Reise blog von Travellerspoint

Januar 2013

Schöne Bescherung

Das letzte Stück unterwegs mit Moby

semi-overcast 26 °C
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Ich habe es am Ende doch geschafft Alina von Key West weg zu kriegen. Die ganze Strecke bis zu unseren Freunden nach Pompano Beach ist mir zu weit. Da wir bisher nur an den Everglades entlang geschrammt sind möchte ich noch eine Nacht im Nationalpark auf dem Long Pine Campground verbringen.

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Nur ein einziger Campingplatz liegt noch tiefer im Park - Flamingo heißt er. Klingt eigentlich ganz nett. Wir haben allerdings schon von 2 Seiten wahre Horrorgeschichten gehört. Ein Ranger zeigte die Größe der dortigen Moskitos als fingerlang an - ein anderer antwortete auf die Frage ob es dort schlimme Mücken gibt: "Help you God!"

Daher bleiben wir hier, in einem kleinen Kiefernwald. Temperaturen traumhaft. OK, auch hier fiese Mücken aber es geht. Ein Letztes Mal kochen wir in Moby, das letzte mal den Sonennuntergang mit Moby genießen.

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Das ist hier auch definitiv das letzte Mal dass wir in den USA Natur sehen . Deswegen schauen wir uns am nächsten Morgen noch ein paar der nahegelegenen Boardwalks in den Sümpfen an. Wir lassen uns von einem Ranger belehren, dass es sich bei den Everglades genaugenommen nicht um einen Sumpf sondern um einen sehr breiten, sehr langsam fließenden Fluss handelt.

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Das Wasser ist unglaublich klar, man kann sogar durch fotografieren.

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Es liegen wieder einige Alligatoren faul herum, dazwischen immer mal ein Reiher oder Kormoran, jedoch auf keinen Fall die Masse an Tieren die man im Big Cypress Park sehen kann.

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Dieser Vogel lässt uns aber sehr Nahe ran kommen.

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Alina versucht seine Augen die wie Opale aussehen zu fotografieren.

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Der Vogel ist entzückt oder wie würdet ihr diesen Ausdruck deuten?

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Was nun noch bleibt sind gut 100 km bis Pompano Beach. Das Auto gut zu verkaufen ist nun das Wichtigste. Der Dreck von 5 Monaten klebt auf dem ehemals weißen Wal. Eine Waschanlage zum selber Waschen muss her.

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Auch hier ist die Größe wieder ein Nachteil. So viel Oberfläche! Mir fallen fast die Arme ab. Mit Schaumbesen und Seifenpistole geht es ran an den Dreck und nach einer halben Stunde sieht Moby ganz gut aus. Ich brauche heute auch keine Dusche mehr!

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Über die Internet Anzeige bei Craigslist kamen die lezten paar Tage keine Anfragen rein. Vielleicht haben wir ihn doch preislich zu hoch angesetzt. Ich logge mich ein und reduziere den Preis. Für die die es nicht kennen, Craigslist ist so etwas wie ebay nur dass es nichts kostet. Ist hier in den USA beliebter als jede andere Verkaufsplattform.

Wir kommen bei unseren Gastgebern Kathi und Olli an und checken gleich mal unsere Annonce online. Sie ist weg! Was ist denn da los? Wenn ich sie nicht finde findet sie auch kein potentieller Käufer. Das erklärt zumindest warum es plötzlich so ruhig geworden ist. Ich mache eine neue Annonce mit gleichem Inhalt - die wird auch nicht angezeigt. Was mache ich falsch?

Google hat die Antwort. Ganz offensichtlich haben die Betreiber von Craigslist die Möglichkeit Anzeigen die ihnen nicht gefallen oder die möglicherweise betrügerisch sind unsichtbar zu machen. Der Verfasser der Annonce bekommt das nicht mit wenn er nicht explizit nach seiner Anzeige sucht. Wir wissen nicht was an unserer Anzeige nicht koscher war, werden es wohl auch nie erfahren.

Ollie gibt mit seinem Craigslist Account nochmal die selbe Anzeige auf. Text und Bilder alles gleich. Mal sehen wie lange diese Annonce drin bleibt.

Nun müssen wir Moby noch verkaufsfertig machen. Ölwechsel und Reparatur der Airdondition steht an. Das mit der Aircon liegt uns ein wenig im Magen. Könnte eine Kleinigkeit sein oder teuer werden. Ich fahre zu einem RV-Aircondition-Spezialisten 30km nach Fort Lauderdale. Der sieht sich die Sache an und fragt als erstes nach dem Sicherungskasten. Die Arbeit kann er sich sparen sage ich ihm, da habe ich auch als erstes nachgesehen - alle Sicherungen sind drin. Er läßt sich dadruch nicht beirren (hier sieht man den Unterschied zwischen einem Laien und einem Experten) und klappt alle Sicherungen einmal runter und wieder rauf. Schon rennt die Aircon wieder. Ich stehe daneben wie der größte Trottel. Der Mechaniker verlangt nichts - ich gebe ihm ein Trinkgeld und fahre beschämt, aber glücklich über die billige "Reparatur" vom Hof.

Nun wo alles funktioniert fehlt nur noch die Innen-Generalreinigung. Moby steht seit 2 Tagen auf dem Parkplatz des nahegelegenen Casinos/Trabrennbahn. Da kann er gut stehen bis er endlich verkauft ist.

Wir haben wieder 1-2 neue Anfragen seitdem wir die Anzeige neu geschaltet haben. Die wollen aber nur den Preis heftig drücken noch bevor sie den Wagen gesehen haben. Noch haben wir Zeit und lehnen diese Angebote ab.

Olli und Cathi haben wir leider nicht so oft gesehen, denn Cathis Job heisst um 5 Uhr aufstehen. Jetzt haben sie mitsamt William ihre Koffer gepackt und sind ab nach Deutschland. Hatte nichts mit uns zu tun, wirklich! ;-) Wir können aber ihre Wohnung nutzen bis wir Moby verkaufen.

Am nächsten Tag kommt die Kältefront. Sonnig aber nur 12°? Ich war noch mit Cathi morgens shoppen, wie gewohnt in den letzten Tagen in kurzen Hosen und T-shirt. Brrr! Wir haben es direkt bereut. Wir erfahren dass es Deutschland die selben Temperaturen hat.
Wir fahren unsere Gastgeber noch zum Flughafen und sagen wieder mal Bye-Bye.

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Sie freuen sich auf Weihnachten zuhause mit Familie und Freunden. Das ist ein kleiner Nachteil des Reisens. Weihnachten ist man nicht bei der Familie. Letztes Jahr in Australien hatten wir noch mit Janine und Flemming gefeiert. Dieses Jahr sind wir ganz alleine und es kommt etwas Heimweh dazu.

Alina geht es seit Tagen sehr schlecht. Sie hat immer wieder starke Magenkrämpfe. Meine tierärztliche Untersuchung ergab kein eindeutiges Ergebnis und so müssen Menschenärzte mit all ihren Apparaten ran. Wir verbringen Heiligabend im Krankenhaus. Ich friere wegen verrückt aufgedrehten Aircons in diversen Wartezimmern, Alina läßt alle möglichn Untersuchungen über sich ergehen.

Eigentlich wollen wir Moby gar nicht mehr bewegen. Ich hatte ein schlechtes Gefühl und wollte keinen Last-Minute-Defekt riskieren. Genau als wir wieder vom Krankenhaus zurück auf unseren Standplatz rollen passiert es - wir verlieren den Ersatzreifen der unter dem Auto hängen sollte. Die zweite Befestigung der Halterung ist abgebrochen. Ich habe die erste grade vor 3 Tagen repariert. Nicht auszudenken wenn das nur ein paar Minuten zuvor, ein par Kilometer zurück auf der Autobahn bei Tempo 90 passiert wäre. Ein 30kg schweres Reserverad springt frei über die Fahrbahnen. Ich bekomme Gänsehaut und Schweißausbrüche bei dem Gedanken.

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Irgendwie freuen wir uns, dass wir so ein Glück hatten aber es kommt keine Stimmung auf. Ein Weihnachten zum schnell Vergessen.

Alina erholt sich nach ein paar Tagen, sie hatte wohl eine Virusinfektion, jetzt ist Ruhe angesagt.

Zwischen den Tagen kämpfen wir mit unsere Anzeige Moby zu verkaufen. Einer, angeblich Ozeanograph der auf hoher See ist und nur SMS schreiben kann, möchte das Auto für sein Sohn kaufen kann aber nur mit Paypal zahlen. Da wir schon mal bei Craigslist um Geld betrogen wurden, forschen wir nach. Seine Methode ist, er sendet uns eine Email die wie von Paypal aussieht er hätte 2000 zuviel gezahlt und seine Überweisung ist komplett gesperrt bis wir die zuviel gezahlten 2000 USD zurück überweisen. Unglaublich!

Jemand sabotiert uns, unsere Anzeige wird immer wieder gelöscht. Trotzdem kommen immer wieder potentielle Käufer und sehen sich das Auto an. Für uns heißt das dann immer rauf aufs Fahrrad, rüber zum Casino, warten bis die Käufer eintreffen, alles vorführen. Leider bisher ohne Erfolg. Zu groß, zu schäbig, zu teuer - wir wissen nicht woran es liegt.

Fortsetzung folgt...

Eingestellt von Tom Travel 12:52 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (5)

Fazit USA

Rückblick auf 6 Monate durch 30 Bundesstaaten

sunny 25 °C
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Pompano Beach ist für uns Endstation dieser USA-Rundfahrt. Nur noch wenige Tage bis zur Abreise. Zeit für einen Rückblick auf 6 Monate, 30 Bundesstaaten und 20.000 km.

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Nachdem wir auf 2 vorangegangenen Reisen die Top-Must-See-Attraktionen der USA bereits abgehakt hatten, (Hawaii, L.A., San Francisco, Las Vegas, Manhattan, usw.) haben wir uns dieses Mal auf die abgelegenen Gegenden konzentriert. Wir haben keinen Reisefürer studiert, keine Internetrecherche vorneweg betrieben. Der Yellowstone National Park war die einzige Sehenswürdigkeit die von vornherein geplant war. Beenden wollten wir die Reise in Florida - alles andere ergab sich unterwegs. Wir wollten uns überraschen lassen. Überraschungen gab es positiv (New Mexiko) und negativ (Mississippi).

Würden wir es nochmal so machen? Nein, natürlich nicht. Die Strecke von Buffalo bis South Dakota war sterbenslangweilig, die würde wir nicht mehr fahren wollen. Unsere Lieblingsstaaten: Utah und Wyoming. Colorado und Montana kamen leider zu kurz - ein Andermal.

Die Landschaften – fantastisch. Abwechslungsreich und großartig, wie wir es noch auf keinem Kontinent erlebt haben. (Die Eifel mal ausgenommen). Weniger Tiere als erhofft. Ist halt nicht Australien. Wir als Europäer sollten nicht mit Steinen werfen, wenn es um die Ausrottung der heimischen Fauna geht. Bei uns ist schon lange fast nichts mehr übrig.

Mit so vielen Attraktionen im eigenen Land wird klar warum man so wenige US-Amerikaner im Ausland trifft. Der schwächelnde US-Dollar spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Die Straßen sind in unglaublich gutem Zustand. Das Netz ist sicher viel größer als das in Deutschland. Sogar die abgelegensten Nebenstraßen haben eine nahezu perfekte Teerdecke. Strenge Frostwinter gibt es hier im westlichen Bergland auch. Zu reparieren gibt es also jedes Frühjahr genug. Spritsteuer ist viel niedriger, KFZ-Steuer auch - wie machen die das?

Gespart wird anscheinend an anderer Stelle. Strom- und Telefonleitungen verlaufen oberirdisch wie in einem Drittweltland. Störungsanfällig und nicht ungefährlich.

Die Menschen die wir trafen waren freundlich und höchst hilfsbereit und wenn klar wurde das wir aus Deutschland kommen wurden sie gleich noch freundlicher. Deutsche sind hier extrem beliebt. Fast jeder hat irgendwie einen Verwandten mit deutschen Wurzeln. Viele haben wir allerdings nicht getroffen. Junge US-Amerikaner auf Reisen muss man mit der Lupe suchen. Ausländische Touristen trafen wir auch nur sehr wenige - das lag sicher an der Auswahl unserer Route. In Las Vegas und am Grand Canyon gab es einen Haufen Deutsche. Das waren auch die beiden einzigen Orte an denen wir waren, die man üblicherweise als Nicht-Amerikaner-Tourist auf dem Zettel hat.

USA - das “land of the free“? Wir fühlten uns nicht frei. Viele der Regeln und Gesetze waren für uns nicht nachvollziehbar. Beispiele gefällig?

Ein Vater mit seinem 11-jährigen auf der Shooting Range – alles super, kein Problem. Mit 18 darf sich der Sohnemann sein eigenes Gewehr kaufen. Zigaretten oder ein Bier bekommt er erst wenn er 21 ist. Daran ändern sicher auch die beiden Amokläufe (Kino in Colorado und Schule in Newton) nichts.

Eine Mutter mit ihrer 20-jährigen Tochter beim Picknick im eigenen Garten, jede mit einem Cocktail – besser nicht.
Je nachdem in welchem Bundesstaat das Picknick stattfindet riskiert die Mutter eine saftige Geldstrafe oder sogar Gefängnis. Alkohol erst ab 21.!

Zwei Rentner in Florida am Strand mit einem Glas Wein beim Sonnenuntergang - das kann teuer werden wenn es die Polizei sieht. Alkohol in der Öffentlichkeit außerhalb von lizenzierten Gastronomiebetrieben verboten!

Die USA scheinen ein Riesen Alkoholproblem zu haben, anders sind die zum Teil abstrusen Regelungen nicht zu verstehen. Weitere Beispiele?

Zwei Bier trinken und danach Auto fahren – kein Problem, solange man unter 0,8 Promille bleibt. Wichtig dabei ist, dass man die leere Bierdose rechtzeitig aus dem Fenster schmeißt wenn die Polizei kommt. Mit einer leeren Bierdose unter dem Beifahrersitz stocknüchtern “erwischt“ werden kostet mal eben 100$ - mit Alkohol im Blut (auch wenn es unter 0,8 Promille ist) ist es gleich nochmal viel teurer – häh?

Biergarten mit Live Musik. Du darfst dir ein Bier kaufen. Das bekommst du in einem nicht durchsichtigen Plastikbecher, wegen der Jugend. Die sind nämlich so blöd, die glauben dann da wäre Tee drin. Jetzt weiß ich wo der Spruch herkommt der hat doch was im Tee! Das Bier hier schmeckt übrigens scheußlich verwässert. Miller, Coors, Budweiser - bäh!

Wir haben den Eindruck der Gesetzgeber hier hält die eigenen Leute jeden Alters für unmündige Kinder oder Volltrottel.

Richtig kompliziert wird es mit einem Wohnmobil wie dem unseren. Da ist eine leere Bierdose im Wohnbereich OK, im Fahrerbereich nicht. Man muss also aufpassen wo man seinen Müll lagert.

Liedtexte im Radio werden zensiert. Aus "shit" wird "sh***" aus "fuck" wird "piiiep" oder aus "fuck you" wird "forget you". Plattencover, Fotos, Videos alles wo eine Brustwarze oder “Schlimmeres“ zu sehen ist wird zensiert. Diese Prüderie ist für uns Europäer geradezu lächerlich. Als Erklärung wurde einmal die hohe Zahl an Teenagerschwangerschaften genannt (USA #1 unter allen Industrienationen). Na dann sagen die Teenager halt nicht "fuck" wenn sie trotzdem schwanger werden sondern "sh***"!

Helmpflicht auf dem Motorrad nur bis zum 18. Lj - als ob Schädel ab dem Alter nicht mehr brächen.

Vielleicht muss man hier geboren sein um das alles zu akzeptieren und zu verstehen. Ich hatte jedes Mal beim Anblick eines Polizeiautos ein schlechtes Gefühl. Eigentlich sollten die Sicherheit vermitteln. Auf den Philippinen, in Costa Rica oder Sonstwo freue ich mich immer Polizei zu sehen. Die halten das Ungeziefer fern. Hier in den USA war bei mir das Gegenteil der Fall. Als ob ich etwas angestellt oder zu verbergen hätte.

Das Niveau des Wahlkampfs der im Herbst lief war eine Schande für ein zivilisiertes Land. Die Spots im TV und Radio waren unterste Schublade. Bei manchen Themen schlägt religiöser Fanatismus durch. Das läßt einen schon manchmal die Stirn runzeln. Abtreibung ist ein wichtiges Thema. Bei der Frage wann es denn erlaubt sein soll stellt sich doch glatt ein konservativer Senator hin und behauptet der weibliche Körper kenne Mittel und Wege im Fall von echter Vergewaltigung dafür zu sorgen, dass es nicht zur Schwangerschaft kommt. Daher brauche man für diese Fälle keine Ausnahme zu machen. Häh? Geht's noch? Mit anderen Worten: Wenn eine Frau schwanger wird, dann war es keine Vergewaltigung.

Die religiös gespeiste Überzeugung mit der so mancher haarsträubender Sachverhalt behauptet wird ist kaum zu fassen. Die Mormonen mit ihrer Idee, dass Amerika bereits 1000 v.Chr. von Auswanderern aus dem nahen Osten besiedelt wurde und die Theorien der Kreationisten sind weitere Beispiele. Die Erde ist erst 6000 Jahre alt und unsere Vorväter haben mit Dinosauriern gespielt. Beide Gruppen sind keine bedeutungslosen Splitterminderheiten.

6 Millionen Mormonen, Mitt Romney ist einer davon - fast wäre er Präsident geworden. Knapp die Hälfte der US-Amerikaner glaubt an die Schöpfung und nicht an die Evolution. Die Medien tragen hier nicht wirklich zur Information und Aufklärung bei. TV und Radiosendungen sind für uns kaum zu ertragen. Es wird so offensichtlich falsch berichtet, dass wir denken es handelt sich um Satire - ist es aber nicht.

Ganz herzlich bedanken wollen wir uns bei Karl und Dolores für die Hilfe bei der Suche nach einem Camper.

Für die herzliche und freundliche Aufnahme bedanken wir uns bei

den Spletts in Leesburg, WV
Mary und Arnold in Cairo, NY
Christine und Bob in Hamilton, Canada
Lori und Dirk in Las Vegas, NV
Ewald in Meridian, MS
Emilia in Hot Springs, AR
Kathie und Gottfried in Bonita Springs, FL
Cathie und Olli in Pompano Beach, FL

...und bei Larry für die Footballkarte.

Eingestellt von Tom Travel 16:12 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (6)

Jezt ist er ist weg, weg und sie auch

und ich bin allein allein

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Weihnachten war schon nicht sehr gut, Sylvester wird auch ziemlich fad. Wenigstens ist keiner von uns krank. Die Party im Casino hier vor Ort haben wir sausen lassen. Wir haben uns die Gestalten dort drin nachmittags mal angesehen - gruslig. Wir sehen uns das spärliche Feuerwerk vom Balkon aus an und denken wehmütig an Sydney letztes Jahr. DAS war ein Feuerwerk!

Ich spiele mittlerweile mit dem Gedanken bewusst mein Visum zu überziehen. Wenn der Wagen diese Woche keinen Käufer findet muss ich hierbleiben. Lieber riskieren ich 3 Jahre Einreiseverbot in die USA als nochmal ein Raus-Rein nach Costa-Rica oder sonstwo nur um mein Visum zu verlängern. Cathie und Ollie wären bestimmt sehr überrascht, wenn ich nach 5 Wochen immer noch hier wäre.

Für Alina hat sich zumindest das Visum-Problem erledigt. Sie fliegt nach Deutschland zurück. Es haben sich unerwartet Probleme ergeben. Ihr Vater braucht sie zur Unterstützung einiger Angelegenheiten in Deutschland. Sie wird bald nachkommen. Schön ist das nicht. Vor 6 Monaten musste sie in Schottland zurück bleiben. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Whiskystory am Flughafen. Jetzt muß ich wohl eine Zeit lang alleine weiter reisen.

Hier in Pompano Beach verlaufen die letzten Tage immer gleich langweilig. Wir warten darauf das sich einer auf unsere Anzeigen meldet, beantworten unzählige Fragen per Mail und SMS. Fragen nach technischen Details zum Fahrzeug die alle in unserer Anzeige stehen. Lesen gehört scheinbar nicht zu den Stärken der Craigslist-Kundschaft. Alle paar Tage kommt dann einer und schaut sich Moby an. Dann immer wieder das Selbe.

"Oh, 29 Fuß lang, dass der so groß ist hätten wir nicht gedacht."
Das stand schon in der Überschrift der Annonce. Wir haben viele Bilder hochgeladen, aber es kommt für den einen oder anderen trotzdem überraschend.

"Hm, was sind denn dass für Kratzer da hinten?"
Das war ein Busch. Hallo?! Was erwarten die Leute? Wir verkaufen hier ein 13 Jahre altes Gebrauchsfahrzeug für einen Bruchteil des Neupreises.

Die vorausgehenden Telefongespräche sind zum Teil auch sehr frustrierend für uns:

"Habt ihr den Camper noch?" "Ja"
"Also ich bin grade nach Florida gezogen..." (blablabla lange Umzugsgeschichte).
Dann sagt er er sei krank und habe nur noch 5 Monate zu leben. Ich glaube ich habe mich verhört und gehe nicht darauf ein. Er würde mir 8.000$ Cash geben. Ich antworte:
"Wir hätten den Camper schon ein paar Mal für 10-11.000 verkaufen können. Ein Händler hat uns 9.000 geboten."
Er quatscht mich jetzt voll von wegen Wirtschaftskrise und die Leute haben jetzt kein Geld und wer kauft jetzt schon einen Camper? Ich gebe nicht nach. Dann bietet ert 9.200$.
"Es gibt günstigere Angebote als unseres bei Craigslist, sogar ein sehr ähnliches Modell" sage ich ihm.
Der Typ fragt mich dann doch allen Ernstes nach der Nummer. Ich sag ihm "Die musst du dir schon selber raussuchen."

Gespräch 2 am gleichen Tag, kein Hallo, kommt gleich zu Sache:

"Jetzt pass mal auf Kleine, dein Camper da bei Craigslist, 5.000$ gebe ich euch, nicht mehr"
Hallo? Wir haben 13.000$ als Verhandlungsbasis angegeben, da ist so ein Gegenangebot eine Frechheit. Der Anrufer ist sehr überzeugt von sich und seiner Offerte und erzählt mir was von Wirtschaftskrise und es hat eh gerade keiner Geld. Ich soll froh sein wenn ich 5.000 bekomme. Da bin ich anderer Meinung. Als er das merkt, meint er ob ich weiß was er alles in die Kiste reinstecken muß.
Ich frage: "Hast du dir eigentlich unsere Bilder angesehen?"
Wir haben die Bilder der Konkurrenz gesehen und keiner hat so ein gepflegtes Auto. Es gibt 2-3 Ähnliche, aber älter, mehr Meilen auf den Tacho und von innen kaum mit unseren Moby vergleichbar. Der Typ legt einfach auf.

Letztes Wochenende sah es ganz mau aus. 3 feste Termine, 2 sind nicht erschienen und einer hat kurzfristig abgesagt. Super! Diese Woche die frustrierenden Telefonate und zwischendurch immer wieder mal ein neuer Paypalbetrüger. Wir sehen langsam echt schwarz. Mittlerweile haben wir 3 Anzeigen in 3 Countys, aber die Nachfragen werden weniger.

Und jedesmal wenn dann doch mal einer kommt radeln wir wieder zum Casinoparkplatz, erklären das Auto von vorne bis hinten, machen Probefahrt und jedesmal ist es wieder für die Katz. Echt deprimierend. Bis heute!

Ein Chilenisch-Puertorikanisches Paar hat Interesse. Beide nahe am Rentenalter und RV-Anfänger so wie wir vor 6 Monaten. Sie schauen sich alles SEHR genau an, lassen sich alles aufmerksam erklären, machen eine Probefahrt, testen jede Funktion. Sie scheinen echt interessiert und Moby zeigt sich von seiner besten Seite. Alles funktioniert so wie immer.

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Wir werden uns handelseinig. Da wäre nur noch das Problem mit dem Papierkram. Das hier ist Florida und das Auto hat New Yorker Kennzeichen. Dazu kommt dass ich im Fahrzeugbrief nicht der Besitzer bin sondern meine Tante. Ausländer wie wir können im Staat New York kein Auto registrieren und brauchen dazu einen einheimischen Strohmann/frau. Deswegen läuft der RV auf ihren Namen.

Um das zu klären fahren wir alle 4 zur Zulassungsstelle. Erfreulicherweise interessiert sich dort niemand für die Besitzverhältnisse, sondern will nur den Kaufvertrag sehen und die Steuern kassieren. Hier in den USA zahlt man auch bei Verkauf von privat an privat Steuern - jedes Mal wenn ein Fahrzeug den Besitzer wechselt werden 5-7% vom Kaufpreis als Steuer fällig.

Neue Schilder gibt es auch. Ich montiere die New Yorker Nummernschilder ab.

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Moby wird zum Snowbird - ein New Yorker in Florida.

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Ich hatte mir vorgenommen mir den Bart stehen zu lassen bis der RV verkauft ist. Eigentlich könnte ich mich jetzt rasieren.

Ups, da wäre noch etwas - wir haben unser Geld noch nicht. Das wird ein größeres Problem als die Zulassung, denn Überweisung von Konto zu Konto ist in den USA auch im 21. Jahrhundert schwierig. Wenn es auf ausländische Konten gehen soll noch schwieriger und langwieriger. Wir wollen nicht tagelang warten bis die Überweisung geklärt und bestätigt ist. Sonntag läuft unser Visum endgültig ab und spätestens Samstag wollen wir beide hier weg sein.

Wir nehmen die einzig verbleibende Option unser Geld schnell zu bekommen - Bargeld. Das ist viel bedrucktes Papier, riskant obendrein solche Mengen mit sich herum zu tragen. Eigentlich wollten wir das vermeiden.

Nachdem das alles geklärt ist gehen wir mit den neuen Besitzern zum Italiener und verabschieden uns anschließend von unserem rollenden Heim. Es fehlt nur noch das Gruppenfoto mit den alten und neuen Besitzern.

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Alina streichelt Moby noch ein letztes Mal und dann ist er endgültig weg.

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Es ist seltsam, aber da wir seit 2 Wochen nicht mehr im Moby schlafen ist es dieses mal nicht ganz so sentimental wie mit Betsy, unserem australischen Camper. Am Abend ist meine Mailbox voll. Heute gab es 1 Mobyanruf und 5 Emailanfragen. Jetzt wo er verkauft ist kommen sie alle daher!

Nun sind wir wieder Fußgänger oder besser gesagt Radfahrer (auf Cathi und Ollies geliehenen Rädern). Schnell zurück in unser vorübergehendes Zuhause - Flüge für mich müssen gebucht werden. Ich finde einen am Samstag und es geht sich aus dass Alina und ich zusammen zum Flughafen fahren. Sie fliegt nach Frankfurt und ich nach ... ihr werdet es dann schon sehen. Wer mitraten will darf jetzt schon seinen Tipp abgeben (neugierige Familienmitglieder die bereits informiert sind dürfen nicht mitraten). Zu gewinnen gibt es eine Postkarte vom neuen Zielort für den/die ersten/e die es errät.

Moby weg, Alina weg und Rica, Fluffys Krokodilfreundin, hat Alina auch mitgenommen. Nur Fluffy und ich, eine Reise unter Männern, bzw. Mann und Koala. Wir melden uns dann bald aus...

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Eingestellt von Tom Travel 09:58 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (9)

Wo sind sie hin? Teil 2 (aufgelöst)

ja wo isser denn?

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Ok, für Alina ist die Frage ja schon im letzten Beitrag beantwortet - sie macht Urlaub in Deutschland. Dunkel und kalt - das ist doch mal eine interessante Abwechslung.

Ich musste nach ihrem Abflug noch vier Stunden in Miami auf meinen Flug warten.

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Es war schon ein komisches Gefühl als sie durch die Sicherheitsbarriere in den Abflugbereich verschwand.

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Heute vor der Abreise noch ein letzter Blick zurück vom Balkon und vom Hof unseres temporären zu hause hier in Florida.

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Wir haben uns einen Mietwagen für den letzten Tag genommen um zum Flughafen zu kommen. Trotz mehrfacher Reduzierung haben wir immer noch viel zu viel Gepäck.

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Seit 18 Monaten waren wir praktisch 24h/7d zusammen, abgesehen von einer kurzen Whisky-bedingten Zwangstrennung in Schottland im Mai. Nun muss ich mich alleine durchschlagen. Was fange ich nur mit der vielen Zeit an?

Mein Zielort empfängt mich mit perfekten 22° und strahlendem Sonnenschein. Ein Shuttlebus verkehrt zwischen Flughafen und Innenstadt, im Ticketpreis ist auch gleich das Taxi das mich direkt zum Hotel bringt mit drin. Da hatte ich gestern noch reserviert, allerdings keine Bestätigung bekommen. An der Rezeption erfahre ich durch einen höchst freundlichen Mitarbeiter dass sie für heute ausgebucht sind. Danach haben sie etwas frei. Ich sehe scheinbar hungrig aus, denn er fragt mich ob ich frühstücken will. Frühstück ist hierzulande eine sparsame Sache. Winzige Brötchen, Croissant mit Butter und Marmelade, Kaffee - mehr gibt es nicht. Für meinen leeren Magen reicht das aber erst mal.

Der nette Rezeptionist sucht mir ein anderes günstiges Hotel in der Nähe raus und ruft auch noch dort an um abzuklären, ob die etwas frei haben. Haben sie - perfekt! Ich mache mich auf den Weg. Vorgestern habe ich mir noch die Landeskarte auf unser Navi-Handy geladen, aber das mit der Navigation funktioniert überhaupt nicht. Entweder er kriegt keinen GPS-Empfang oder er zeigt 200m neben die Stelle wo ich eigentlich bin und positioniert sich ständig neu. Wenn das so bleibt ist das hier nutzlos. Gut dass ich noch eine oldschool Papierkarte habe, damit finde ich das andere Hotel. Das liegt in einer hübschen Gegend.

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Fast alle Botschaften finden sich hier. Im Bild oben ist die französische zu sehen.

Dort angekommen spricht keiner ein Wort englisch oder deutsch. Was kann so ein europäischer Typ mit Rollkoffer und Rucksack der vor der Rezeption steht schon wollen? Preise werden auf einen Zettel geschrieben, so geht es auch. Ich kriege mein Zimmer.

Später dann Abendessen - köstlich. Dazu Bier aus der Literflasche. Hier hat man offenbar ein unverkrampftes Verhältnis zum Alkohol und so kann ich mein Bier am Tisch im Freien an der Straße trinken. Aus einem Glas und nicht aus Pappbechern. Noch vor ein paar Monaten wäre mir das überhaupt nicht aufgefallen. Nach 6 Monaten USA fühlt es sich gut an wieder wie ein Erwachsener behandelt zu werden.

Ich bin allerdings viel zu früh dran. Vor 21 Uhr geht hier keiner zum Abendessen, in eine Bar geht man nicht vor Mitternacht und in der Disco läßt man sich besser erst ab 3 Uhr morgens blicken wenn man nicht alleine dort sein will. Ein Volk von Nachteulen.

Am nächsten Tag mache ich eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad. Hier ein paar Bilder davon damit das Raten leichter wird. Dieser Friedhof hier gehört zum touristischen Pflichtprogramm. Im Bild unten sieht man den Eingang und das bekannteste Grab. Ein Touristenmagnet und fast eine Wallfahrtsstätte für die Einheimischen. Na? Wessen Grab ist das?

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So, es gibt reichlich richtige Tipps. Ihr seid einfach zu gut. Jetzt brauche ich Adressen für die Postkarten. Wer eine will bitte senden an

ts(at)wizz-con.de

Eingestellt von Tom Travel 15:53 Archiviert in Argentinien Kommentare (13)

Buenos Aires

gute Luft

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Kuba war im Rennen, aber es gibt keine Flüge aus den USA dorthin. Bali hatte ich auch überlegt, das war aber zu weit weg. Argentinien ist es dann also geworden. Ich wollte schon lange nach Patagonien und Feuerland. Alina hatte bei der Idee immer das Gesicht verzogen - zu kalt!

Ich reise alleine und zur Zeit ist dort Hochsommer, das ist die Gelegenheit. Temperaturen gehen dort Nachts allerdings auch jetzt im Hochsommer auf 5° runter.

Zunächst habe ich noch eine Woche in und um Buenos Aires. Die Stadt ist praktisch leer. Wie Paris im August, jeder Porteno der es sich leisten kann fährt in Urlaub. Deswegen kann ich mit dem Fahrrad meine Stadtrundfahrten machen. Zu anderen Zeiten im Jahr ist das nicht zu empfehlen - der Verkehr soll zu jeder anderen Zeit mörderisch sein. Ganz ungefährlich ist es auch jetzt nicht. Als ich losfahre knallen schon an der ersten Kreuzung zwei Autos aufeinander.

Ich fahre zunächst durch das Viertel in dem sich auch mein Hotel und die ganzen Botschaften befinden - Palermo. Es erinnert mich an Schwabing. Kopfsteinpflaster, baumbestandene Straßen, viele kleine Parks und Straßencafes an wirklich jeder Ecke.

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Dann Richtung Süden nach Ricoleta. Hier finden sich viele der Museen und Grünanlagen. Ein deutscher Park ist auch dabei.

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In der Nähe findet sich auch ein Wahrzeichen von BA - eine mechanische Stahlblüte. Schließt sich angeblich abends automatisch.

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Wieder mal eine Gelegenheit zum Posieren für unseren Koala. Danach ins Zentrum entlang der breitesten Straße in Lateinamerika. 26 Fahrspuren. Auch hier viele Bäume, man sieht kaum wie breit die Straße hier ist.

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Zum Plaza de Mayo mit dem rosa Palast. Von Balkon auf der Rückseite des Gebäudes wurden wichtigen Reden gehalten. Es dürfte damit eines der wenigen Gebäude sein dessen Rückseite bekannter ist als die Front.

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und die Av. de Mayo hoch zum Kongressgebäude.

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In manchen südamerikanischen Großstädten kann man wegen der Luftverschmutzung manchmal nur raten was gerade für ein Wetter ist. Buenos Aires hat für eine Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern eine erstaunlich klare Sicht.

Nach den ersten beiden Tagen mit Radrundfahrten durch die Stadt mache ich 3 Tage nichts außer in meinem sehr netten Hostel abzuhängen. Ich hole mir Tipps für die weitere Reise von den Mitbewohnern. Mit der Wahl dieses Hostels habe ich scheinbar einen Glücksgriff gemacht. Alle die in BA andere Hostels probiert hatten sagen übereinstimmend hier sei es am gemütlichsten.

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Heute am Sonntag ist in San Telmo Markt. Eines der ältesten Viertel hier.

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Zusammen mit ein paar Mitbewohnern mache ich mich auf den Weg dorthin.

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Hier entlang der Av. Florida, zur Zeit leider eine Baustelle, sonst eine der schönsten Fussgängerpassagen in BA.

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In diesem Gedränge ist es wirklich schwer die Übersicht zu behalten.

Tango ist hier ein Lebensgefühl. Getanzt wird nicht nur abends und jedes Alter macht mit.

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Verkauft wird hier alles - es ist ein riesiger Flohmarkt mit dem üblichen Kitsch und Kram. Alina wäre in ihrem Element gewesen.

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Die Sicherheitslage ist hier ziemlich bedenklich. Zwei von drei meiner Begleiter wurden innerhalb der ersten Woche bestohlen. Kamera, Geldbörse - einmal kurz nicht aufgepaßt und weg ist es - viel schneller als man sich vorstellen kann.

Gestern abend hatten wir eine erregte Diskussion im Hostel bezüglich wie man reagieren soll wenn man überfallen wird. Die überwiegende Meinung war man soll kein Held sein und alles hergeben was man hat. Ich hatte eine abweichende Meinung und meinte man solle sich wehren, allerdings blieb bei mir die Frage offen wie ich in so einer realen Situation reagieren würde.

Nun, manche Fragen beantworten sich schneller als einem lieb ist. Schon am nächsten Tag bei meinem Ausflug nach Boca sollte ich die Antwort erhalten. Zum ersten Mal auf meinen Reisen wurde ich tatsächlich am hellichten Tag überfallen.

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Am falschen Ort zur falschen Zeit

Der Überfall

sunny 30 °C
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In diesem Beitrag gibt es keine Fotos, der Grund wird bis zum Ende klar.

Heute will ich in das letzte Viertel von BA. Das Viertel das als das unsicherste und gefährlichste gilt. Hier ist das Fußballstadion der Boca Juniors aber auch viele malerische Häuser der ärmeren Bevölkerung. Schön für Fotos und solange man sich auf den belebten Straßen bewegt auch in puncto Sicherheit kalkulierbar.

Das Wetter ist heute prächtig, perfektes Fotolicht. Ich nehme beide Kameras mit. Mit der großen Spiegelreflex will ich nur fotografieren wenn es mir wirklich sicher erscheint. Ein teures Gerät offen zu zeigen kommt einer direkten Aufforderung zum Raub gleich.

Mit dem Rad fahre ich durch Viertel die ich schon kenne. Palermo, Ricoleta, Microcentro, San Telme. Dann komme ich nach Boca und halte nochmal an, um mir auf der Karte genau anzusehen wie ich fahren möchte. Jeder hier sagt einem, man soll auf keinen Fall auf kleinen Nebenstraßen fahren - immer schön auf der Hauptstraße bleiben wo viel Verkehr und viele Menschen sind. Nach der Diskussion gestern abend will ich auf keinen Fall in der "falschen" Gegend landen.

Ich biege links ab und merke sofort etwas stimmt hier nicht. Die Häuser sind Ruinen, kaum Autos. Verdammt! Nur 100 Meter weg von der Hauptstraße und ich bin genau da wo ich überhaupt nicht sein wollte. Ich beschließe so schnell wie möglich zurück zur Hauptstraße zu fahren, aber es ist schon zu spät. Von beiden Seiten der Straße kommen junge Männer auf mich zu und blockieren den Weg. An den ersten drei fahre ich noch vorbei. Der Vierte stellt sich mir direkt vors Rad und ich fahre in ihn rein und stürze. Dabei schramme ich mir ordentlich Knie und Ellbogen auf.

Mir ist sofort klar - was nun kommt wird unerfreulich und schmerzhaft. "Give me your money!" Schreit er mich an. Damit bin ich gar nicht einverstanden. Ich habe zwar nicht viel Bares dabei, aber ich befürchte dass er nach dem Geld auch meine schöne Nikon haben möchte. Nun kommt die Praxis zur gestrigen Theorie: Wie verhalte ich mich bei einem Überfall?

Die anderen 3 haben mich mittlerweile eingeholt und jetzt bin ich von 4 Mann umstellt. Ich konzentriere mich auf den vor mir und verpasse ihm einen Fausthieb auf den Hals. Das hat geholfen, er setzt sich hin und spielt nicht mehr mit. Dummerweise sehe ich nicht was gleichzeitig hinter mir passiert. Ich spüre einen heftigen Schlag gegen Kopf, so dass mir schwarz vor Augen wird und ich zu Boden gehe. Als ich kurz darauf wieder zu mir komme, zerrt und reißt es an mir. Die anderen hätten gerne den Rucksack und die kleine Nikon die ich am Hüftgürtel trage. Der Rucksack hält, der Hüftgürtel nicht. Ergebnis: die große Nikon ist noch da, die kleine ist futsch. (mittlerweile die 6. Kamera in 18 Monaten die kaputt oder weg ist!) Ich springe wieder auf die Beine, aber da rennen die anderen 3 schon was das Zeug hält. Verfolgung zwecklos. Das Ganze hat keine 10 Sekunden gedauert.

Ich schiebe das Rad zur nächsten Ecke, da steht zufällig die Polizei. Ich berichte was gerade passiert ist und sie sind überrascht, dass ich mein Geld und die große Kamera noch habe. Ich gestikuliere dass ich mich gewehrt habe und vermute dass es daran liegt. Sie nicken zustimmend. Wir fahren zurück zum Tatort, aber die Täter sind natürlich über alle Berge. Etliche Zuschauer gab es für die Szene, aber eine Befragung ist zwecklos. Das teilt mir zumindest der Polizist mit. "Die halten alle zusammen, da redet keiner."

Jetzt nehme ich mir die Zeit mir mein Blessuren zu begutachten. Beide Knie, Knöchel und Ellbogen vom Radsturz demoliert. Die linke Gesichtshälfte tobt, ein paar Zähne fühlen sich locker an. Unterm linken Auge läuft Blut und ein Veilchen beginnt zu blühen. Geht eigentlich. Nichts ist wirklich dauerhaft beschädigt.

Da kann ich ja zu meinem eigentlichen Ziel weiter fahren - Carmenita. Bunt und hübsch - wunderbar für Fotos. Die gute Nikon habe ich ja noch. Damit wäre der lange und zwischendurch schmerzhafte Weg nicht umsonst gewesen. Wäre, wenn ich den Akku nicht vergessen hätte! Verdammt, da verteidige ich die Kamera wie ein Löwe und dann sind keine Batterien drin. Das ist wirklich nicht mein Tag heute. Nun gibt es in diesem Beitrag keine Fotos. :-(

Auf dem Rückweg habe ich ein neues Problem. Das Fahrrad ist im Handgemenge zwar nur leicht beschädigt worden, aber meine Brille ist zu Bruch gegangen. Ohne Brille kann ich die Straßennamen auf der Karte nicht lesen. Wie soll ich jetzt die 10 km nach hause kommen ohne wieder in die verrufenen Viertel zu geraten?

Ich frage einen herumstehenden Polizisten und lasse mir den direkten Weg zu einer der Haupstraßen nach Osten zeigen. Die fahre ich dann bis ich auf eine der großen Straßen im Microcentro treffe und biege nach Norden ab. Die Gegend kenne ich noch von früheren Erkundungen und finde so den Weg auch ohne Karte nach Hause ins Hostel. Mir reicht es erst mal von BA, morgen fliege ich wie geplant nach Patagonien.

Eingestellt von Tom Travel 12:48 Archiviert in Argentinien Kommentare (9)

Patagonien

Fango statt Tango

semi-overcast 20 °C
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Zunächst einmal möchte ich mich für die aufmunternden EMails und Kommentare, die meinem "Missgeschick" folgten, bedanken. Einen Arzt brauche ich wirklich nicht. Außer Kopfschmerzen, gegen die eine handvoll Ibus wunderbar helfen, habe ich keine Probleme mehr.

Nachdenklich macht mich, dass es nicht durch Leichtsinn, Gedankenlosigkeit oder Naivität passiert ist. Ich wußte sehr genau, dass diese Gegend übel ist, habe mich vorab erkundigt wo und wo nicht man sein darf und habe alles getan um eben nicht dort zu landen. Dann habe ich einen groben Fehler beim Kartenlesen gemacht - und wie es aussieht rächen sich solche Fehler hier mitunter sofort und drastisch.

Es ist anzunehmen, dass das nicht mein letzter Fehler war und ich hoffentlich nicht gleich beim nächsten Mal wieder unmittelbar die Quittung bekomme. Auf alle Warnungen einzugehen und alles zu vermeiden was ansatzweise riskant ist, ist keine Option - da könnte ich auch gleich abbrechen und nach hause fahren. Aber nun zu etwas Erfreulicherem - Patagonien:

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El Calafate liegt genau auf dem 50. Breitengrad, genau wie Frankfurt. Allerdings ist hier unten auf der Südhalbkugel so ohne Golfstrom ein wesentlich rauheres Klima. Bäume wachsen auf den Hügeln rundherum keine mehr - zu trocken.

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Die Stadt liegt am Lago Argentino und auf der gegenüberliegenden Seite sieht man auch jetzt im Hochsommer schneebedeckte Berggipfel.

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20° hat es als ich nachmittags ankomme - völlig normal hier um diese Jahreszeit. Viel kälter darf es nicht werden, denn ich habe so gut wie keine warme Kleidung dabei.

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Der Ort macht den Eindruck eines Wintersportortes.

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Viele Touristen, Souvenirshops. In den letzten 10 Jahren boomt hier der Wandertourismus.

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Die Haupstraße besteht überwiegend aus Hiking-Outfit-Läden und Tour-Operator-Büros.

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Touristen kommen allerdings nicht zum Skifahren. Die Attraktion ist der nahegelegene (70km entfernt) Perito Moreno Gletscher und das Wandern in den kahlen Hügeln rund um den See. Dem Gletscher geht es richtig gut, im Gegensatz zu seinen nördlichen Pendants schrumpft der nicht - er wächst sogar. Der Gletscher schiebt sich konstant in den Lago Argentino und man kann ihm täglich beim Kalben zusehen. Dieses eindrucksvolle Schauspiel kann man kaum wo auf der Welt so bequem erreichen wie hier. Aus über 70 Meter Höhe fallen riesge Brocken in den See. Das Spektakel werde ich mir in den nächsten Tagen mal ansehen.

Mein Hostel ist wieder ein Glücksgriff. Unfassbar nette Wirtsleute, alles sehr schlicht, aber blitzsauber.

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Da ich meine Ankunft angekündigt habe ist man vorbereitet. Auf meinem Bett findet sich eine handgeschriebene Begrüßungskarte und zwei Bonbons auf dem Kopfkissen - wie süß!
Frühstück am nächsten Morgen ist inklusiv und es gibt hausgemachte Rhabarber-Apfelmarmelade - meine Lieblingssorte. Rhabarber in Südamerika? Das war mir neu.

In den ersten Tagen mache ich nur kurze Wanderungen entlang den Lagunen um den Lago Argentino.

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Der Boden hier ist völlig aufgeweicht und ich falle prompt in einen Schlammgraben. Beobachtet wurde dieser peinliche Stunt nur von ein paar Pferden und jeder Menge Vögeln.

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Meine einzige lange Hose sieht aus wie nach einer Fangopackung. Die Schuhe nicht viel besser. So besudelt ernte ich auf dem Weg zurück durchs Dorf viele mitleidige Blicke.

Eingestellt von Tom Travel 10:45 Archiviert in Argentinien Kommentare (6)

Der Gletscher

Applaus fürs Kalb

sunny 20 °C
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Meinen ersten Gletscher will ich unbedingt bei allerbestem Wetter sehen. Wenn ich schon keine Kosten und Mühen scheue und ans andere Ende der Welt fahre, dann soll es auch 100%ig passen. Eines habe ich auf dieser Reise gelernt: Bei Naturschönheiten spielt das Wetter die wichtigste Rolle. Ein Bergmassiv oder ein Strand im Nieselregen oder auch nur bewölkt - das kann man vergessen. Eine Stadt hingegen kann man auch bei so-lala Wetter anschauen.

Das Warten hat sich gelohnt. Die letzten beiden Tage waren bewölkt und es ging ein eiskalter Wind. Aber heute ist es perfekt - T-Shirt-Wetter. Ich schließe mich einer kleinen Reisegruppe an und wir fahren eine gute Stunde bis an den Gletscher.

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Entlang am Lago Argentino ist es zunächst baumlose, menschenleere Steppe.

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Etwas weiter westlich, näher an den Bergen, kommen ein paar verhutzelte Bäume ins Bild. Gut geht es denen nicht. Die bekommen scheinbar gerade so viel Regen, dass es zum Überleben reicht.

Die Straße führt kurvenreich immer am See entlang. Nach einer letzten Kurve kommt dann der Hauptdarsteller des heutigen Tages erstmalig ins Bild.

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Eindrucksvoll, dabei sind wir noch 10 Kilometer weg. Die Luft ist heute so klar, man konnte auf der Fahrt bis Chile zum Torres del Paine Massiv sehen. Das sind über 100km Fernsicht.

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Der Perito Moreno ist nicht der größte oder älteste Gletscher, aber der mit der am besten erreichbaren Gletscherabbruchkante.

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So können auch weniger sportliche Naturliebhaber wie z.B. die Person auf dem Foto unten in den Genuss dieses Schauspiels kommen.

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Hier braucht es keine tagelangen Wanderungen mit Biwak, sogar mit dem Rollstuhl wäre es erreichbar.

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Nun wird mir auch klar warum es kalben heißt wenn so ein auto- bis hausgroßes Stück aus einer Gletscherwand herausbricht. Stundenlang steht man vor dem Berg (bzw. hinter der Kuh ) und wartet das sich was tut. Kamera (bzw. Geburtshelfer) griffbereit...und es passiert - nichts.

Um mir die Wartezeit zu verkürzen kommt unser australischer Freund mal wieder aufs Bild.

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Kaum dreht man sich mal kurz weg passiert es. Im Schnitt so alle 30 Minuten fällt was runter. Das größte Stück (Größe Doppelhaushälfte) bricht ab, als ich gerade endgültig aufgegeben hatte und auf dem Rückweg war. Hören kann man die Einschläge gut, das knallt wie eine Explosion. Das überwiegend argentinische Publikum applaudiert freudig. Die Argentinier applaudieren übrigens auch bei der Landung eines Flugzeugs. Das kannte ich bisher nur von deutschen Charterflügen.

Ein kleines Stück (so groß wie ein SUV) hatte ich zuvor doch noch mit der Kamera erwischt.

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Es geht gegen 7 Uhr und die Sonne kommt langsam weiter runter.

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Tipp an andere Fotografen: Vielleicht doch besser die Morgentour machen, dann hat man die Sonne im Rücken.

Auf den Rückweg dann ein Eisberg so groß wie ein Ausflugsschiff. Da wäre ich gern dabei gewesen als der runterkam.

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200 Fotos habe ich am Ende des Tages gemacht. Selten war die Auswahl für den Blog so schwer wie heute.

Eingestellt von Tom Travel 18:40 Archiviert in Argentinien Kommentare (3)

Mein Reisejubiläum

Schnarchverbot

sunny 20 °C
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Seit ich alleine reise buche ich meist die einfache Schlafsaal-Kategorie. Hier heißt das "dormitorio". Das sind dann 4-6 Betten in einem Raum mit gemeinsamen Bad. Das hat was von Berghütte oder Landschulheim. Man lernt auf diese Weise allerdings sehr schnell die Mitreisenden kennen.

Bisher hatte ich immer Glück, es war nie ein Schnarcher dabei. Meeresbrandung, Verkehrslärm, Züge, klappernde WalMart Einkaufswagen - das macht mir alles nichts beim Schlafen. Wenn aber einer in meiner Nähe schnarcht, dann ist es aus mit der Nachtruhe. Da bin ich sehr empfindlich - da hört der Spaß auf. (Vielleicht liest ein ehemaliger BT-Kollege diese Zeilen - er wird sich erinnern.)

So schön wie das Lautaro ist, vor zwei Nächten ist Michel aus Frankreich in meinem Dorm eingezogen. Etwas älter und nicht der Schlankste und - was abzusehen war - ein Schnarcher. Daher bin ich gar nicht so traurig als ich für eine Nacht das Hostel wechseln muss, weil im Lautaro alles ausgebucht ist. Wieder eine Nacht Ruhe zu bekommen ist verlockend. Von den ca. 50 Hostels hier in Calafate suche ich mir ein nahegelegenes aus. Dort haben sie 20 dormitorios zu je 6 Betten und in meinem Zimmer ist laut Chefin nur ein weiterer Gast. Prima! Ich lege mein Zeug hin und gehe zum Flamingo Reservat nebenan.

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Das liegt wieder mal am Lago Argentino, so richtig Lust zum Baden bekommt man aber nicht. Sieht kalt aus und ist kalt.

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Danach gehe ins Dorf zum Essen und auf 1-2 Bier. Als ich zurück komme ist es dunkel und mein Zimmergenosse schläft schon. Rücksichtsvoll wie ich nunmal bin mache ich kein Licht an und lege mich ins andere Bett. Es dauert keine 5 Minuten da geht die Sägerei los. Verdammt, nicht schon wieder! Nur einer mit im Zimmer und das reicht um mir den Schlaf zu rauben. Ich krame im Dunkeln nach den Oropax - die helfen auch nicht wirklich. Es fühlt sich an als ob der ganze Raum vibriert.

Zwischendurch schlafe ich immer mal kurz und wache dann wieder vom Geschnarche auf. Was eine üble Nacht. Ich bin froh als es endlich hell wird und schaue zu meinem Zimmerpartner. Das darf doch nicht wahr sein! Von all den Hostels im Ort, mit all den Zimmern...wer liegt neben mir? Michel, der Franzose! Er grüßt mich freundlich und ausgeschlafen. Klar, ihn hat ja keiner gestört. Mir reicht's, ich mache dass ich weg komme, bevor ich noch etwas sage dass die deutsch-französische Freundschaft stören könnte.

Ich bin ab sofort für ein Schnarchverbot in öffentlichen Bereichen, so wie beim Rauchen auch. Ich habe ein Recht auf eine Schnarch-freie Umgebung! Gibt es eigentlich Untersuchungen bezüglich der Gesundheitsgefährdung durch Passiv-Schnarchen? Wohl eher nicht. Gefährdet ist eher der Schnarcher, von seinem Bettnachbarn mit dem Kissen erstickt zu werden oder etwas auf den Kopf zu bekommen.

Auf dem Weg zum alten Hostel schau ich immer mal um und sehe ob er hinter mir her kommt. Im Lautaro angekommen erfahre ich dass sie nun wieder völlig ausgebucht sind. Keine Gefahr also dass er nach mir noch einchecken kann. Gottseidank. In meinem Zimmer sind heute nur junge, schlanke Reisende - bestens! Diese Nacht wird wieder ruhig.

Zur Zeit sind nirgends Ferien und so ist es eine sehr bunte Mischung an Leuten unterwegs. Neben vielen sehr jungen Leuten so 18-25 auch ein Paar aus Deutschland mit 4-Monate Baby, ein Paar aus Italien mit 2 Vorschulkindern. Woher nehmen Erstere das Geld und die mit-Kindern-Reisenden die Nerven?

Dann wären da noch drei französische Krankenschwestern (2 davon männlich - sagt man da dann Krankenbruder?) die 2000km mit dem Fahrrad von Mittel-Chile quer über die Anden bis hier runter gefahren sind und eine Engländerin die sich vorgenommen hat bis zum 30. auf allen 6 Kontinenten gecampt zu haben. Nächste Woche geht sie auf eine Tour zur antarktischen Halbinsel - ihr Ziel wird sie somit locker schaffen. Sie ist überhaupt ein ziemlich aussergewöhnlicher Typ Reisender. Monatelang allein als Frau durch Afrika, in Mozambique schwer an Malaria erkrankt. Wenn ich das alles so höre komme ich mir direkt langweilig vor.

Am nächsten Morgen fahre ich weiter nach Puerto Natales.

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Nur 6 Stunden mit dem Bus. Man könnte es auch in 5 schaffen, wenn die Grenze nicht wäre. Der Grenzübergang nach Chile ist für mich ein kleines Jubiläum, mein 50. Reiseland. Die Chilenen nehmen es sehr genau mit der Einfuhr von Obst, Gemüse und Tierprodukten. Nichts davon darf ins Land. Es beginnt eine Fressorgie vor dem Zollhaus. Für einige Reisenden kommt das überraschend. Sie versuchen so viel wie möglich von ihren Vorräte aufzuessen bevor sie konfisziert werden.

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Die Fahrt an die Grenze war fad. Sie wäre noch fader gäbe es nicht Felder voll blühender Margeriten, Kamille und Lupinen.

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Alle drei eingeschleppt aus dem Norden. Ohne die Blüten wäre es nur grau-grüne Steppe und grau-braune Hügel. Die beiden Blumenbilder unten sind aus dem Flamingo Reservat - so sah die Strecke nicht aus.

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Puerto Natales ist ein verschlafener Hafenort, erst recht heute am Sonntag. Eigentlich wäre wieder Rasiertag, aber ich setze das Experiment Vollbart fort - es sieht mich ja keiner der mich kennt.

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Kein Tourist würde sich hierher verlaufen, gäbe es nicht ähnlich wie in El Calafate etwas in der Nähe von dem es sich lohnt es anzusehen. Was dort der Gletscher ist hier das Torres del Paine Bergmassiv mit seinen imposanten Gipfeln. Ambitionierte Wanderer finden hier mehrtägige Touren, allerdings nur mit eigenem Zelt, Verpflegung und Schlafsack. Kann man alles hier im Ort leihen.

Das Wasser hier ist tatsächlich der Pazifik.

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Jedes Haus das nicht irgendwie mit Tourismus zu tun hat sieht jämmerlich aus. Hauchdünne Einfachverglasung, die Einheimischen sind im Winter nicht zu beneiden.

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Das Kulturzentrum, die Kirche, eine Reisebüro - das sind die Gebäude die noch am besten aussehen.

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Die Slowly Bar - stellvertretende für das hiesige Nachtleben

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Der Hund läuft etwas seltsam, aber ich kann bezeugen - er kam nicht aus der Bar.

Eingestellt von Tom Travel 14:12 Archiviert in Chile Kommentare (4)

Torres del Paine

Berge, Eisberge und schlaue Tiere

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Wie im letzten Beitrag bereits erwähnt ist der Torres del Paine Nationalpark ein Paradies für Wanderer. Ich meine für richtige Wanderer. Das große "W" zu gehen ist für Patagonienwanderer das was der Old Course in St. Andrews für Golfer ist. 5-7 Tage und Nächte frieren bei Wind und Wetter, Blasen an den Füßen - an so etwas haben die großen Spaß.

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Diese Art von Spaß ist nichts für mich, das mir ist das zu anstrengend. Außerdem habe ich nicht die richtigen Schuhe dabei. Ich wähle die bequeme, man könnte sagen die US-amerikanische Variante der Besichtigung. Ich mache eine Tagestour mit Minibus zu einigen interessanten Aussichtspunkten. Wieder mal habe ich einen perfekten Tag zum Fotografieren erwischt.

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Dieser Verrückte ist aus Deutschland - wer genau hinsieht kann das Nummernschild lesen.

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Unterwegs gibt es eine Höhle mit Resten eines Riesenfaultiers. Gibt es etwas Langweiligeres? Säbelzahntiger oder von mir aus Wollnashorn - okay, aber ein seit 15.000 Jahren totes Faultier? Ich bleibe draußen und spare mir den Eintritt, dafür kaufe ich mir heute abend lieber zwei Bier.

Dann das Bild, dass sich praktisch als Cover auf jedem Chile-Reiseführer findet. Die 3.500-Meter-hohen Torres del Paine. Übersetzt - die hellblauen Türme. Bergeinsamkeit pur.

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Doch nicht so einsam. Jede Menge Leute und sogar Koalas treiben sich hier herum.

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Für den Nationalpark-Eintrittspreis von 40$ bekommt man eine Broschüre. Darin wird dem geneigten Leser die einheimische Flora aund Fauna näher gebracht. Äußerst lehrreiche Informationen wie z.B.: "Der Hase hat ein bräunliches Fell, am Bauch heller. Er hat lange Beine und lange Ohren." Das war doch den Eintritt wert.

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Es gibt hier durchaus interessante Tierarten. Nandus und Guanakos zum Beispiel. Guanakos sind ähnlich schlau wie ihre australischen Kollegen, die Kängurus. Ihr Gehirn kennt 3 Programme: Fressen, Wiederkäuen und vor-Autos-springen. Pullover aus ihrer Wolle haben etwa den selben IQ wie die ursprünglichen Besitzer des Pelzes. Die Nandus scheinen auch nicht viel heller auf der Platte.

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Hohe Intelligenz scheint in extrem abgelegenen Gegenden nicht notwendig zu sein oder zumindest nicht von Vorteil.

Die Tour führt um die Berge herum auf die andere Seite. Da ist es jetzt aber einsam.

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oder auch nicht

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Wir kommen zu einem Wasserfall und werden vom Wind fast über die Kante geweht.

Später am Tag sind wir an einem Strand mit Kieselsteinen, die vom Wind hochgeschleudert werden. Ich kenne mich mit Windstärken nicht aus aber vielleicht kann mir einer der Leser sagen um welche Windstärke es sich dabei handelt.

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Mittagspause am Lago Grey

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Bis dahin könnte man sagen: "Boah, wie langweilig. Hohe Berge haben wir auch in den Alpen" (oder in der Eifel)
Aber das gibt es dort nicht - Eisberge!

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Die kleinen schwarzen Punkte sind übrigens keine Vögel oder Ameisen, das sind Wanderer. Da kriegt man mal ein Gefühl für die Dimensionen mit denen man es hier zu tun hat.

Kleine Eisbrocken werden ans Ufer geschwemmt.

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Von einer Halbinsel aus kann man nahe an die Eisberge heran.

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Einer kriegt überraschend gerade ein Kalb.

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Ganz im Hintergrund sieht man den Grey-Gletscher von dem diese Berge stammen.

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Eigentlich wollte ich am nächsten Tag weg aus Chile, aber dann habe ich ganz spontan beschlossen auf dem Lago de Grey Kajak zu fahren. Diese wunderschönen Eisberge noch näher zu sehen kann ich mir nicht entgehen lassen. Die Tour ist mit Führung und alles ist inklusiv - dieses Rundumpaket kostet dann aber auch entsprechend.

Wir fahren zum Startpunkt am Lago de Grey. Gleich gibt es mal eine Stärkung, denn das erste Stück geht gegen Wind und Strömung zu den Eisbergen im Hintergrund.

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Die Ausrüstung ist hervorragend, trotz 5° Wassertemperatur und ordentlich Spritzwasser im Gesicht hat es mich damit den ganzen Tag nie gefroren.

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Nach dem ersten anstrengenden Stück Pause auf einer Kiesbank für Fotos. Während dem Kajaken ist an Fotografieren nicht zu denken. Man kann nicht aufhören zu paddeln sonst treibt man sofort retour.

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Dann mit der Strömung flußabwärts 15km bis zur nächsten Rast. Mittagspause.

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Nach 23km sind wir am Ziel und endlich kommt auch mal die Sonne raus. Ich bin froh die Fototour gestern gemacht zu haben.

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Eingestellt von Tom Travel 17:06 Archiviert in Chile Kommentare (8)

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