Reise blog von Travellerspoint

Fazit Südamerika

6 Monate durch den Kontinent

all seasons in one day 15 °C
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In 6 Monaten komplett von Süd nach Nord durch diesen Kontinent, Zeit für ein persönliches Fazit.

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Zwei Dinge haben mich überrascht: hoch und kalt ist es hier. Atemnot und Frieren sind die Folge. Zuerst denkt man bei Südamerika doch an Samba und heiße Nächte. Dass sich das für mich nicht so bestätigt hat, liegt wohl daran dass ich Brasilien nur ganz im Südwesten angeritzt habe. Geschwitzt habe ich nur die letzten 2 Wochen an der kolumbianischen Karibikküste.

Ich habe es vor dieser Reise schon geahnt, nun weiß ich es mit Gewissheit: Berge sind an mich verschwendet. Schwer zugänglich, zumeist steil, anstrengend und immer kalt. Ich gebe es zu, ich habe es gerne warm und bequem. Wenn schon Berge – dann die in den USA oder Europa mit Komfort!

Wandern ist nicht mein Ding. Das ist was für Kegelclubs und Pfadfinder. Hier trifft man so häufig wie nirgends in der Welt junge Leute die leuchtende Augen bekommen, wenn sie von ihren Touren erzählen. Den Inka Trail in Peru, das große "W" in Torres del Paine – das muss man einfach "machen". Ich nicht. Ich habe auch nicht die coole (sagt man das heute noch?) Fjellraven-Northface-Jack Wolfskin-Gore-Tex Ausrüstung mit atmungsaktiven Links-Rechts-Socken mit Druckpolstern und Daypackrucksack mit integrierter Wasserflasche und Trinkschlauch. Nicht dass diese Touren billig wären. Für die mehrtägigen, geführten Touren sind durchaus auch mal ein paar Hundert Euro fällig.

Ich habe überlegt warum ausgerechnet hier, wo es so teuer ist, so viele Wanderfreaks unterwegs sind und nicht in anderen, möglicherweise ebenso interessanten, billigeren, bergigen Wandergebieten. Die Alpen sind wohl nicht weit genug weg für die überwiegend europäische Kundschaft. Da ist der Imagegewinn zu gering. Hiken in den Anden in der Fitzroy Range klingt doch viel besser als Wandern in den Dolomiten. Die Rocky Mountains liegen weit weg in den USA, sind auch schön, aber schwer zu erreichen. Hier in Südamerika fahren überall Busse - außer in Argentinien - auch sehr günstig. Mietwagen sind in den USA unter 25 sehr teuer, dieses Mindestalter haben viele der jungen Wanderfreunde nicht. Öffentlicher Transport in den USA ist außer zwischen den Metropolen quasi nicht-existent. Das erschwert den Zugang zu den Nationalparks für junge Reisende.

Um seine Sicherheit sollte man in Südamerika jederzeit und fast überall besorgt sein. Raub und Diebstahl sind an der Tagesordnung. Von Überfällen mit Waffengewalt habe ich in Buenos Aires, Kolumbien, und Peru von direkt Betroffenen gehört bzw. selbst erlebt. Argentinien scheint mir auf dem Weg in die falsche Richtung, in anderen Ländern nimmt die Gewaltkriminalität eher ab. Peru und Kolumbien sind sehr weit davon entfernt sichere Reiseziele zu sein.

Musik: Die südamerikanischen Rhythmen höre ich zwar gerne, leider bin ich ein völlig unbedarfter und unbegabter Tänzer und es bleibt beim Zuhören. Ich kann gut verstehen, dass die Musik und das Tanzen in den Nachtclubs der großen Städte für manche Grund genug ist herzukommen.

Archiktektur und Kultur: Ja, ich habe es begriffen – die Spanier waren hier. Gebaut haben sie auch und trotz vieler Erdbeben ist noch eine Menge davon übrig. Weiße Stadtzentren und Kirchen im Kolonialstil – wie viele will man sehen?

In Argentinien war ich am längsten und es war die größte Enttäuschung. Zu teuer für das Gebotene. Riesige Entfernungen, teure Busse und Flüge – die Sehenswürdigkeiten im globalen Vergleich nicht wirklich überragend. Andere Regionen haben da mehr zu bieten. Das Essen, auch für mich als Fleischfreund, fad und langweilig. Gutes Fleisch wird ohne Soßen oder interessante Gewürze zubereitet. In Restaurants wurde ich angesehen wie ein Außerirdischer wenn ich nach Pfeffer gefragt habe. Ganz oben im Norwesten wurde es diesbezüglich besser. Seltsamerweise ist das die Gegend, die die wenigsten Touristen abbekommt. Alle wollen nach Patagonien und Tierra del Fuego – die langweiligste Gegend, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.

Bolivien hat mich positiv überascht. Viele Reisende die ich unterwegs getroffen habe, haben geschwärmt davon. Meiner Meinung nach zu Recht. Das Essen hier lecker, vielfältig und endlich auch mal scharf gewürzt. Viel zu unternehmen, die Entfernungen nicht zu groß. Busse und Flüge günstig. Es ist das einzige Land hier in S-Amerika in das ich sofort noch einmal fahren würde.

In Uruguay und Paraguay war ich nur kurz, aber ich denke auch bei einem längeren Aufenthalt hätte ich dort nichts für mich gefunden.

In Chile und Brasilien gäbe es vermutlich etwas zu entdecken. Von den Reisekosten liegen diese beiden Länder so hoch, dass ich mir einen längeren Aufenthalt verkneifen musste.

Peru, die zweite große Enttäuschung. Vielleicht hätte ich mir Cusco doch ansehen sollen. Oder die Nazca Linien. Berge, Wüste, langweilige Strände. Da war echt nichts dabei für mich. Der Colca-Canyon – angebliche tiefster Canyon der Welt – was für eine Lachnummer gegen den Grand Canyon! 30$ Eintritt dafür? Frechheit! Die Straße von Pasto nach Popayan in Kolumbien bot bessere Aussicht – kostenlos!

Am meisten überrascht hat mich Ecuador. Es ist kaum zu fassen wie weit es dieses Land in den gut 20 Jahren gebracht hat seit ich zuletzt hier war. Da kann man sehen was man mit Geld erreichen kann. Seit die Regierung den Profit aus dem Öl im Land behält geht es steil bergauf. Galapagos, eines von 2 persönlichen Mega-Highlights in Südamerika (die Iguazu Fälle waren das andere). Für Tierfreunde und Taucher ein Paradies. Auch ohne super-teure Kreuzfahrt sehenswert und durchaus bezahlbar.

Kolumbien, ein wirklich schönes abwechslungsreiches Land mit den freundlichsten Einheimischen auf dem Kontinent. Karibik-Strandurlaub sollte man allerdings nicht erwarten. Wenn die dort die Probleme mit den Entführungen im Grenzgebiet, den Busüberfällen und nächtlichem Straßenraub in den Griff kriegen, jederzeit eine Reise wert. Ich möchte in diesem Land noch einiges sehen, aber bis das Sicherheitsproblem einigermaßen geregelt ist bleibe ich weg.

Meine ohnehin schon niedrige Meinung über Reiseführer ist noch weiter gesunken. Dort zu findende Informationen sind zum Teil veraltet und nutzlos – das war mir bekannt. Sehr ärgerlich finde ich allerdings, dass praktisch alles was es in einem Land zu sehen gibt als gleichermaßen sehenswert dargestellt wird. Nie heißt es: "Völlig überschätzt, überlaufen, überteuert – bleib weg!" Da kann man versuchen zwischen den Zeilen zu lesen wie man will, erst nachdem man selbst hingefahren ist stellt man fest ob es einen interessiert hat oder nicht. Die besten Tipps bekommt man immern noch von anderen Reisenden.

Als Faustregel hier gilt: Alles was sehenswert ist kostet richtig Geld oder viel Zeit und Geld (weil schwierig zu erreichen). Alle Länder haben begriffen wie einfach sich Ausländer melken lassen. Sobald man etwas unternehmen will das nur Touristen tun, zahlt man Preise wie in Europa - oder sogar mehr. Touren und Eintrittspreise sind oft gestaffelt. Nicht-Lateinamerikaner zahlen am meisten, Einheimische nur einen Bruchteil. Ich stelle mir den Aufschrei vor wenn die Betreiber von Neuschwanstein von Japanern und Amerikanern 20€, von Italienern 10€ und von Deuschen 2€ verlangen würden.

Sorry Amigos, bei der starken Konkurrenz durch Angebote die ich auf anderen Kontinenten gesehen habe, landet für mich Südamerika auf dem letzten Platz.

Eingestellt von Tom Travel 13:54 Archiviert in Kolumbien

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Kommentare

Juhu ihr zwei...wir planen auch ne kleine Reise über 12 Monate und jetzt wird erstmal bei euch gelesen.

Wieder mal in Deutschland?

LG Sven und Julia

von Freundin vom Sven

Heute in einer Woche bin ich wieder in München - allerdings nur für 1 Tag - dann soll es weiter gehen.

von Tom Travel

Bin zufällig auf den Blog gestossen und verfolge Ihn nun schon seit einiger Zeit. Wann seit ihr denn wieder zu zweit unterwegs?

von Conny

Hallo lieber Thomas und Alina, wir haben uns vor ca. 5 Jahren in Laos kennengelernt, Wir habe zusammen morgens um 6 auf dem Jeep im kalten Fahrtwind von Vang Vien nach Vietian gesessen. Ihr zwei habt mich dann zum Essen an der Promenade am Mekong eingeladen. Ihr seit weiter nach Vietnam geflogen.
Ich bin seitdem auch immer noch viel in die Ferne gereist und mein letzter Trip ging auch nach Südamerika. Ich habe leider auch die gleichen Erfahrungen dort gemacht, habe aber nach 2 Monaten schon das Handtuch geworfen und bin nach Hause geflogen. <sicherlich hatte ich im Kopf exotischere Vorstellung von Südamerika, daher die Enttäuschung. Das es gefährlich ist hatte ich gelesen, aber es vor Ort zu spüren war irgendwie daneben. Egal, ich war dort (auch am teuren Machupicchu). Hoffentlich machen andere Reisende andere Erfahrungen als ich dort
.
Mein Platz für Euch /Dich hier in Berlin ist immer noch im Angebot, vielleicht klappt es auf dem Europatrip. Weiterhin eine gesunde und erlebnisreiche Reise. ELLE aus BERLIN

von elle Gerber

Hallo Elle, schön wieder etwas von dir zu hören. Na klar erinnern wir uns noch an dich. Alina und ich reisen seit Januar nicht mehr zusammen. Ich werde noch bis 2015 auf Achse sein. Ich würde mich freuen wenn du meinen neuen Blog weiter verfolgst. Am Ende dieses Blogs ist der Link zum Neuen. vlg Thomas

von Tom Travel

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