Reise blog von Travellerspoint

Piratenhöhle zum Geburtstag

Alina hat's vergessen

sunny 29 °C
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Vorgestern abend sagte ich noch zu Alina "In 3 Stunden habe ich Geburtstag", sie schien nicht besonders interessiert. Morgens sagte sie auch nichts und irgendwann Mittags stritt sie sich mit unserem Guide, denn er meinte heute ist Donnerstag und sie behauptete es ist Mittwoch. Als der sie mit sein Mobiltelefonkalender überzeugte hörte ich nur ein entsetztes Quieken. Dann ein "Oh, alles Gute zum Geburtstag Schatz, ich dachte morgen ist Donnerstag."

Mein Bartkalender funktioniert nicht immer so hundertprozentig. Ausserdem ist sie schon wieder erkältet und muss bei der Hitze mit Schal rumlaufen. Sie hat aufgesprungene Lippen und lächelt seit Tagen nur mit halber Power gequält in die Kamera. Das alles soll ich als mildernde Umstände gelten lassen. Das beste Geschenk, das sie mir machen konnte, ist meinen Geburtstag zu vergessen - jetzt habe ich was gut. ^^

Aber sie hat einen Bonus, seit Tagen plante sie mein Geschenk in Singapur, da sie es mit mir absprechen musste, ist es für mich keine Überraschung mehr. Aber für die Leser wird es eine. Mehr dazu am 11 bzw 12.10. Ich bedanke mich bei Alina und ihren Eltern jetzt schon. Ein Shirt mit dem Tasmanischen Teufel gab es außerdem. Das schleppt sie seit Bali mit, soll ich betonen. Das werden wir zusammen mit Fluffy nach Tasmanien bringen.

Also was gab es am meinem Geburtstag? Viele Höhlen mit Gräbern, Felsen mit Gräbern und Bäume mit Gräbern. Cooles Programm für einen Geburtstag.

So viele Höhlengräber, dass Alina schon den Guide gefragt hat, ob sie hier vielleicht auch leere Höhlen haben. Redundante Frage - natürlich nicht! In jedem Loch stecken hier Knochen. Tana Toraja sollte man echt als Honeymoon-Destination für Grufties vermarkten.

Hier werden die wichtistgen Toten in in den Felsen gemeisselten Höhlen abgelegt.

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Davor stellt man eine mehr oder weniger schöne Holzpuppe auf, um dem Toten zu gedenken. Nicht jeder hat das Privileg, nur wer richtig wichtig war und es sich leisten kann zu seiner Beerdigung mindestens 24 Büffel schlachten zu lassen. Wer das nicht hinkriegt bekommt keine Puppe - da sind die hier knallhart.

24 Büffel - wie viel ist das in €? Ein Büffel kostet zwischen 1500- 2500€ haben wir heute auf den Viehmarkt gelernt. Spekulanten aufgepasst! Wasserbüffel sind inflationssicher. Soll mal einer sagen Bloglesen lohnt nicht!

In der ersten durchlöcherten Felswand die wir besuchen, wurden die Könige abgelegt. Sind etliche gewesen, die Holzpuppenloge ist gut besetzt.

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In den Shops darunter haben wir diese nette Puppe gefunden die sagt doch alles oder? ^^

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In der Umgebung flattern ausgesprochen große und hübsche Falter.

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Dann kommen wir zu einer natürlichen Höhle - sieht aus wie eine Piratenhöhle -Fluch der Karibik Teil V? Nein, hier ruht das gemeine Volk (die mit wenigen oder keinen Büffeln)

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Schon lange außer Betrieb, heute werden die Normalos beerdigt wie bei uns. Die Särge an der Decke krachen irgendwann von ihren Gestellen und dann kommt jemand von der Familie und macht liebevoll Häufchen von dem was so auf dem Boden verstreut übrig ist.

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Zum Schluß noch ein Baum der als Babygrab dient. Ich weiß nicht recht ob ich diesen Brauch gruslig oder schön finden soll. Es wird ein Loch in den Baum geschnitzet und Kinder, die sterben bevor sie Zähne kriegen kommen da rein. Es wird provisorisch veschlossen und im Lauf der Jahre umwächst der Baum die Aussparung und schließt das Loch wieder. Die Einheimischen glauben so leben die Babys im Baum weiter und werden von der milchigen Baumflüssigkeit ernährt.

Ein neuer Tag und - ihr habt es vermutet - wir fahren zu einer Beerdigung. Die Dame die beerdigt wurde ist immerhin 90 geworden, aber wohl nicht so reich wie die andere bei der wir waren, die Beerdigung ist viel kleiner. Sie musste auch 1 Jahr warten bis zur Beisetzung, denn die Familie musste sparen. Für eine Holzpuppe wird's schon reichen.

Uns reicht es schon lange. Andere Touristen, die mit uns beiwohnen dürfen, sind immer noch begeistert am knipsen. Unser Enthusiasmus hält sich in Grenzen und sinkt unter Null, als aus einem großen Faß gekochter Büffel zum Mittag serviert wird. Wie können wir diese Einladung nur ablehnen ohne die Gastgeber zu vergrätzen? Plötzlich fällt mir ein, daß ich Probleme mit dem Magen habe und ich lehne mit dieser Begründung ab. Zur Not wäre ich auch blitzartig zum Hinduismus übergetreten, womit der Verzehr von Rindfleisch mit meiner Religion nicht vereinbar wäre. Auch das hätte gegolten.

Schon der Gestank von diesem gekochten Fleisch macht mich satt für Tage. Um das zu essen (und drin zu behalten) müßte ich schon dem Hungertod sehr nahe sein. Wir lauschen dem Singsang des Pfarrers noch eine Weile, dann reicht's uns endültig. Weg hier!

Ab zum Markt ein paar Büffel kaufen. Super fürs Handgepäck! Auf dem Wochenmarkt kann man verschiedene Formen des Schweinetransports bewundern. Zu Fuß braucht hier kein Schwein gehen.

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Am Markt angekommen dürfen sie gleich liegen bleiben - sieht ein wenig aus wie an der italienischen Adria im August.

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Natürlich auch Büffel - weiß-gefleckt sind die Teuersten. In der Sonne rosa geworden wegen Sonnenbrand, zählt aber auch als weiß.

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Die mit den Hörnern nach unten sind ebenfalls rar und teuer.

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Die mit den ganz langen Hörnern sind Ochsen. Bei kastrierten Büffeln wachsen die Hörner nämlich weiter. Die Größe scheint doch zu zählen, was hinten fehlt, gleicht er vorne aus.

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Natürlich gibt es auch einen anderen Markt, da gibt es Gemüse, Tropische Früchte, und anderen Krimskrams. Wieder sehr verlockend, hier wird das Fleisch und die Fische an der Straße getrocknet. Hmm das duftet. Seid froh dass es noch kein Duft-App gibt. Noch so ein paar Tage und wir werden Vegetarier.

Auch schön neben dem Trockenfisch werden Schuhe verkauft. Da hat jeder mit Stinkfüsse eine gute Ausrede. "Nee, sind nicht meine Füße hab die Schuhe am Fischstand gekauft."

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Eingestellt von Tom Travel 07:38 Archiviert in Indonesien

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Kommentare

Gerade lese ich in meinem Dumont, das die Toten die Reise nach Puya antreten. Umso mehr Schweine und Büffel für sie geopfert werden, umso mehr Geltung werden sie im Jenseits erreichen. Die Toraya sind ja wirklich besorgt darum das es ihren Verwandten im Jenseits besonders gut geht.
Ich glaube bei den Massen an Zeremonien wuerde ich nach wenigen Stunden auch zum Vegetarier werden ;-)
Viel Spass noch...

von Didier

Ihr habt anscheinende in den letzten Tagen die Erfahrung gemacht, die Paul McCartney wie folgt ausdrückt:

Paul McCartney: "Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde jeder zum Vegetarier".

oder Leo Tolstoi:
Tolstoi hatte seine Tante, die eine passionierte Fleischesserin war, zu sich eingeladen. Sogleich nach ihrer Ankunft führte er sie ins Esszimmer, wo sie den Truthan lebend auf ihrem Teller gebunden vorfand. Er sagte zu ihr: «Umbringen musst du ihn schon selber, wir haben es nicht übers Herz bringen können.»

von Evi

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