Reise blog von Travellerspoint

auf nach Kolumbien

Paranoia von Pasto bis Popayan

sunny 22 °C
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[Vorsicht viel Text!]

Ich bin von Galapagos nach Quito geflogen. Eigentlich wollte ich noch am gleichen Tag weiter nach Kolumbien, denn Quito habe ich in schlechter Erinnerung und will davon nicht mehr sehen als ich bereits kenne. Daraus wurde wieder mal nichts. Bis ich endlich mein Gepäck habe und draußen bin ist es schon zu spät zum Weiterreisen. Ich will die Strecke nach Norden nicht in der Nacht fahren, nach Sonnenuntergang habe ich von zu vielen unangenehmen Dingen gehört die auf den Strecken im Grenzgebiet zu Kolumbien passieren.

Was soll's, ich habe ja Zeit und mir aus dem Reiseführer ein nettes Hostel in der Altstadt ausgesucht. Der neue Flughafen liegt jetzt weit nördlich der Stadt und es dauert über eine Stunde bis ich endlich dort bin. Ich habe keine Reservierung (weil ich ja ursprünglich gar nicht hier über Nacht bleiben wollte) und es ist alles voll. Im zweiten Hostel dass ich versuche erlebe ich eine Überraschung. An der Rezeption steht Nele, eines der drei belgischen Mädels mit denen ich vor Wochen in Bolivien in der Salzwüste war. Wie wahrscheinlich ist dass denn unter all den Hostels in Quito ausgerechnet hier jemand Bekannten zu treffen? Das Wiedersehen dauert nur kurz, denn auch hier ist alles voll. Im dritten Hostel dann endlich ein freies Bett für mich.

Mittlerweile ist es schon lange dunkel und ich habe noch nichts gegessen. Im Viertel sieht es chaotisch aus. Die Gehwege sind überall aufgerissen, weil gepflastert wird. Viel Laternenbeleuchtung gibt es nicht. Seit dem Überfall Buenos Aires bin ich nicht mehr der Selbe. Da steht wieder ein Dutzend Jugendlicher an der Ecke wo ich vorbei muss, mir ist nicht wohl in der Haut. Eine einfache Sache wie abends etwas Essen gehen wird zur pulssteigernenden Aktivität. An diesem Abend ist nichts passiert und ich komme mir dumm und paranoid vor, als ich wieder heil im Hostel bin.

Trotzdem habe ich keine weitere Lust auf diese Stadt und suche mir ein Ziel auf halbem Weg zur Grenze - Otavalo. Bekannt für seine gut erhaltenen Kolonialbauten. Jikes! - schon wieder weiße Häuser aus dem 17.Jh. Ich habe spätestens seit Salta ein Überdosis davon. Heute ist Montag, der blödeste Tag um nach Otavalo zu kommen, denn normal kommt man hier am Wochenende her wenn Markt ist. Der Hauptplatz hier heißt ausnahmsweise mal nicht Plaza Bolivar sondern Plaza de Poncho.

Poncho habe ich mir dann keinen gekauft, aber etwas anderes dass es nur in Ecuador gibt - einen Panama-Hut. Kurz darauf bereue ich den Kauf auch schon wieder. Schön ist er schon der Hut, aber unpraktisch und empfindlich. Den kann man nirgends einpacken. Ob ich den heil heim bringe ist sehr fraglich.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück geht es um 8 Uhr weiter. 450km nach Popayan in Kolumbien. Gedacht als angenehme Tagesetappe. Googlemaps sagt 6 Stunden, der Reiseführer sagt 8 Stunden. Es wird der längste Bus-Tag meiner Reise. Zur Grenze dauert es für 130km schon mal 3 Stunden statt 2. Da es keine Busse gibt die über die Grenze fahren muss ich 2 mal ein Taxi nehmen und ein Stück zu Fuß bis ich auf der anderen Seite am Busbahnhof bin.

Wegen einem Radrennen ist die Strecke bis frühen Nachmittag gesperrt und mein Bus nach Popayan kann erst um 2 Uhr los fahren. Ich rechne im Kopf die 6 Stunden dazu und denke mir: "Na gut dann kommst halt kurz nach Dunkelheit an". Ist schade, denn die Strecke zwischen Pasto und Popayan ist traumhaft. Meienr Meinung nach die spektakulärste Bergstrecke, die man mit einem normalen Linienbus fahren kann. Ich sitze auf der falschen Seite (links) und habe keinen Fensterplatz. So sehe dieses Mal ich leider nur wenig von der fantastischen Landschaft.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit hält der Bus an einem Rasthaus an. Eine Stunde Essenspause. Ich würde lieber weiter fahren, so komme ich erst um 9 an. Nach dieser Unterbrechung kaum losgefahren, schon wieder ein Halt ohne ersichtlichen Grund. Der Fahrer stellt den Motor ab. Was ist den nun schon wieder los? Einige Passagiere und ich steigen aus. Wir stehen vor einer Polizeisperre. Stimmt wieder was mit den Papieren des Fahrzeugs nicht? Das hatte ich ja auch schon.

Ich frage den Fahrer warum wir halten. Er erzählt etwas von Konvoi. Häh? Wozu dass denn? Dann dämmert es mir und mir fallen die Geschichten wieder ein, die ich in Ecuador bezüglich der Panamericana zwischen der Grenze und Popayan gehört habe. Mit MPs bewaffnete Banden stoppen nachts des öfteren Busse und rauben die Insassen bis auf die Unterhosen aus. Das war der zweite Grund (außer der schönen Landschaft) warum ich hier nicht im Dunkeln unterweg sein wollte.

Die Polizei hat dafür eine Lösung. Nicht Patrouillen oder Eskorten, das wäre zu gefährlich, denn da müssten sie sich ja selbst mit den Ganoven herumschlagen. Viel sicherer (für die Polizisten) ist es, wenn man die Busse in 4-er-Konvois alleine durch das gefährliche Gebiet fahren lässt. In unserem Fall dauert es fast 2 Stunden bis endlich genug Busse beinander sind und es weiter gehen kann. Mein Sicherheitsgefühl hat sich durch diese polizeiliche Maßnahme nicht verbessert. Die restlichen Stunden bis Popayan spähe ich durchs Fenster um möglichst rechtzeitig zu sehen wenn eine Straßensperre der Banditen auftaucht. Was ich dann tun oder ändern könnte wüsste ich auch nicht, aber ich will es halt so früh wie möglich wissen wenn wir überfallen werden.

Paranoia2.jpg
[Nein, ich bin nicht paranoid, aber das heisst nicht dass sie nicht hinter mir her sind!]

Langsam habe ich echt die Schnauze voll von Südamerika und wünsche mich zurück nach Asien. Dort kennt man das nicht. So etwas kann einem echt den Reisespaß verderben.

Um 11 Uhr nachts kommen wir endlich in Popayan an. 15 Stunden war ich nun unterwegs bis hierher. Wenigstens habe ich dieses Mal eine Reservierung fürs Hostel. Wenn man so spät ankommt ist das auch absolut ratsam und hilfreich. Ich sage dem Taxifahrer am Busbahnhof den Namen und die Adresse - hat er noch nie gehört. Ich frage den Zweiten - der weiß auch nichts. Egal, ich habe einen Stadtplan, die Adresse und werde ihm sagen wie er fahren soll.

Nicht so einfach, die Hausnummer gibt es irgendwie nicht und die Markierung auf der Karte scheint auch nicht zu stimmen. Nachdem wir vier Mal um den Block gefahren sind, wird es mir zu dumm und ich steige aus. Zu Fuß kann es ja nicht mehr weit sein. Mittlerweile ist es nach Mitternacht und die Straßen menschenleer. Keine gute Idee mit allem Reisegepäck um diese Zeit zu Fuß unterwegs zu sein.

Auch dieses Mal geht alles gut. In einer Art Fußgängerzone 200m weiter finde ich die Adresse. Kurz einchecken und sofort ins Bett. Für heute reicht es mir.

Das Hostel liegt direkt am historischen(!) Marktplatz im spanischen Kolonialstil(!). Ich bin wenig interessiert an der Aussicht und Umgebung, aber es gefällt mir hier im Hostel so gut, dass ich gleich mal 2 Nächte bleibe. Ich stehe im Flur und schaue mir gerade die Busverbindungen für den nächsten Tag an, da klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Wieder eine Überraschung - die anderen beiden belgischen Mädels sind zufällig auch hier im selben Hostel untergekommen. Diesmal bleibt mehr Zeit für Austausch der Erlebnisse.

Eine von beiden wurde mit ihrem Begleiter nachts in Lima im Taxi ausgeraubt. Der Taxifahrer fuhr durch ein finsteres Viertel, hielt an und ließ zwei seiner Kumpel zusteigen. Den Rest kann man sich denken. In Quito wurde sie dann Opfer der Schmutzmasche. Das höre ich nicht zum ersten Mal und auch in allen Reiseführern wird davor gewarnt. Der Trick wird zumeist an Busterminals angewendet und funktioniert so:

Ein "netter" Local tippt einen an und zeigt auf Schmutz den man auf der Jacke/Pullover/Rucksack hat. Der Dreck wurde natürlich von einem anderen Komplizen soeben dort hingeschmiert. Ein oder zwei weitere Einheimische scharen sich dazu und helfen den Dreck wegzuwischen. Derart abgelenkt stellt der Reisende schon mal seinen Daypack-Rucksack (der üblicherweise die Wertsachen enthält) ab und schaut sich die Sauerei an. Wenn dann alle wieder weg sind, ist meist auch der kleine Rucksack weg oder es fehlen Dinge aus den Taschen.

Im Fall von Annelies war das beonders Perfide, dass man ihr nicht irgendwelchen Schmutz sondern Kot an die Schulter und in die Haare geschmiert hatte. Als sie in den Toiletten des Busbahnhofs versuchte die Sauerei abzuwaschen hat ihr Daypack Beine bekommen. Zwei Mal in so kurzer Zeit - das ist wirklich Pech.

Ständig höre ich Geschichten dieser Art. Handy weg, Ipad geklaut, ausgeraubt - praktisch niemand kommt hier ungeschoren davon. Die Frage ist nicht ob man beraubt/beklaut wird sondern nur wann und wie oft.

[übrigens..meine Kamera habe ich trotz fehlender Fotos in diesem Beitrag noch ;-)]

Eingestellt von Tom Travel 20:04 Archiviert in Kolumbien

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