Reise blog von Travellerspoint

Mai 2013

unter Geiern

El Condor Pasa

sunny 18 °C
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Die Grenze zwischen Bolivien und Peru verläuft durch den Titicacasee. Gleich hinter Copacabana ist auch die Grenze an Land. Die Peruaner haben sich für den Grenzübergang etwas Nettes einfallen lassen – besser als die ewig gleichen "Welcome to ...-Schilder".

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Was sind die touristischen Highlights Perus? Die Nazka Linien, Machu Pichu - vielleicht noch Cusco. Mit 1000 anderen durch alte Steinhaufen pilgern? Jaja, es ist alles so mystisch. Die Lage der Ruinen in den Bergen und überhaupt - ein einmaliges Erlebnis, ich kann es nicht mehr hören...ich werde mir nichts davon ansehen. Mal ganz abgesehen von dem Massenauflauf der an diesem Ort statt findet, sind die Preise die dort verlangt werden jenseits von Gut und Böse.

Ich bin mir sicher, dass es in diesem großen Land etwas gibt, dass nicht völlig überteuert und überlaufen ist. Deswegen lasse ich Cusco rechts liegen und fahre direkt nach Arequipa. Die zweitgrößte Stadt Perus und Ausgangspunkt für Touren an den Colca Canyon. Laut Statistik die Attraktion #3 hier in Peru - 120.000 Besucher pro Jahr. Angeblich über 4km tief - doppelt so tief wie der Grand Canyon in Arizona. Ich kann es kaum glauben. Wenn das stimmt, dann wäre das das tiefste Loch auf diesem Planeten

Ich sitze also wieder mal in einem Bus. Dieses Mal 10 Stunden bis Arequipa in Peru. Es läuft während der ganzen Fahrt immer die selbe CD mit peruanischer Volksmusik. Ich erkenne nur "El Condor Pasa" in der Panflötenversion.

Die Gegend im Grenzgebiet sieht genau so aus wie der Norden Schottlands.

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Es ist stockfinster bis wir in Arequipa ankommen. Ich habe zwar wieder mal eine Stunde auf der Uhr gewonnen, dadurch wird es aber auch leider eine Stunde früher dunkel. Ich habe ein Hostel im historischen Stadtzentrum. Die alten Gebäude sind fast ausnahmslos aus weißem vulkanischen Tuffgestein. Sieht hübsch aus und spart den Verputz, der hier genau wie in Bolivien ohnehin nicht üblich ist. Über hohe Heizkosten wegen mangelnder Isolierung macht man sich hier keiner Gedanken. Kaum eines der Wohnhäuser hat so etwas wie eine Heizung.

Lange hält es mich hier nicht. Ich kaufe noch ein paar warme Klamotten auf dem Markt und schon am nächsten Morgen sitze ich in einem Tourbus zusammen mit 20 Anderen auf dem Weg zum Colca Canyon.

Raus aus der Stadt kommt der Hausberg Arequipas, der El Misti voll ins Bild – ein perfekter Vulkan mit 5800m.

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Die Straße führt von Arequipa weg immer höher hinauf. Am höchsten Punkt sind es schon wieder mal knapp 5000m.

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Der Bus fährt durch ein Vikunja-Schutzgebiet. Bevor wir die zu sehen bekommen zuerst noch ein paar Lamas und Alpakas – die zahmen Hausvarianten der südamerikanischen Kamele.

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Wir beäugen die Tiere und werden unsererseits von den Kindern kritisch gemustert.

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An den Haltepunkten der Tour-Busse die unvermeidlichen Souvenirstände.

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An die 10.000 Vikunjas leben hier im Schutzgebiet. Einmal jährlich werden sie – Schutzgebiet hin oder her – eingefangen und geschoren. Das rentiert sich, denn bis zu 500$ bekommt man für ein Vlies.

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Zu blöd dass sich die Tiere nicht in Gefangenschaft züchten lassen. Es gab Versuche diese Art zu domestizieren, aber die Wollqualität war zu schlecht.

Ankunft am Nachmittag in Chivay, hier übernachten wir auch. Liegt wieder über 3500m – saukalt.

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Jedes mal wieder sage ich mir: "Das ist nun aber das letzte Mal, dass ich in so einen Eiskeller bleibe." Abends sind wir zu einer Musik-Tanzveranstaltung von erstaunlich niedrigem Niveau geladen. Die Träger der bunten Ponchos kennt man ja aus Fußgängerzonen hierzulande. Da wir parallel zur Darbietung unser Abendessen bekommen kann keiner weglaufen. Das hat diese Band denen in der Einkaufsmeile voraus. Als Zugabe gibt es "El Condor Pasa". Einzig der Auftritt eines Sado-Maso-Duos hat mich ein wenig überrascht. Mit Vollmaske und Peitsche – das hatte ich nicht erwartet.

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Um 5 Uhr am nächsten Morgen klopft es an meiner Tür. "Warum fangen diese Touren immer so früh an?" frage ich mich. Beim Frühstück sitzt der Vollpfosten aus Mexiko neben mir, den ich gestern wegen seinem dummen Kommentar am liebsten verprügelt hätte. Es ging um die Eintrittspreise. Das hier ist nicht mal ein Nationalpark, sondern eine ganz normale Schotterstraße mit Aussicht. Trotzdem werden 25$ Eintritt verlangt. Einheimische zahlen 5$, andere Südamerikaner 12$. Er meinte Gringos sollten gefälligst 100$ bezahlen. Der Depp sitzt also nun um halb 6 Uhr morgens neben mir beim Frühstück – dieser Tag fängt nicht gut an.

Wir fahren zunächst am Colca Valley entlang und machen Stopps bei einigen Dörfchen am Talrand. Bunt kostümierte Kinder tanzen zu "El Condor pasa". Das Ganze ist etwa so authentisch wie Schuhplattler im Hofbräuhaus. Das zu Fotografieren ist mir echt zu blöd. Anden-Adler und andere Raubvögel müssen auch für Fotos mit Touristen her halten. Auch das weigere ich mich zu fotografieren – die Tiere gehören in die Berge und nicht auf Stangen. Dann knipse ich halt die Kirche und Haustiere.

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In meiner Gruppe sind überwiegend einheimische Touristen aus Lima, die finden das alles prima und werden gar nicht mehr fertig mit posieren.

Anfangs geht es entlang des Colca Valley - hier sind die Wände noch nicht so steil und man kann die prä-Inka Terassen gut erkennen.

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Dann der Höhepunkt des Tages – Mirador Cruz del Condor. Was die Höhe des Canyons betrifft wird hier meiner Meinung nach geschummelt. Man rechnet nämlich von der höchsten Spitze der umgebenden Berge bis zum Talboden. Der eigentliche Canyonrand von dem man hinab sehen kann ist "nur" 1200m tief. Egal wie die hier rechnen, der Grand Canyon ist an jeder Stelle an der man sich dort befindet um ein Vielfaches imposanter und eindrucksvoller als das hier.

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Da! Endlich zieht er vorbei der Kondor.

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Zuerst einer, dann zwei - zuletzt dreht ein Dutzend Geier in der morgendlichen Thermik seine Aufwärtsrunden. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, die Geier kreisen hoch über dem Tal auf der Suche nach Kadavern und ziehen weiter. Von den etwa 300 Touristen hier am Aussichtspunkt sieht keiner schwach genug aus.

Alle gehen zurück zu ihren Bussen, vorbei an öffentlichen Toiletten. Davor sitzt strategisch günstig Einer und spielt "El Condor Pasa" auf der Gitarre. Er kann ja nichts dafür, dass ich das Stück in den letzten Tagen gefühlte 800 Mal gehört habe, aber am liebsten würde ich mit den Saiten seiner Gitarre etwas anderes machen als das wofür sie gedacht sind.

Meine Reisegruppe aus Arequipa fährt zurück, ich habe beschlossen noch einen Tag in Chivay zu bleiben und zu den heißen Quellen 5km außerhalb des Ortes zu gehen. Schön heiß, mehr kann man dazu nicht sagen. 4 kleine Pools, eine Felswand im Hintergrund wegen der Aussicht. Am besten fand ich noch die hübsch bemalten Schließfächer. Das sagt sicher Einiges über den Wert dieses Bades.

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Zurück nehme ich ein 3-Rad-Motorrad-Taxi. Erstaunlicherweise verfügt dieses Gefährt über eine Stereoanlage. Der Fahrer will mir wohl eine Freude machen und spielt ...

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Peru - ich habe fertig

nichts dabei für mich

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Vom Chivay am Colca Canyon fahre ich zurück nach Arequipa, wo es übringens nach meiner unmaßgeblichen Meinung die hübschesten Frauen in Südamerika bisher gab. Das dortige Nightlife habe ich mir auch mal kurz angesehen und bin mit zwei Schweizerinnen aus meinem Hostel in eine Einheimischen-Disco gegangen.

Vielleicht lag es daran dass Sonntag war, denn so richtig Stimmung kam dort nicht auf. Intressant war ein einsamer Local, der beständig von seinem Tisch mit vier leeren Bierflaschen zu uns rüber geschaut und dabei mit dem Kopf geschüttelt hat. Was da nicht zu verstehen war erschloß sich mir nicht. Vielleicht wunderte er sich auch nur wo das Bier hingekommen ist.

Da ich keine Lust auf 14 Stunden Bus nach Lima habe gönne ich mir einen Flug dorthin. Schon beim Anflug sieht Lima nicht einladend aus. Eine grau-braune Sandgrube mit vielen Häusern. Am Boden wird es nicht besser. Diese Stadt kommt sofort in meine Top 5 der häßlichsten Städte dieser Welt. In einer Liga mit Colombo, Jakarta oder Phnom Penh. Dreckig, laut, chaotischer Verkehr. Eigentlich ist es ein sonniger, wolkenloser Tag, aber man kann wegen dem Smog nicht erkennen was für ein Wetter gerade ist.

Hier bleibe ich nicht - nichts wie weg. Mit dem Taxi quer durch die Stadt zum Busbahnhof und von dort neun Stunden nach Trujillo. Überwiegend geht es durch trockene Wüstenlandschaft. Und wenn ich sage Wüste, dann meine ich Wüste.

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Sandhügel, Sandberge, Geröllhaufen entlang der gesamten Strecke. Mit viel Plastikmüll verziert. So was Schlimmes habe ich seit Kambodscha nicht mehr gesehen. Auch Trujillo gefällt mir nicht - weiter ins nahe gelegene Huanchaco, endlich wieder ans Meer. Ich freue mich auf Badeurlaub, denn seit Purto Natales in Chile vor drei Monaten habe ich den Pazifik nicht mehr gesehen.

Bis ich ankomme ist es spät in der Nacht. Am nächsten Morgen zeigt sich: Auch nicht gerade ein tropisches Paradies.

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Schmutziger, vermüllter Strand, viel zu kaltes Wasser. Dennoch kommen viele Surfer hier her. Nur wegen der Wellen - etwas Anderes findet man hier nicht. Surfer schreckt auch kein Bürgergkrieg (Arugam Bay, Sri Lanka) oder Malaria (Sumatra) wenn es darum geht die perfekte Welle zu finden. Auch wenn der Ort selbst mir nichts bietet, ich habe nette Gesellschaft hier im Hostel gefunden und mache ich eine Woche Reisepause.

In der Nähe gibt es Ruinen einer prä-Inka-Zivilisation. Chan-Chan heißt dieser Komplex.

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Für mich (Kulturbanause) ist das nur eine große Sandgrube.

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Die Kultur der Inka und ihrer Vorfahren fesselt mich nun gar nicht.

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Das was ihre Vettern die Maya im Norden hinterlassen haben war da wesentlich spanndender. Liegt wohl auch an der Lage. Ruinen im Dschungel sind halt etwas anderes als Ruinen im Sandkasten.

Ich streiche meinen Plan zu den abgelegenen Inka-Ruinen nach Kuelap zu fahren. 20 Stunden Bus dorthin - das tue ich mir nicht an. Einen kleinen Umweg nach Cajamarca mache ich aber doch noch. Ich möchte die Zelle sehen, in der Atahualpa gefangen war und wo er Pizarro versprochen hat für seine Freilassung den Raum mit Gold zu füllen. Hat er auch gemacht, Pizarro hat ihn trotzdem umbringen lassen. Man sollte halt den Spaniern nicht trauen wenn man Herrscher einer Nation von Indios ist. (siehe Montezuma und Cortez)

Was ein Pech - ich komme Sonntag abend in Cajamarca an und als ich mir am Montag die Lösegeld-Zelle ansehen möchte ist Ruhetag. So stehe ich vor verschlossenem Tor und stelle fest, dass heute nicht mein Tag und Peru nicht mein Land ist.

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Das Ticket zur Weiterfahrt am selben Abend hatte ich dummerweise schon gekauft, bevor ich merkte dass es heute nichts zu besichtigen gibt.

Ich nehme den Nachtbus nach Piura - drittgrößte Stadt Perus und zweitgrößte Müllkippe nach Lima. Nochmal 3 Stunden später erreicht mein Minibus Mancora - das andere Surferparadies in Peru. Sehr touristisch, aber wenigstens ist der Strand sauber und feinsandig.

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Das Wasser ist mir allerdings auch hier zu kalt. Gut dass mein Hostel einen Pool hat. Da an der Westküste gelegen gibt es schöne Sonnenuntergänge - immerhin.

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Jetzt bin ich praktisch durch ganz Peru durch und habe hier nichts für mich entdecken können. Ach doch, es gibt hier die hässlichste Hunderasse der Welt - Nackthunde!

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Es sind nur noch wenige Stunden Busfahrt bis zur Grenze nach Ecuador. Da werde ich morgen auch hin fahren. Mein nächster Halt wird Guayaquil.

Eingestellt von Tom Travel 16:28 Archiviert in Peru Kommentare (4)

Ecuador - überraschend anders

Galapagos Tag 1 und 2

sunny 28 °C
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Ecuador - mal sehen was es hier gibt. Berge? Nicht schon wieder wandern und frieren. Dschungel? Hatte ich schon in Bolivien. Koloniale Architektur? Mein Bedarf daran ist längst gedeckt. Das Essen habe ich als katastrophal in Erinnerung. Aber da gab es doch noch etwas - Galapagos!

Der Traum für Tierfreunde und -fotografen. Über und unter Wasser. Schon als Kind habe ich zusammen mit meinem Opa gebannt die Reportagen dieser eigenartigen Tierwelt gesehen. Leguane die zum Fressen tauchen gehen, Riesenschildkröten, blutsaugende Finken. Als ich das letzte mal vor 25 Jahren hier war hatte ich noch keinen Tauchschein und konnte nur Schnorcheln. Aber auch das war sensationell. Robben, Schildkröten, Pinguine, Rochen und Haie. Da ich mittlerweile im Besitz der nötigen Tauchscheine bin kann ich mir dieses Mal die Unterwasserwelt ausgiebig ansehen.

Um dorthin zu kommen verbringe ich wieder einmal die Nacht in einem Langstreckenbus von Mancora nach Guayaquil. Spart Geld und man verliert keinen Tag. Der Bus fährt um 23.00 Uhr, aber dieses Mal ist kaum Schlaf zu finden. Zuerst kommt nach 2 Stunden die Grenze nach Ecuador mit den üblichen Formalitäten. Danach im Abstand von jeweils 1 Stunde Polizeikontrollen, dieses Mal wird mein Gepäck nur oberflächlich begutachtet.

Kurz nach 5 Uhr morgens Ankunft in Guayaquil. Ich glaube ich bin in der verkehrten Stadt. Was ist denn hier passiert? Als ich zuletzt hier war, war das eine der übelsten Städte Südamerikas. Und nun ist es eine moderne, saubere Stadt. Breit angelegte Straßen, Parks - sieht eher aus wie Buenos Aires. Kein bisschen wie Lima oder La Paz.

Der Busbahnhof an dem ich ankomme ist in eine riesige, elegante Shopping-Mall integriert und liegt praktischerweise nur eine 3$-Taxi-Fahrt vom top-modernen Flughafen entfernt. Vor dem Flughafen ein riesiger Koi-Teich.Mein Flieger geht erst um 10:30 - ich muss noch fast 5 Stunden tot schlagen. Ein wenig der Zeit vebringe ich mit Fische füttern.

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Fluggäste nach Galapagos müssen ihr Gepäck zusätzlich zu den üblichen Checks auch auf Obst und Gemüse untersuchen lassen. Das darf nämlich nicht mit auf die Inseln. Vorher werden noch 10$ für ein Transitvisum fällig, erst dann darf ich meine Bordkarte in Empfang nehmen.

Das Hin- und Rückflugticket hat 300€ gekostet, Einheimische zahlen die Hälfte. Damit nicht genug müssen ausländische Besucher 100$ Eintritt für den Nationalpark direkt im Flughafengebäude in Baltra bezahlen, noch bevor sie ihr Gepäck bei der Ankunft zurück bekommen. 500 Touristen pro Tag mal 100$ plus die Zusatzeinnahmen aus den Flugtickets plus das was diese Gäste vor Ort ausgeben - diese Inseln sind eine sprudelnde Geldquelle für dieses Land. So etwas hätten die Griechen oder Zyprioten sicher auch gerne vor ihrer Küste. Andererseits, im Vergleich zur Antarktis ist alles günstig und unbestritten sind die Galapagos einmalig auf der Welt und somit diesen Preis wohl wert.

Galapagos 1.Tag

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Eine gute Stunde dauert die Fahrt mit Bussen und Fähre bis in die einzige nennenswerte Stadt auf der Nachbarinsel Santa Cruz. Der Ort hat sich seit meinem letzten Besuch völlig verändert. Zumindest sehe ich sofort was mit einem Teil der Eintrittsgelder passiert. Damals war keine Straße geteert, nun hat es durchgehend gepflasterte Wege.

Im Dorf findet sich ein Hostel mit einem hübschen Zimmer für 10€/Nacht. So teuer wie in vielen Reiseführern angedroht ist es also doch nicht. Für 5,- bis 7,-€ bekommt man ein reichliches Abendessen und ein Bier kostet 2,50€. Das Auswahl beim Essen ist groß und alles schmeckt hervorragend.

2. Tag

Es gibt hier Attraktionen die kosten gar nichts, z.B. Bahia Tortuga auf der anderen Seite der Landzunge. Man erreicht diesen puderfeinen Sandstrand über einen wiederum schön gepflasterten 3km-Weg durch die einmalige Galapagos-Vegetation. Bäume gibt es hier nicht, statt dessen findet sich etwas für Spitzwegs Kakteenfreund.

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Riesige Opuntien wachsen hier viele Meter hoch auf Stämmen und bilden an manchen Stellen kleine Wälder.

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Am Strand kommt es zu ersten tierische Begegnungen. Die Sally-Lightfoot-Krabben sind, untypisch für hier, sehr scheu.

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Kurz darauf sehe ich die ersten Meeresechsen, die sich vom Tauchgang des Morgens ausruhen und aufwärmen.

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Sie lassen sich durch menschliche Nähe kaum stören

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und posieren geradezu für Fotos.

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Eine geschützt gelegene Bucht ist perfekt zum Schwimmen geeignet. Alleine ist man dabei allerdings nicht. Ein ganzer Schwarm junger Stachelrochen zieht seine Bahnen. Die kleinen Dreiecke die über der Wasseroberfläche zu sehen sind hielt ich zuerst für Haie.

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Haie gibt es hier allerdings auch. Etliche Male springt einer von ihnen aus dem Wasser und dreht Pirouetten in der Luft wie ein Delfin. Ein solches Verhalten habe ich von Haien noch nie gesehen. Es handelt sich um Galapagos-Hai Jungtiere - eine der vielen endemischen Tierarten hier.

Damit nicht genug kommt auch noch eine Karett-Schildkröte vorbei.

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Unglaublich was hier schon am ersten Tag los ist. Vögel gab es auch. Neben Pelikanen und Fregattvögeln etliche Vertreter der Darwin Finken. Die haben gelernt dass Touristen leckere Dinge in ihren Rucksäcken haben und sehen sich das Gepäck ganz genau an. Ein paar Kekskrümel sind die Beute.

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Ich bin absolut zufrieden mit meiner heutigen Fotobeute und freue mich aufs "richtige" Tauchen morgen.

Eingestellt von Tom Travel 20:22 Archiviert in Ecuador Kommentare (1)

Galapagos - Santa Cruz

Dive Galapagos

semi-overcast 28 °C
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Last Minute habe ich gestern Abend noch eine Tauchtour zur südlich gelegenen Insel Santa Fe gebucht. Auf einem Segelboot - das aber leider aus Zeitgründen mit dem Motor fährt.

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7mm-Taucheranzüge werden vom Veranstalter gestellt. "Gut so", denke ich mir, denn das Wasser hier habe ich als ziemlich kalt in Erinnerung.

An Bord sind 9 Passagiere. Nur einer außer mir ist zertifizierter Taucher, die anderen machen Schnuppertauchen oder gehen zum Schnorcheln. Perfekt – ich bevorzuge Tauchen in kleinen Gruppen.

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Erste Bedenken kommen mir als der Tauchguide in den Trockentauchanzug klettert. "Das wird kalt", denke ich mir. 18° hat das Wasser heute, erfahre ich beim Briefing. Ach du Sch***, das sind wenigstens 7° unter meinem Wohlfühlbereich.

"The Bay" heißt dieser Tauchspot und meine kleine Gruppe (2 Tauchguides und 2 zahlende Taucher) geht als erstes vom Schlauchboot per Rolle rückwärts ins Wasser. "LMAA!", ist mein erster Gedanke als mir das Eiswasser im Nacken in den Tauchanzug läuft.
"Das ist ja in Wirklichkeit noch viel kälter als befürchtet!"

Wie war das mit der Erderwärmung? Die findet ganz offensichtlich immer nur in Gegenden statt in denen ich nicht bin. Von hier sind es nur noch ein paar Kilometer zum Äquator, es ist Sommer, die Sonne scheint und ich friere schon wieder wie ein Schneider.

Möglichst wenig bewegen, Arme an der Brust verschränkt – so geht es nach unten. 25m tief, 45min ist der Plan für diesen Tauchgang.
"Wie soll ich das überstehen?"

Ich schaue mich um und - bin im Aquarium. So einen Haufen Fische in Speisegröße habe ich zuletzt in Una-Una auf Sulawesi gesehen. Die kleinsten hätten sich gut auf jedem Teller gemacht, an den größeren wären ganze Familien satt geworden. Das in Sulawesi war einer der bisher besten Tauchgänge meines Lebens. Wäre dieser hier auch, wenn es nicht so saumäßig kalt und die Sicht so bescheiden wäre. 10-15m maximal. Ich gebe es zu, ich bin verwöhnt, aber in puncto Sicht und Temperatur ist das hier der Starnberger See.

Ein im Sand halb-eingebuddelter Stachelrochen erwärmt mich auch nicht. Ebenso wenig wie ein anderes Exemplar seiner Art, das an uns vorbei gleitet. Die richtig großen Brocken gibt es hier selten zu sehen hieß es. Hammerhaie und Mantas findet man an anderen Tauchplätzen eher mal. Ein mittelgroßer Weißspitzen-Riffhai schwimmt vorbei und ist das Highlight dieses Tauchgangs.

Nach knapp 40 Minuten hat mein kolumbianischer Dive-Buddy keine Luft mehr. Ich bin ihm fast dankbar für seinen verschwenderischen Luftverbrauch, denn so endet dieser eisige Tauchgang früher als geplant.

An Bord 2 Stunden Aufwärmen, kleiner Snack und schon geht es zum zweiten Mal ins und unter Wasser. Diesmal heißt der Tauchspot "La Punta". Der Kälteschock trifft mich dieses Mal nicht mehr so unerwartet wie beim ersten Mal. Wieder schaue ich mich um und stelle fest, dass es hier nicht so viele Fische, dafür aber eine wesentlich interessantere Unterwasserlandschaft gibt.

1,2,3,4...jede Minute eine Karettschildkröte. Bei 10 höre ich auf zu zählen. Schlafend, dösend, schwimmend. Alle Größen von 10-100kg. Zumindest hier sieht das nicht nach einer bedrohten Tierart aus. Auf meinen bisherigen Tauchgängen waren 3-4 Schildkröten schon ein ziemlicher Rekord. So etwas wie hier habe ich bisher noch nirgends gesehen. Die Sicht wird leider immer schlechter und beträgt nur noch 10m. Dennoch sehe ich einen weiteren Weißspitzen-Riffhai und ein paar Stachelrochen vorbeiziehen.

Dann passiert etwas, bei dem ich für 5 Minuten die Kälte vergesse. Der größte Hai den ich je gesehen habe kreuzt keine 5m vor mir mehrmals auf und ab. Der Tauchguide meinte später an Bord er sei 4m lang gewesen – ich habe ihn auf 3m geschätzt. Mich hat weniger die Länge, als mehr die Form beeindruckt. Massiv, bullig ein perfekt proportionierter Hai. Nicht so mager wie die Riffhaie. Ich dachte es wäre ein Bull-Shark, allerdings war die Schnauze zu spitz dafür, oder eher noch ein Grauhai. An Bord stellt sich heraus es war ein ausgewachsener Galapagos-Hai. Am Ende des Tauchgangs kam er (oder ein gleich großer Kollege) noch ein zweites Mal vorbei. Ich bin total happy und grinse unter meinem Regulator von Ohr zu Ohr.

Wieder hat mein kolumbianischer Kollege seine Flasche lange vor mir leer genuckelt und wieder bin ich darüber nicht traurig. Trotz der Hai-Sichtungen ist mir kalt und ich bin froh dass es nach oben geht.

4.Tag

Kurzer Besuch bei der Darwin Forschungsstation. Die Meeresechsen liegen wieder überall kreuz- und quer und übereinander.

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Galapagos-Riesenschildkröten beim Frühstück. Viel mehr Action kriegt man von denen nicht zu sehen.

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Unterarten von verschiedenen Inseln werden hier in Gehegen gehalten.

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Lonesome George
lebte hier auch bis vor ein paar Jahren als Letzter seiner Art. Nun ist die Art mit ihm ausgestorben.

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Ein einsamer Santa Fe Leguan gehört auch zu den Insassen dieses Zoos. Ist er auch der Letzte seiner Art? Was ist das hier - Tieren live beim Aussterben zusehen?

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Irgendwie ist die Station eine Enttäuschung. Kostet nichts, bietet aber auch nicht viel. Auf den wenigen Schautafeln findet sich kaum hilfreiche Information. Kein hilfsbereiter Ranger in Sicht der Fragen beantworten könnte. Das ist in den Parks der USA oder Australien besser gelöst.

Auf dem Rückweg am Fischmarkt Seelöwen und Pelikane beim Betteln.

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Der Seelöwe hat alles gut im Griff und hält die Pelikane und einen kleineren Artgenossen eifersüchtig auf Distanz.

Eingestellt von Tom Travel 10:28 Archiviert in Ecuador Kommentare (2)

Galapagos - Isabela

wie vor 20 Jahren

overcast 25 °C
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Fürs Erste habe ich genug von Santa Cruz gesehen. Ich habe beschlossen keine mehrtägige Kreuzfahrt zu den Inseln zu machen. Die kleinen, unbewohnten Inseln werde ich so nicht zu sehen bekommen, die kenne ich aber schon von meinem letzten Aufenthalt vor gut 20 Jahren. Mittlerweile gibt es preisgünstige Schnellboote die zu den 4 bewohnten Inseln fahren. Von dort kann ich Tagestouren machen und Dive-Operator finden sich dort vielleicht auch.

Im Westen liegt die größte Insel des Archipels, Isabela. Per Schnellboot geht es mit 750PS zur einzigen Ansiedlung dort – Puerto Villamil. Hier sieht es so aus wie in Puerto Ayoro vor 25 Jahren.

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Nur Sand- und Schotterwege, kein Geldautomat. Es wird überall gebaut, an vielen Ecken sieht es ziemlich chaotisch aus.

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Auch hier findet sich ein passendes 10$-Hotel mit sehr netten Wirtsleuten und Gästen. Nach dem Check-In 10 Minuten Spaziergang an den Strand.

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Postkarten-Kitsch
schön.

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Vom Ufer aus kann man wieder Haie sehen, die scheint es hier wirklich überall zu geben. Ganz harmlos sind die allerdings nicht. Ich erfahre, dass letzte Woche in Santa Cruz und vor ein paar Wochen hier Surfer in die Waden gebissen und erheblich verletzt wurden.

Mal sehen wie morgen das Wetter wird. Heute war es den ganzen Tag über stark bewölkt. Wenn es aufreißt werde ich mal Richtung Vulkan wandern, wenn nicht macht's auch nichts. Ein Tag in der Hängematte mit Buch ist auch nicht schlecht. Ich habe Zeit und kann warten.

Galapagos 5. und 6. Tag

Das Wetter wurde am nächsten Tag nicht besser und am übernächsten auch nicht. Schöner Sonnenuntergang, aber tagsüber völlig zugezogen und duster.

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"Wo gehen wir denn heute Abend hin?" ist eine Frage die sich hier nicht stellt. Einheimische und Touristen treffen sich in der Casa Rosada zur Happy Hour

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Am Wochenende auch mit Live-Musik.

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Oder zum Volleyball,

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danach Abendessen am Marktplatz vor der Kirche und anschließend in die Strand-Disco Iguana Point. Karibik-Feeling. Das Ganze hier erinnert mich stark an Malapasqua. Die anwesenden Touristen werden als Nebensache betrachtet. Die Locals sind mehr darauf konzentriert Spaß zu haben. Bars und Restaurants schließen früh. Die Besitzer sind mehr am Feierabend als an Umsatz interessiert.

7.Tag

Samstag, zum ersten Mal richtig gutes Wetter. Man könnte zum Schnorcheln gehen oder auf den Vulkan klettern. Heute ist allerdings auch CL Finale. Das sind schwere Entscheidungen. Ich mache mich auf die Suche nach einer Sportbar und stelle fest, so weit ist man hier noch nicht. Es gibt zwar Restaurants und Bars mit TV, aber es gibt nur ein Programm und das ist nicht Fußball. Jens, noch ein Fußballfan aus Deutschland, mit dem ich unterwegs bin und ich fragen ein wenig herum und es gibt auf der Insel einen einzigen Einwohner, der eine 3m-Schüssel im Garten hat und FOX-Sport empfangen kann. Den finden wir auch nach einigem Suchen und er winkt uns sofort ins Haus, noch bevor wir ihm so richtig erklären konnten was wir von ihm wollen. Sergio weiß es auch so und das Spiel, gerade angepfiffen, läuft bereits in seinem Wohnzimmer.

In der zweiten Halbzeit kommen noch 6 weitere Locals dazu. Alle sind für Dortmund. Damit kann ich als ehemaliger Münchner und 60er-Fan gut leben. Bayern gewinnt und nachdem der Pokal überreicht wurde ist es heute zu spät für Unternehmungen. Dann gehe ich halt morgen auf den Vulkan.

8. und 9. Tag

Viel Auswahl an organisierten Tagestouren hat man hier auf Isabela nicht. Schnorcheln an 2 verschiedenen Stellen und eine geführte Wanderung am Rand eines Vulkans - das ist es dann auch schon. Der Rest der Insel ist gesperrt bzw. einige Buchten werden nur von großen Cruise-Ships angesteuert, sind von Land aus nicht erreichbar. Das ist einerseits schade, andererseits wohl notwendig um die Natur und Tierwelt zu erhalten. Ich mache die 15km-Wanderung zum Kraterrand. Zuletzt vor 8 Jahren ausgebrochen kann man die frischen Lavafelder sehen. Das heißt erstmal sieht man nichts, denn der Nebel am frühen Morgen verdeckt die Sicht.

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Üppige Vegetation, leider überwuchern die eingeschleppten Guavensträucher alles. Von der endemischen Flora ist erst mal nicht viel zu sehen.

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Wir wandern mit unserer Gruppe von 14 Leuten an die Nordseite des Kraters, dort ist es trocken und die Sicht gleich viel besser. Lavatunnel, Lavafelder und etliche kleinere Krater auf dieser Seite.

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Verlaufen kann man sich auf dieser Route eigentlich nicht, dennoch ist ein Guide vorgeschrieben.

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Als am Ende eine Teilnehmerin der Gruppe verschwunden ist, kümmert das unseren Guide allerdings nicht. Wir fahren ohne sie zurück. Was mit ihr passiert ist, wie sie wieder zurück kommt - ihr Problem. Das Geld für die Tour hat sie ja schon bezahlt - und nur darum scheint es hier zu gehen.

Tags darauf mache ich Ruhetag. Weil es sonst hier für mich nichts mehr anzusehen gibt, buche ich für den nächsten Tag das Speedboot zurück nach Santa Cruz.

Eingestellt von Tom Travel 13:25 Archiviert in Ecuador Kommentare (2)

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