Passage abgerissen.

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Was ein Chaos aus Leinen und Stricken, wie kann da bloß einer durchblicken?

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Wir bekommen gleich mal einige Bordregeln erklärt.

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Der Frühstücksraum,

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die Pokerecke,

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die Bibliothek,

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die Küche

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Erste Kontaktaufnahme mit der Besatzung. Das hier ist Seth, ein Biologe aus Alaska.

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Er trägt nicht nur auf diesem Bild keine Schuhe, er trägt an Bord nie welche. Auch nicht bei minus 10°. Er reist dem Sommer hinterher. Dezember bis März im antarktischen Sommer, Juni bis September Sommer in Alaska. Sein Rezept für allzeit warme Füße.

Der Rest der Crew aus Holland, Schottland, Schweiz, Südafrika, Italien, Portugal. Die Passagiere überwiegend aus Holland, 8 Südafrikaner, 4 Deutsche, 2 Schweizer, 2 US-Amerikaner und der Rest kunterbunt von Bahamas bis Tschechien.

Wir bleiben die erste Nacht an Bord in Ushuaia im Hafen. Das Meer im Beagle Channel spiegelglatt, harmlos - das wird sich bald ändern.

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Eingestellt von Tom Travel 10:19 Archiviert in Argentinien Kommentare (2)

vom Beagle Channel in die Drake Passage

mir wird schlecht

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Morgens um 6 Uhr setzt sich das Schiff endlich in Bewegung. Jeder muss hier mithelfen.

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Kartoffelschäldienst gehört auch dazu.

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Mit Motor und Lotse an Bord - Vorschrift in der Beagle Strait. Erst mal tanken. 10.000 Liter, das muss reichen für 3 Wochen.

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Ushuaia verschwindet am Horizont. Was bin ich froh endlich hier weg zu kommen.

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Die ersten Stunden durch die Beagle Strait ist die Fahrt ruhig wie eine Ausflugsfahrt über den Bodensee. Die Sonne scheint, Zeit für ein Nickerchen.

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Eine Gruppe Peale's Delfine hat scheinbar großen Spaß daran neben uns ihre Kunststücke aufzuführen. Bald wird es vorbei sein mit der Ruhe.

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Wir bekommen in dieser Zeit mehrere Unterweisungen zum Thema Sicherheit und Notfälle.

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Mann über Bord: Wir erfahren dass die Überlebenszeit in Minuten in etwa der Wassertemperatur entspricht. Hier sind es 4° - das Boot braucht zum Wenden 10 Minuten. Man muss kein Rechenkünstler sein um herauszufinden was es bedeutet wenn man hier hinein fällt.

Kletterstunde: Wer will kann rauf in die Masten und beim Segel Bergen/Setzen helfen.

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33 Meter bis zur Mastspitze. Schöne Aussicht.

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Bevor man klettern darf gibt es ebenfalls eine Unterweisung im Gebrauch der Klettergurte.

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Auch hier gilt: Besser nicht runterfallen, denn egal wo man landet ist es entweder hart oder eiskalt.

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Die Passagiere werden in 4 Gruppen aufgeteilt. Für die Fahrt durch die Drake Passage hat jedes Team 4 Stunden Wache (watch) danach 12 Stunden frei. Während der Wache nehmen zwei das Steuer und zwei gehen an den Ausguck. Unsere Gruppe hat heute die späte Schicht von 20:00-00:00. Drei von uns fallen gleich mal wegen Seekrankeit aus. Die ersten Opfer der berüchtigten Drake-Passage. Die verbleibenden 6 teilen sich die Aufgaben und haben nun etwas mehr zu tun. Einige aus anderen Gruppen füttern auch schon die Fische oder suchen Jörg! im Eimer. Jung, alt, männlich oder weiblich - keine Gruppe wird wirklich verschont.

"Segelboote sind viel besser als Motorboote bezüglich Seekrankheit", hat man uns gesagt. Die gehen nur auf und ab und rollen kaum. Gerade das Rollen sei so unangenehm - aha!

Ich vermute die fettigen holländischen Würste, die es zum Abendessen gab sind schuld daran. Die sahen auch ohne Wellengang so aus als ob sie zweimal durch den Kopf wollten.

Ich lerne einiges über Seekrankheit. Erstens: praktisch jeder wird seekrank und zweitens: egal wie oft man auf dem Meer unterwegs ist - es wir nicht besser. Auch einige von der Besatzung und sogar der Kapitän füttern die Fische. Die meisten nehmen Tabletten.

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Der Lotse geht von Bord, wir verlassen den ruhigen Beagle Channel und sind nun unterwegs Richtung der berüchtigten Drake Passage auf dem Weg nach Kap Horn. Meterhohe Wellen schlagen über die Reeling. Die Schräglage des Schiffes ist bedenklich. Alles ist ständig in Bewegung. Über Deck zu gehen ist ein Balanceakt erster Güte. Unter Deck ist es aber auch nicht besser.

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Die Drake Passage, das sind 600km Wasser zwischen Kap Horn und den South Shetland Islands. Vier Tage kein Land, meterhohe Wellen und später im Süden - Eiseskälte.

Ich stehe am Ausguck - ein ziemlich eintöniger Job. Heute nacht sind keine Eisberge zu erwarten. Treibende Container, andere Schiffe - kaum anzumehmen, aber es muss halt immer wer vorne schauen.

Am Ruder zu stehen ist viel interessanter. Anfangs fahren wir noch mit Motor, aber im Lauf der Schicht setzt die Crew nach und nach alles an Segeln was da ist. Danach sieht die Europa endlich wie ein richtiges Segelschiff aus und die Maschinen werden abgeschaltet. Kurs 155° SSO, 7-8 Knoten, Wind aus NO mit 25 Knoten.

Das Steuern ist sehr gewöhnungsbedürftig. Kaum schaut man mal einen Moment weg, weicht die Nadel am Kompass nach oben oder unten ab. Das große Schiff reagiert auf Gegensteuern extrem verzögert. Anfangs fallen die Korrekturen viel zu stark aus und wir fahren einen Zick-zack Kurs. Nicht gut für die Passagiere - vielen geht es weiterhin ziemlich schlecht. Schlecht auch fürs Vorwärtskommen. Hat man den Wind direkt von hinten fangen die Segel am vorderen Mast an zu flattern und das Schiff fäng an zu rollen - wieder schlecht für die Freunde des Eimers unter Deck.

Die Europa versucht sich immer in den Wind zu drehen. Es ist ein ständiger Kampf nicht zu weit vom Kurs abzukommen.
Der Kapitän oder der Maat können im Ruderhaus am Computer sehen, wie weit wir von der geplanten Linie abweichen. Es sagt aber keiner was. Die lassen uns das selbst herausfinden und ausprobieren. Irre - völlige Anfänger steuern ein 50 Meter-Schiff unter vollen Segeln durch eines der unangenehmsten Segelreviere der Welt.

Zwischen meinen Ruder und Ausguckschichten helfe ich der Crew beim Segel setzen. Einer von der Crew zeigt auf ein Seil und sagt entweder "halten!" oder "zieh!". Mittlerweile ist es dunkel und ich habe keine Ahnung an welchem Seil ich da gerade ziehe und was es macht. Die Jungs werden schon wissen was sie tun.

Um Mitternacht ist die Schicht zu Ende und ich gehe zur Schiffsbar für ein Gute-Nacht-Bier. Kaum was los heute. Gestern war es bis 2 Uhr richtig voll hier. Zwei segelerfahrene Südafrikaner stehen noch am Tresen und erzählen Geschichten von Stürmen und Vollmondnächten auf den Seychellen - ich glaub ich bin im Film.

Eingestellt von Tom Travel 12:40 Archiviert in Argentinien Kommentare (2)

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